Natürlich kann man im Heimstudio, spöttisch auch gern "Bedroomstudio" genannt eigene professionelle Tracks erstellen, die einem Stück aus dem Radio in nichts nachstehen. Die VST/AU-Technologien machen es möglich, dass man die meisten Synthesizer heutzutage sehr, sehr gut simulieren kann. Allerdings beschränkt sich dieses ja auf Aufnahmen, die keinerlei "analoge" Quellen haben, da man dafür wieder eine schalldichte Kammer benötigt, die Rauschen und andere Störgeräusche unterdrückt. Aus meinem Besuch in den Bekegg-Studios weiß ich, dass man nur durch geschickte Raumaufteilung einen Sound komplett anders klingen lassen kann.
Heimstudios eignen sich also in erster Linie für Musik, die möglichst nicht mit Mikrophonen aufgenommen werden muss. Diese Heimstudios haben in der Regel keine großartige Verkabelung und alles passiert im PC/Mac, sei es die generierung der Sounds oder auch die Einstellungen der Equalizer/Lautstärken. Während also "früher" mit irgendwelchen Kabeln an gigantischen Mischpulten herumgezwirbelt wurde, muss sich der geneigte Heimstudiobesitzer nur noch mit einer Mixersoftware befassen, die in den meisten Programmen sowieso perfekt eingebaut wurde.
Es gibt aber natürlich einen ganzen Sack voller Einschränkungen: Die erste, wichtigste Einschränkung ist das Wiedergabesetup. Eine normale Stereoanlage mit ganz normalen Boxen eignet sich in der Regel nicht zum Abhören fertiger Stücke denn normale Lautsprecher entfernen oder verstärken bestimmte Frequenzen. So klingt die Bassdrum beim Producer zuhause extrem knackig aber sobald der Song bei jemand anderem oder sogar in einem "richtigen" Studio abgespielt wird, ist die Bassdrum nur noch ein Furz. Oder - noch schlimmer - dermaßen präsent, dass man die Melodie im Song gar nicht mehr hört.
Wo man also keineswegs sparen kann ist das Equipment zum Abhören: Lineare Studiomonitore, die auch noch perfekt hingestellt werden müssen kosten nunmal Geld. Bei Delamar gibt es einen Artikel darüber, wie du am schlausten deine Monitore positionieren musst, um das optimale Klangerlebnis für dich und eben auch für andere zu haben. Den Artikel dazu findest Du hier.
Das mit den Lautsprechern bringt mich auch direkt zu dem Punkt „Raumakustik“. Der Raum, in dem du abhörst sollte kein Echo haben und die Sounds nicht verfälschen. Ich war mal bei nem Kumpel, der hatte zwar richtig feine Nahfeldmonitore und diese waren auch gut aufgestellt aber an der Wand war eine Glasvitrine mit Gläsern drin. Bei den Bässen hat es ordentlich geschäppert.
Leider ist ein guter Musiker nicht automatisch ein guter Mischer. So kann es sein, dass du zwar mit teuren Nahfeldmonitoren einen deiner Meinung nach satten Klang hast, jemand anders dir aber direkt sagt: "Shit, deine Hihats sind zu laut und die Melodie ist viel zu sehr im Vordergrund".
Ehrlich gesagt ist gutes Mixing mindestens genau so kompliziert wie gute Kompositionen. Ich selbst finde sogar, dass dieser Teil der Musikproduktion der schwerere Part ist denn ein Musiker achtet bei seinen Songs auf ganz andere Dinge als ein normaler Zuhörer.
Also: Lerne mit Equalizern und Mixern umzugehen, damit der fertige Song wenigstens einigermaßen gut klingt.
Ein weiterer Punkt, der beim Heimstudio sehr häufig auftritt ist das sogenannte Mastering: Ein Prozess, der irgendwo zwischen Pest und Sex einzuordnen ist. Während Sex ne tolle Sache sein kann, ist Mastering auch manchmal sehr toll aber meistens ist Mastering eher die Pest, denn es tritt meistens bei Bedroom-Productions auf, weil ein selbstproduzierter Song immer noch nicht knackig genug klingt. Beim Mastering wird dann der Kompressor angeschmissen und es werden Sachen optimiert, die eigentlich beim Mixdown schon hätten passieren sollen. Seien wir doch mal ehrlich: Aus nem alten, rostigen Polo baust du auch mit Glitzerlack kein neues Auto. Mastering ist schön aber wenn man nicht vorher sauber mischt, bringt Mastering gar nichts.