Tja, was ist mit der guten alten Spielebranche nur los? Ich verstehe es einfach nicht. Einerseits gibt's immer mal wieder die unsägliche Killerspieldebatte, andererseits tun die Hersteller alles, um irgendwelchen Vorstadtpolitikern ans Bein zu pinkeln. Mittlerweile untergraben die Hersteller sogar die eigenen Fans, denn neue Veröffentlichungen führen viele Argumente ad absurdum.
Das neue Medal of Honour macht weniger wegen guter Grafik oder intelligenten Bots von sich reden sondern viel mehr, weil der Einsatz in Afghanistan spielt und der Spieler sogar in der Lage ist, als Taliban-Kämpfer zu kämpfen. Natürlich fließt jede Menge Blut und dank guter Physikengines sieht der Krieg auch noch ziemlich genial aus. Doch der Realismus geht - trotz der Szenerie hier - völlig verloren. Die Spieler werden bei solchen Spielen nicht mehr richtig gefordert, es steht nur noch die Action im Vordergrund.
Aus den Reihen der Bundeswehr wird mit Ekel auf das Spiel reagiert. Es kann doch nicht sein, dass Väter von Kindern hier über den Haufen geschossen werden. Diese Argumentation finde ich ziemlich bescheuert. Es ist nur ein Spiel und die Realität ist weitaus schlimmer. Davon mal abgesehen ist es der Job eines echten Soldaten, in Krisengebiete zu ziehen und dem Staat zu dienen. Dafür macht man ein Gelöbnis, dafür kriegt man ein wenig Bonusgeld. Und wenn man am Ende überlebt hat, kriegt man auch noch evtl. eine gute Auszeichnung.
Es ist aber so, dass der ganze Afghanistan-Konflikt zu nichts führt. Selbst Rambo III zeigt überdeutlich, dass in dem Land eigentlich schon immer Krieg herrschte. Da waren erst die Russen, dann die Amerikaner, dann die Extremisten und dann wieder die Amerikaner. Krieg ist dort irgendwo "Normalzustand" und diese Hilfsmissionen sind schon irgendwo ehrenhaft, aber meiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt. Die Menschen da sehen doch nur den "politsch doktrinierten westlichen Feind" und wenn irgendwo eine verirrte Granate ein Haus mit Zivilisten sprengt, ist doch klar das auch Nicht-Taliban bzw. stinknormale Familienväter auf Rache aus sind.
Ich schweife aber ab: Es geht hier um die Darstellung expliziter Gewalt in Spielen: Splatterfontänen und abgetrennte Gliedmaßen sind in Spielen lustig. Allerdings nur, wenn das Spiel für Erwachsene konzipiert wurde und wenn ein gewisser Abstand von der Realität vorhanden ist: Nehmen wir mal GTA San Andreas, ein Spiel das die Realität abbildet, gleichzeitig aber auch eine Parodie dieser Realität darstellt. Die Ghettos sind nicht so wie im Spiel, auch im Radio würde wohl kaum ein Spot über "legalisierte Kindesmißhandlung" laufen. Im Spiel geht das. Im Spiel können Motorräder auch die Wände hochfahren und 2-10 Schüsse aus nächster Nähe machen einen nicht kaputt. Selbst Blutlachen sind überproportional groß. Die dummen Sprüche eines "Carl Johnson" tun ihr übriges.
Nun versuchen die "neuen Shooter" aber ein realistisches Kriegsszenario darzustellen. Es geht um das "echte" Afghanistan und um "echte" Taliban-Kämpfer. Oder um "echte" Geiselnahmen/Massaker an irgendwelchen Flughäfen. Es gibt keinen Comedyfaktor wie bei der legendären "Braindead"-Rasenmäherszene. Es gibt auch keine blöden Sprüche wie bei Duke Nukem. Nein - das Ziel ist realistischer Genozid.
Und das ist der falsche Weg, liebe Spielehersteller. Ich bin euer Fürsprecher. Gewalt in Spielen ist komisch, Stressabbau und befriedigend zugleich aber ihr müsst die heutigen Fähigkeiten von Grafikkarten und CPus nicht dafür mißbrauchen, möglichst realistische Kriegsschauplätze nachzubauen. Das verwischt die Grenze zwischen "Spiel" und "Realität" und klaut euren Fans die Argumentation, dass ja alles nur ein "Spiel sei".
Konzentriert euch lieber auf ein cooles Missionsdesign.