Wie wird man ein DJ

DJ Marc Shake live an den Decks

Wie wird man ein DJ? Wie werde ich DJ? Was muss ich machen, um Platten aufzulegen? All diese Fragen werden dir hier beantwortet

Inhaltsverzeichnis

Update: Es gibt einen neuen Bereich über Selbständigkeit als DJ
  1. Was braucht ein DJ
  2. Einkaufsliste für DJs
  3. Anschluss der Geräte
  4. Bedienungselemente des Mischpults und des Plattenspielers
  5. Der DJ als Künstler
  6. Auflegen
    1. Livesets
    2. Beatmatching
    3. Scratching
    4. Beatjuggling
  7. Vermarktung
    1. Wie kommt man als DJ an Auftritte
    2. Guerilla DJS
    3. Diskotheken
    4. Hochzeiten
  8. Selbstständigkeit
  9. Trends und Zukunft

Willkommen bei der neuesten Version vom DJ-Tutorial. Hier lernst Du, wie man ein DJ wird. Die technische Seite des deejayings wird ebenso aufgegriffen wie auch die Selbstvermarktung und der Umgang mit Kunden und Auftraggebern. Deshalb ist das Tutorial relativ lang und umfangreich.

Was braucht ein DJ

Egal ob DJ Tiesto, DJ Bobo oder auch DJ Ötzi - alle fingen mit Turntables und Mischpult an. Während die Mischpulte relativ unterschiedlich ausfallen, schwören die meisten DJs auf Plattenspieler aus dem Hause Technics. Genau genommen sind's fast immer die Technics 1210 MK2 mit Direktantrieb. Die Mischpulte müssen lediglich einen Crossfader, 2 Eingänge und einen Line-Out+Kopfhörerausgang haben. Die Kopfhörer braucht ein DJ natürlich auch. Wenn es nicht gerade Walkman-Ohrstöpsel sind, reicht der normale Hauskopfhörer völlig aus.

Einkaufsliste für Djs

Hier also die Einkaufsliste:

  • Analog


    2 Turntables mit Direktantrieb (siehe auch hier bei Thomann
    Wünschenswert ist immer Technics, die kosten aber knapp 500 Euro/Stück. Reloops mit direktem Antrieb kosten weniger, sind für Anfänger aber mehr als ausreichend. (ca. 300 Euro)
    Mischpult
    Behringer VMX100 reicht locker aus. Ansonsten ist es eigentlich egal, Hauptsache das Ding hat genug Anschlüsse. Natürlich gilt hier auch irgendwo: Je teurer, desto besser
    Kopfhörer
    Beim "Ich bin doch nicht Blöd" gab es bis vor kurzem 10 Euro Kopfhörer mit voll abdeckender Ohrmuschel. Reicht erstmal...
    Platten
    Die Musik, die du auflegen willst, solltest du in Form von Vinyl besitzen. Plattendealer wie Cuepoint oder Deejaystore helfen dir da sicher gerne weiter. Wenn du nicht gerade im kleinsten Dorf der Welt wohnst, kannst du auch problemlos mal in den gelben Seiten nach Plattenläden in deiner Nähe suchen. Meistens sind die sogar noch günstiger, allerdings ist die Auswahl häufig begrenzt. Kaufe am Anfang ungefähr 10 Platten.
  • Digital

    Guten Laptop / PC / MAC
    Irgendwie muss deine Musiksammlung gespeichert sein. Ein Laptop mit ner schnellen Latenz ist Pflicht. Hier gilt, wie beim Gamer: Je schneller, desto besser. Das Betriebssystem deiner Wahl sollte ein gutes sein. Also kein Windows ;) Nee, Spaß. Dein Rechner sollte genug RAM haben, damit es keine Aussetzer gibt.
    Gute DJ Software (zum Beispiel das hier http://www.thomann.de/de/dj-software.html
    Die Auswahl hier ist gigantisch. Von kostenlosen Programmen wie Mixxx bis hin zu Traktor gibt's jede Menge Auswahl. Eine externe USB-Soundkarte ist hilfreich, wenn man mit Kopfhörern mixen möchte
  • CDJ (also mit DJ-CD-Playern)

    2 DJ CD-Player.
    Jeder Musikhändler weiß eigentlich, worauf es ankommt. Bei Thomann gibt's eine Menge Auswahl
    DJ Mixer
    Wie beim Vinyl auch, etwas simples reicht aus.

Natürlich brauchst du auch einen Verstärker, eine Anlage, ein Surround-System, halt irgendwas, was Krach macht, mit nem Aux-In-Anschluss, um die Tanzfläche beschallen zu können und wenn es nicht die Tanzfläche sein soll, dann zumindest das Wohnzimmer.

Anschluss der Geräte

Normalerweise ist auf dem Mischpult genau angezeigt, was wo an welche Stelle angeschlossen wird. Insofern würde es mich wundern, wenn Du da irgendwelche Probleme hättest. Vergiß bloß niemals die Erdungskabel der Plattenspieler an die Erdungsschraube anzudängeln. Alles andere wirst Du merken, denn dann hörst du einfach nichts.

Das Mischpult selbst wird normalerweise an den AUX-In oder CD/Line-In des Receivers geklemmt. Ähnlich verhält es sich mit Laptop und PC. Der Lineout des Rechenknechtes kommt an den Line-In der Anlage.

Bedienungselemente des Mischpults und des Plattenspielers

Prinzipiell sind alle Mischpulte und Deejay-Plattenspieler vom Aufbau her gleich. Natürlich sieht ein Regler bei nem Numark anders aus als bei einem Behringer und auch die Verarbeitung von einem Technics Turntable ist sicherlich besser als die von einem Discount-Dreher. Dennoch haben alle Geräte irgendwo die selben Bedienungselemente.

Mischpult

DJ Battlemixer (Grafik aus dem Wikipedia-Archiv)

Du siehst hier ein 3-Kanal-Mischpult. Die mit 1,2 und 3 gekennzeichneten Regler regeln die Lautstärke der Kanäle, z.b. Turntable links und Turntable rechts und CDplayer. Der untere lange Regler ist der Crossfader. Bei 2 voll aufgerissenen Kanälen kannst du damit zwischen diesen hin und herschalten. Die runden Knöpfe regeln, wieviel Bass, Mitten und Höhen auf dem Kanal liegen und ob dieser nochmal verstärkt (GAIN) werden soll.

Die anderen Knöpfe sind Mischpultspezifisch und werden beim entsprechenden Mischpult genauer beschrieben.

Turntable

Namensnennung: Cschirp aus der deutschsprachigen Wikipedia
Cschirp aus der deutschsprachigen Wikipedia

Es gibt folgende Basiselemente auf einem handelsüblichen Turntable. Bei DJ-Programmen heißen diese Knöpfe sogar ähnlich, da die Tools das echte DJ-Mixing ja irgendwo nachbilden sollen.

  1. Ein/Ausschalter
  2. Start-Stopp-Knopf
    Dieser wird benutzt, wenn man schonmal zur richtigen Stelle positioniert hat, den Plattenteller aber nicht die ganze Zeit festhalten will. Der Start mit diesem Knopf geht ziemlich schnell. Stopp kann genutzt werden, um einen harten Cut im Mix einzubauen
  3. 33/45 RPM
    Es gibt Platten, die eben mit 33 Umdrehungen pro Minute laufen und eben Platten, die mit 45 Umdrehungen aufgenommen wurden. Früher gab es auch mal 78 RPM.
  4. Tonabnehmer, System
    Eine Diamantnadel, in der Regel von Shure oder Ortofon. Kostet ca. 70 Euro im Einzelhandel. So ein System hält im Dauerbetrieb ca. 2-3 Monate, je nachdem wieviel man mixt.
  5. Pitch/Geschwindigkeitsanpassung
    Damit kann eine feine Anpassung der Abspielgeschwindigkeit von +8% bis -8% durchgeführt werden. Manche Plattenspieler erlauben auch höhere Werte. Dieser Regler dient dazu, parallel laufende Platten auf die gleiche Geschwindigkeit zu bringen.

Der DJ als Künstler

DJs sind irgendwo Musiker und Künstler. Du kannst das Tutorial exakt HIER abbrechen, wenn du keine Ahnung von einem 4/4-Takt hast. Du musst auch in der Lage sein, die BPM-Rate eines Songs von der BPM-Rate eines anderen Songs klar unterscheiden zu können. Ein House-Stück läuft üblicherweise ca. mit 140 bpm während ein Hardstyle-Stück ca. 150 BPM hat. Es ist also irgendwo möglich, beide Stile zu kombinieren aber es ist unüblich und deine Zuhörer werden definitiv damit überfordert sein und das Set scheisse finden. Deshalb konzentriere dich erstmal auf einen und zwar DEINEN Stil.

Die meisten Musiker und DJs die ich kenne machen Musik, weil sie etwas hören wollen, was sie selbst gut finden. Die meisten Leute finden die DJs gut, gerade WEIL deren Musikgeschmack den dieser Leute abdeckt. Häufig genug findet man in Gästebüchern diverser DJs Anfragen zur Playlist. In den Clubs selbst gibt es immer mal wieder die Schultergucker: Also die Leute, die versuchen zu sehen, was der DJ da eigentlich gerade spielt. Und das ist gut so: Mach dein Ding, das ist der wichtigste Ratschlag, den dir dieses Tutorial geben kann.

Es geht hier nicht darum, wahnsinnig erfolgreich zu sein: Wenn man zu seiner Einstellung steht, kommt der Erfolg von ganz allein. Trance war z.B. tot aber Leute wie Armin van Buuren oder Tiesto kriegen noch immer utopische Gagen und sind regelmässig unter den Top5 der angesagtesten und besten DJs aller Zeiten. Und das, obwohl sie tote Musik spielen sollen.

Auflegen

Livesets

Das, was ein DJ den ganzen Tag so macht, nennt sich Liveset. Der DJ versucht also, verschiedene Musikstücke in ein langes "Lied" - das Set - zu packen und kontinuierlich ungefähr die gleiche Geschwindigkeit zu halten. Du musst also versuchen, so aufzulegen, dass dein Publikum gar nicht bemerkt, dass schon wieder ein neues Lied läuft.

Beatmatching

“You have to learn the rules of the game. And then you have to play better than anyone else.”

Albert Einstein

Das erste, dass JEDER DJ beherrschen muss ist das Beatmatching. Beatmatching heißt, die Beats matchen - die Schläge der Bassdrum liegen übereinander. Das heißt nichts anderes als das die Geschwindigkeit der Platten aneinander angepasst werden.

Du musst nun die eine Platte laut abspielen und benutzt deinen Kopfhörer um bei der zweiten Platte einen Beat zu suchen. Spiele die zweite Platte für das Publikum unhörbar auf deinen Headphones ab und gleiche die Geschwindigkeit an. Ich mache das normalerweise so:

  • Platte auflegen und auf "Play/Start" drücken.
  • Reinhören
  • Ich drehe die Platte bis zum Beginn des Bassdrum-Beats.
  • Hören, ob die Geschwindigkeit schon passt
  • Mit dem Finger die Platte langsamer werden lassen, dazu den Zeigefinger an den Rand der Platte halten und vorsichtig "schleifen", bis die Geschwindigkeit passt.
  • Den Pitchregler soweit anpassen, dass der Beat auch nach 16 Takten noch immer einigermaßen passt. Falls nicht, der Platte nochmal Schwung geben und evtl sogar von vorne anfangen.
  • Der Beat passt nun.
    • Spinne (drehe) die Platte bis zu der Stelle von der Du meinst, dass da ein Übergang geil wäre.
    • Drehe bei dem inaktiven Kanal die Bässe weit runter
    • Lass die Platte los und achte drauf, dass der Beat immer noch passt
    • Ziehe gleichzeitig den Fader hoch (Publikum hört nun was)
    • Drehe anschließend bei dem ersten Kanal den Bass runter und bei dem anderen Kanal den Bass rauf
  • Du hast einen Übergang gemacht.

Und mit 99,999 prozentiger Wahrscheinlichkeit hast du den Übergang verkackt. DJ sein heißt Arbeiter sein: Du musst diese Beatmatchinggeschichten können. Das heißt, üben, üben, üben und nochmals üben. Profi-DJs brauchen keine 10 Sekunden um die Beats zweier Platten übereinander zu legen. Es gibt DJs, die spielen in einem 10 Minuten Set fast 20 Platten durch.

Mashup

Zum Beatmatching gehört übrigens auch, eine Acapella-Spur eines Songs über den Beat von einem völlig anderen Song zu legen, um so ein Mashup zu bauen.

Ein kleines Video auf Youtube zum Thema: http://www.youtube.com/watch?v=NlB_OQ9bZbg

Scratching

“They'll nail anyone who ever scratched his ass during the National Anthem.”

Humphrey Bogart

Scratching, also "Kratzen" ist wichtig. Irgendwie will das jeder können aber irgendwie ist das zumindest im Bereich der elektronischen Musik eher eine Randerscheinung. Klar, jeder DJ, der was auf sich hält, kann das aber in den meisten Diskotheken guckt einen der Techniker doch eher sparsam an, wenn man das tatsächlich durchzieht. Umso größer ist jedoch die Begeisterung, wenn man tatsächlich scratchen kann. Denn Scratchen ist der Teil des Diskjockey-Daseins, der quasi "Remix am lebenden Objekt" erlaubt.

Scratchen selbst ist gar nicht so wahnsinnig schwer, dennoch muss man sich stark auf die eigene Technik verlassen können. Der Vorgang selbst besteht eigentlich nur aus 2 Handbewegungen, die man allerdings parallel durchführen muss und die deshalb auch ein bißchen gehobene Motorik von dir abverlangen.

Idealerweise stellst du deine Turntables im Battlemode auf. Also nicht so, dass der Tonarm rechts liegt, sondern oben. So geraten deine Hände nicht in den Tonarm rein.

  1. Die laute Platte läuft
  2. Crossfader so einstellen, dass eine kurze Hüllkurve für die Lautstärke da ist.
    • Erste Hand so legen, dass der Daumen den Crossfader bewegt und der Zeigefinger den Crossfader in der Mitte stoppt.
    • Zweite Hand auf den Rand der leisen Platte legen und diese so stoppen, dass der Teller sich weiterdreht. Dann Crossfader schnell auf mitte und Platte zurückdrehen. Dann Crossfader zurück auf "aktive Platte" und leise Platte wieder normal nach vorne laufen lassen. Usw.
  3. Das ganze mit immer höherer Geschwindigkeit durchführen

Beatjuggling

“It's not easy to juggle a pregnant wife and a troubled child, but somehow I managed to fit in eight hours of TV a day.”

Homer Simpson

Beatjuggling ist Hiphop pur. Der Plattenspieler wird wie ein Sampler benutzt, man spielt also eine passage eines Songs immer wieder, um einen Beat zu erzeugen. Dabei nimmt man 2 identische Platten und sucht sich dort beispielsweise einen Drumloop raus. Diesen Loop spielt man zuerst auf der einen Platte, dann switched man zum anderen Turntable, spielt den Loop da und dreht den leisen Turntable wieder zurück zum Anfang des Loops, um diesen dann wieder laut zu spielen und den anderen Turntable wieder zu drehen und so weiter.

So entsteht der Eindruck eines dauerhaft laufenden Beats. Die Schwierigkeit beim Beatjuggling ist, dass so ein Loop nur ein paar Sekunden läuft und man deshalb ziemlich schnell den Anfang des Beats auf der "leisen" Platte finden muss.

Deshalb hat sich durchgesetzt, bei Platten an den relevanten Stellen kleine weiße Aufkleber hinzupappen. So findet man den Anfang des Beats schneller. Dennoch ist das Juggling technisch relativ anspruchsvoll.

Vermarktung

DJs sind Künstler, sie brauchen ein Forum um ihr Können zu demonstrieren. Deshalb befasst sich dieser Teil des Tutorials mit der Selbstvermarktung als DJ. Hier wird beschrieben, was Du tun musst, um an Gigs zu kommen und wie du Bedingungen aushandelst, die dir sowohl gute Auftritte als auch ruhige Nächte bescheren, damit du nicht das Gefühl hast, über den Tisch gezogen zu werden.

Wie kommt man als DJ an Auftritte

Each gig should be unique. You're always treading that line between keeping yourself fresh and giving people something they want to hear.

Brian May

Alle DJs, die ich kenne, sind über andere DJs ans auflegen gekommen. Und von denen hat jeder irgendwo schonmal aufgelegt. Also halte dich an deine DJ-Freunde, die bereits Gigs haben. Biete deinen Freunden an, mit denen zusammen ein Battleset zu machen. Ein Battleset heißt, ihr legt als Team auf und tut so, als ob ihr den anderen mit immer komplizierteren Tracks aus dem Konzept bringen wollt. Nachher, wenn Du besser bist, kannst du das sogar machen. Es gibt genug Platten, die mittendrin Tempi-Wechsel haben.

Ansonsten gibt's natürlich die Option, Mix-CDs zu erstellen. Ich gehe mal davon aus, dass Du in der Lage bist, deinen PC so mit dem Mixer zu koppeln, um deine Sets aufnehmen zu können.

Lies hierzu auch bitte Blogpost: An Gigs rankommen

Guerilla DJ

Immer wieder gut sind auch Stadtfeste oder so: Es ist tatsächlich möglich, bei z.B. ner Bank zu fragen, ob man im Bereich der Geldautomaten das Vinyl drehen darf. Manchmal funktioniert das. Und wenn die Bank "Nö" sagt, so musst du halt drauf achten, nicht erwischt zu werden. Diesen Tipp hast Du aber NICHT von mir.

Diskotheken

Alle paar Monate findet in fast jeder größeren Diskothek sowas wie eine "Crazy Night" oder sowas statt. Dort kannst Du als DJ zum Beispiel im Eingangsbereich oder sogar im Klo auflegen. Das ist nicht schön aber es ist so, dass Du auffällst. Du machst Dir einen Namen. Irgendwo muss man ja anfangen.

Ansonsten gilt: Du bist als DJ ein Geschäftsmann. Präsentiere dich als Geschäftsmann. Rufe in der Diskothek an und verlange den Chef bzgl. eines Termins. Du möchtest dich vorstellen und mal auflegen. Die Planung von Events in Diskotheken ist üblicherweise immer so 2 Monate im Voraus. Konkret heißt das: Alles, was in den Flyern steht, ist bereits 2 Monate vorher komplett geplant und auch bezahlt worden. Dennoch kann es immer mal wieder passieren, dass ein Resident DJ erkrankt oder dass das komplette Programm wegen Vulkanausbrüchen oder Unterarmnässe gecancelt werden muss. Das ist dann deine Chance:

Präsentiere Dich als DJ: Nimm eine Mix-CD mit, sei seriös und versuche den Chef mit guten Argumenten zu überzeugen. Als letztes Mittel redet über die Gage. Die darf nicht zu hoch sein, allerdings musst du mindestens das Geld für neue Platten, die Spritkosten und evtl. sogar die Übernachtung rausholen, falls der Gig weiter weg ist. Weiter weg bedeutet alles mit Anfahrtsweg > 2 h.

Du musst dem Chef klarmachen, dass du kein versoffenes Schwein bist, sondern deine Arbeit (und das ist deejaying) ernst nimmst.

Hochzeiten, Tanzveranstaltungen

Als Hochzeits-DJ steht die Moderation klar im Vordergrund. Außerdem bist du im Normalfall auch für die Licht- und Tontechnik verantwortlich. Dein musikalisches Spektrum muss gigantisch sein und vor allem wirst du mit Schallplatten nicht glücklich werden. Zuviel Musikwünsche müssen erfüllt werden können und du brauchst irgendwelche Trinklieder, um das Brautpaar und die Gäste immer mal wieder an die Bar geleiten zu können.

Als HochzeitsDJ musst du mit dem Brautpaar planen und philosophieren, was an der Hochzeit passieren soll. Der Bräutigam hat prinzipiell nichts zu sagen, die Hochzeit ist für die Braut das wichtigste. Du musst selbstständig erkennen, dass die Frau ihre Lieblingslieder hat und aufgrund dessen irgendwie versuchen, den Stil zu verfolgen. Natürlich musst du auch wissen, wie alt das Publikum bei der Hochzeit sein wird. Normalerweise sind Großeltern, Tanten, Onkel und Eltern dabei. Dieses Spektrum musst du abdecken können.

So blöd es klingen mag: Wolle Petry geht (leider) immer :)

An Hochzeitsgigs kommst du durch Visitenkarten, die du den Inhabern von Lokalen zusteckst. Oder indem du abends bei Hochzeitsfeiern Visitenkarten an Scheibenwischer pappst. Nicht zuletzt natürlich immer der Kleinanzeiger oder eben Online-Börsen.

Als DJ selbstständig machen

Grundsätzliches

Steuern
Don't wait until everything is just right. It will never be perfect. There will always be challenges, obstacles and less than perfect conditions. So what. Get started now. With each step you take, you will grow stronger and stronger, more and more skilled, more and more self-confident and more and more successful. Mark Victor Hansen

Dieses Kapitel befasst sich mit dem Geld verdienen, den steuerrechtlichen Aspekten, den Kosten und der Schreibtischarbeit, die auf dich als DJ zukommen könnte. Ganz wichtiger Hinweis: Diese Daten werden nicht absolut regelmäßig gepflegt und können daher heute schon wieder veraltet sein. Trancefish.de ist KEINE Rechtsberatung und ich lehne jedwede rechtliche Konsequenz ab, falls du hier alles strikt befolgt hast, es mittlerweile aber vielleicht alles ganz anders ist. Gerade der Businessbereich Musik ist ständigen Änderungen unterworfen. Sei es durch das Urheberrecht, die GEMA allgemein oder durch Bestimmungen für Gastronomiebetriebe. Das kann und will ich nicht alles abdecken, daher bestehe ich darauf, dass du dir gerade im Bereich "Selbständigkeit" noch eine echte Beratung irgendwo einholst, bevor du dich zu 100% auf mein Geschreibe hier verlässt. Davon abgesehen gibt's hier aber zumindest so eine Art Leitfaden, damit du nicht völlig doof da stehst.

Zuerst mal kann sich absolut jeder Mensch auf diesem Planeten "DJ" nennen. Im Gegensatz zum Beruf "Klempner" gibt es keine Gesellenprüfung und auch die diversen "DJ-Führerscheine" oder private Musikschulen, die man so besuchen kann sind gute Erweiterungen des eigenen Profiles aber eigentlich relativ nutzlos. Dies sollte man sich immer vor Augen halten. Rechtlich bringen diese Bescheinigungen also erstmal gar nichts.

Du MUSST übrigens ein Kleingewerbe beantragen. Da DJ kein "Beruf" im eigentlichen Sinne ist, kannstu du NICHT als freiberuflicher DJ arbeiten.

Im Idealfall will man als DJ natürlich gewinnbringend arbeiten. Sobald man also eine Tätigkeit ausführt, mit dem Ziel, Gewinn zu machen, greift das EStG §15,2. Dort steht:

Eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist. Eine durch die Betätigung verursachte Minderung der Steuern vom Einkommen ist kein Gewinn im Sinne des Satzes 1. Ein Gewerbebetrieb liegt, wenn seine Voraussetzungen im Übrigen gegeben sind, auch dann vor, wenn die Gewinnerzielungsabsicht nur ein Nebenzweck ist.

Zwangsläufig heißt dies, dass Du einen Gewerbeschein brauchst. Dieser kostet so zwischen 15 und 40 Euro und sorgt dafür, dass du ganz offiziell Rechnungen schreiben kannst. Wenn du dies nicht tust, machst du ganz offiziell "Schwarzarbeit". Die wird übelst bestraft, im Schlimmsten Fall Knast.

Steuern

Als DJ bist du Umsatzsteuerpflichtig. Du musst also zwangsläufig Umsatzsteuer zahlen. Dies wirkt sich insbesondere auf deine Gage aus: Bei 500 Euro Nettogage musst du 19% Umsatzsteuer drauf rechnen, die dein Veranstalter zahlen muss. Das heißt:
500 € * 1.19 = 595 € Brutto
Der auszuweisende MwSt-Betrag lautet 500/0.19 = 95 €.

Platten/Mp3-Daten/CDS hast du in der Regel auch als Business to Customer Kunde gekauft, die Mehrwertsteuer für die Daten musst du also gesondert ausweisen. Wenn eine Vinyl also 8,95€ gekostet hast, beträgt der Steuersatz rd. 1,71 €. Dies musst du in deiner Steuererklärung berücksichtigen. Grundsätzlich solltest du dir sowieso nen guten, guten Steuerberater suchen, zumal das Finanzamt dich ohnehin befragen wird, was du meinst, was du verdienst usw.

Als Selbstständiger DJ gelten übrigens alle normalen Regeln für andere Selbstständige auch: Du bist selbst sozialversicherungspflichtig. Du musst diese Tätigkeit deinem Arbeitgeber melden. Du musst darauf achten, dass dir evtl. Kindergeld und andere staatliche Leistungen aberkannt werden, wenn du über einem bestimmten Betrag kommst. Nicht zuletzt kommt natürlich noch die GEMA dazu:

Gema+Co

Ich habe ernsthaft überlegt, hier eine Passage zum Thema GEMA rein zu schreiben. Das Problem hier ist folgendes: Ich versteh es selbst nicht. Daher hier ein paar Linktipps dazu:

Trends und Zukunft

Zukunft

“Losers live in the past. Winners learn from the past and enjoy working in the present toward the future.”

Dennis Waitley

Die Vinyl wurde beim Erscheinen der CD als "TOT" bezeichnet. Wie man sieht, ist die Vinyl noch immer da und bleibt das wichtigste Werkzeug für DJs. Doch Controller-Vinyls schaufeln eifrig am Grab der Vinyl. Programme wie Serato Scratch oder Traktor oder Mixxx sind in der Lage, mit Timecode-Vinylen ein nahezu 100%iges "Vinylmixing" zu simulieren. Da auch Plattenlabels sparen müssen, erscheinen neue Releases fast nur noch als MP3. Die CD selbst hingegen ist tot. Die CD taugt eigentlich nur als Datenträger für die o.g. MP3-Dateien.

Beobachte die Zukunft. Versuche, technische Neuheiten zumindest irgendwo mal anzutesten. Das I-Pad zum Beispiel halte ich für Spielzeug, es gibt aber jede Menge DJ-Apps für das Gerät, die du zumindest mal testen solltest.

Trends

I happened to come along in the music business when there was no trend.

Elvis Presley

Als DJ musst du Trends verfolgen oder gar setzen können. Lies wichtige Musikblogs/Magazine. Verfolge Plattenkritiken und höre Webradio. Aboniere Podcasts, die sich mit deiner Musik befassen und benutze auch Social-Services wie Digg, Yigg, MrWong oder Facebook. Myspace-Seiten sind Pflicht, um neue Releases deiner Artists hören zu können, noch bevor sie im Laden sind.

Versuche in Pools reinzukommen. Digi-Pools sind derzeit noch kostenlos aber ohne Gigs oder Referenzen kommt man da auch nicht so leicht rein. Ich selbst bin in 4 Dj-Pools drin und werde zukünftig auch Platten von denen hier öfter mal vorstellen.

Hier mal eine Liste der Blogs, die ich so lese:

Fazit

Ich hoffe, dass du einiges mit diesem Tutorial anfangen konntest. Lerne Deejaying und versuche, Profi zu bleiben!

Deine Meinung dazu kannst du hier abgeben.