Willkommen bei der neuesten Version vom DJ-Tutorial. Hier lernst Du, wie man ein DJ wird. Die technische Seite des deejayings wird ebenso aufgegriffen wie auch die Selbstvermarktung und der Umgang mit Kunden und Auftraggebern. Deshalb ist das Tutorial relativ lang und umfangreich.
Egal ob DJ Tiesto, DJ Bobo oder auch DJ Ötzi - alle fingen mit Turntables und Mischpult an. Während die Mischpulte relativ unterschiedlich ausfallen, schwören die meisten DJs auf Plattenspieler aus dem Hause Technics. Genau genommen sind's fast immer die Technics 1210 MK2 mit Direktantrieb. Die Mischpulte müssen lediglich einen Crossfader, 2 Eingänge und einen Line-Out+Kopfhörerausgang haben. Die Kopfhörer braucht ein DJ natürlich auch. Wenn es nicht gerade Walkman-Ohrstöpsel sind, reicht der normale Hauskopfhörer völlig aus.
Hier also die Einkaufsliste:
Natürlich brauchst du auch eine Stereoanlage mit nem Aux-In-Anschluss, um die Tanzfläche beschallen zu können und wenn es nicht die Tanzfläche sein soll, dann zumindest das Wohnzimmer.
Normalerweise ist auf dem Mischpult genau angezeigt, was wo an welche Stelle angeschlossen wird. Insofern würde es mich wundern, wenn Du da irgendwelche Probleme hättest. Vergiß bloß niemals die Erdungskabel der Plattenspieler an die Erdungsschraube anzudängeln. Alles andere wirst Du merken, denn dann hörst du einfach nichts.
Prinzipiell sind alle Mischpulte und Deejay-Plattenspieler vom Aufbau her gleich. Natürlich sieht ein Regler bei nem Numark anders aus als bei einem Behringer und auch die Verarbeitung von einem Technics Turntable ist sicherlich besser als die von einem Discount-Dreher. Dennoch haben alle Geräte irgendwo die selben Bedienungselemente.
DJs sind irgendwo Musiker und Künstler. Du kannst das Tutorial exakt HIER abbrechen, wenn du keine Ahnung von einem 4/4-Takt hast. Du musst auch in der Lage sein, die BPM-Rate eines Songs von der BPM-Rate eines anderen Songs klar unterscheiden zu können. Ein House-Stück läuft üblicherweise ca. mit 140 bpm während ein Hardstyle-Stück ca. 150 BPM hat. Es ist also irgendwo möglich, beide Stile zu kombinieren aber es ist unüblich und deine Zuhörer werden definitiv damit überfordert sein und das Set scheisse finden. Deshalb konzentriere dich erstmal auf einen und zwar DEINEN Stil.
Die meisten Musiker und DJs die ich kenne machen Musik, weil sie etwas hören wollen, was sie selbst gut finden. Die meisten Leute finden die DJs gut, gerade WEIL deren Musikgeschmack den dieser Leute abdeckt. Häufig genug findet man in Gästebüchern diverser DJs Anfragen zur Playlist. In den Clubs selbst gibt es immer mal wieder die Schultergucker: Also die Leute, die versuchen zu sehen, was der DJ da eigentlich gerade spielt. Und das ist gut so: Mach dein Ding, das ist der wichtigste Ratschlag, den dir dieses Tutorial geben kann.
Es geht hier nicht darum, wahnsinnig erfolgreich zu sein: Wenn man zu seiner Einstellung steht, kommt der Erfolg von ganz allein. Trance war z.B. tot aber Leute wie Armin van Buuren oder Tiesto kriegen noch immer utopische Gagen und sind regelmässig unter den Top5 der angesagtesten und besten DJs aller Zeiten. Und das, obwohl sie tote Musik spielen sollen.
Das, was ein DJ den ganzen Tag so macht, nennt sich Liveset. Der DJ versucht also, verschiedene Musikstücke in ein langes "Lied" - das Set - zu packen und kontinuierlich ungefähr die gleiche Geschwindigkeit zu halten. Du musst also versuchen, so aufzulegen, dass dein Publikum gar nicht bemerkt, dass schon wieder ein neues Lied läuft.
“You have to learn the rules of the game. And then you have to play better than anyone else.”
Albert Einstein
Das erste, dass JEDER DJ beherrschen muss ist das Beatmatching. Beatmatching heißt, die Beats matchen - die Schläge der Bassdrum liegen übereinander. Das heißt nichts anderes als das die Geschwindigkeit der Platten aneinander angepasst werden.
Du musst nun die eine Platte laut abspielen und benutzt deinen Kopfhörer um bei der zweiten Platte einen Beat zu suchen. Spiele die zweite Platte für das Publikum unhörbar auf deinen Headphones ab und gleiche die Geschwindigkeit an. Ich mache das normalerweise so:
Und mit 99,999 prozentiger Wahrscheinlichkeit hast du den Übergang verkackt. DJ sein heißt Arbeiter sein: Du musst diese Beatmatchinggeschichten können. Das heißt, üben, üben, üben und nochmals üben. Profi-DJs brauchen keine 10 Sekunden um die Beats zweier Platten übereinander zu legen. Es gibt DJs, die spielen in einem 10 Minuten Set fast 20 Platten durch.
Zum Beatmatching gehört übrigens auch, eine Acapella-Spur eines Songs über den Beat von einem völlig anderen Song zu legen, um so ein Mashup zu bauen.
Ein kleines Video auf Youtube zum Thema: http://www.youtube.com/watch?v=NlB_OQ9bZbg
“They'll nail anyone who ever scratched his ass during the National Anthem.”
Humphrey Bogart
Scratching, also "Kratzen" ist wichtig. Irgendwie will das jeder können aber irgendwie ist das zumindest im Bereich der elektronischen Musik eher eine Randerscheinung. Klar, jeder DJ, der was auf sich hält, kann das aber in den meisten Diskotheken guckt einen der Techniker doch eher sparsam an, wenn man das tatsächlich durchzieht. Umso größer ist jedoch die Begeisterung, wenn man tatsächlich scratchen kann. Denn Scratchen ist der Teil des Diskjockey-Daseins, der quasi "Remix am lebenden Objekt" erlaubt.
Scratchen selbst ist gar nicht so wahnsinnig schwer, dennoch muss man sich stark auf die eigene Technik verlassen können. Der Vorgang selbst besteht eigentlich nur aus 2 Handbewegungen, die man allerdings parallel durchführen muss und die deshalb auch ein bißchen gehobene Motorik von dir abverlangen.
Idealerweise stellst du deine Turntables im Battlemode auf. Also nicht so, dass der Tonarm rechts liegt, sondern oben. So geraten deine Hände nicht in den Tonarm rein.
“It's not easy to juggle a pregnant wife and a troubled child, but somehow I managed to fit in eight hours of TV a day.”
Homer Simpson
Beatjuggling ist Hiphop pur. Der Plattenspieler wird wie ein Sampler benutzt, man spielt also eine passage eines Songs immer wieder, um einen Beat zu erzeugen. Dabei nimmt man 2 identische Platten und sucht sich dort beispielsweise einen Drumloop raus. Diesen Loop spielt man zuerst auf der einen Platte, dann switched man zum anderen Turntable, spielt den Loop da und dreht den leisen Turntable wieder zurück zum Anfang des Loops, um diesen dann wieder laut zu spielen und den anderen Turntable wieder zu drehen und so weiter.
So entsteht der Eindruck eines dauerhaft laufenden Beats. Die Schwierigkeit beim Beatjuggling ist, dass so ein Loop nur ein paar Sekunden läuft und man deshalb ziemlich schnell den Anfang des Beats auf der "leisen" Platte finden muss.
Deshalb hat sich durchgesetzt, bei Platten an den relevanten Stellen kleine weiße Aufkleber hinzupappen. So findet man den Anfang des Beats schneller. Dennoch ist das Juggling technisch relativ anspruchsvoll.
DJs sind Künstler, sie brauchen ein Forum um ihr Können zu demonstrieren. Deshalb befasst sich dieser Teil des Tutorials mit der Selbstvermarktung als DJ. Hier wird beschrieben, was Du tun musst, um an Gigs zu kommen und wie du Bedingungen aushandelst, die dir sowohl gute Auftritte als auch ruhige Nächte bescheren, damit du nicht das Gefühl hast, über den Tisch gezogen zu werden.
Each gig should be unique. You're always treading that line between keeping yourself fresh and giving people something they want to hear.
Brian May
Alle DJs, die ich kenne, sind über andere DJs ans auflegen gekommen. Und von denen hat jeder irgendwo schonmal aufgelegt. Also halte dich an deine DJ-Freunde, die bereits Gigs haben. Biete deinen Freunden an, mit denen zusammen ein Battleset zu machen. Ein Battleset heißt, ihr legt als Team auf und tut so, als ob ihr den anderen mit immer komplizierteren Tracks aus dem Konzept bringen wollt. Nachher, wenn Du besser bist, kannst du das sogar machen. Es gibt genug Platten, die mittendrin Tempi-Wechsel haben.
Ansonsten gibt's natürlich die Option, Mix-CDs zu erstellen. Ich gehe mal davon aus, dass Du in der Lage bist, deinen PC so mit dem Mixer zu koppeln, um deine Sets aufnehmen zu können.
Immer wieder gut sind auch Stadtfeste oder so: Es ist tatsächlich möglich, bei z.B. ner Bank zu fragen, ob man im Bereich der Geldautomaten das Vinyl drehen darf. Manchmal funktioniert das. Und wenn die Bank "Nö" sagt, so musst du halt drauf achten, nicht erwischt zu werden. Diesen Tipp hast Du aber NICHT von mir.
Alle paar Monate findet in fast jeder größeren Diskothek sowas wie eine "Crazy Night" oder sowas statt. Dort kannst Du als DJ zum Beispiel im Eingangsbereich oder sogar im Klo auflegen. Das ist nicht schön aber es ist so, dass Du auffällst. Du machst Dir einen Namen. Irgendwo muss man ja anfangen.
Ansonsten gilt: Du bist als DJ ein Geschäftsmann. Präsentiere dich als Geschäftsmann. Rufe in der Diskothek an und verlange den Chef bzgl. eines Termins. Du möchtest dich vorstellen und mal auflegen. Die Planung von Events in Diskotheken ist üblicherweise immer so 2 Monate im Voraus. Konkret heißt das: Alles, was in den Flyern steht, ist bereits 2 Monate vorher komplett geplant und auch bezahlt worden. Dennoch kann es immer mal wieder passieren, dass ein Resident DJ erkrankt oder dass das komplette Programm wegen Vulkanausbrüchen oder Unterarmnässe gecancelt werden muss. Das ist dann deine Chance:
Präsentiere Dich als DJ: Nimm eine Mix-CD mit, sei seriös und versuche den Chef mit guten Argumenten zu überzeugen. Als letztes Mittel redet über die Gage. Die darf nicht zu hoch sein, allerdings musst du mindestens das Geld für neue Platten, die Spritkosten und evtl. sogar die Übernachtung rausholen, falls der Gig weiter weg ist. Weiter weg bedeutet alles mit Anfahrtsweg > 2 h.
Du musst dem Chef klarmachen, dass du kein versoffenes Schwein bist, sondern deine Arbeit (und das ist deejaying) ernst nimmst.
Als Hochzeits-DJ steht die Moderation klar im Vordergrund. Außerdem bist du im Normalfall auch für die Licht- und Tontechnik verantwortlich. Dein musikalisches Spektrum muss gigantisch sein und vor allem wirst du mit Schallplatten nicht glücklich werden. Zuviel Musikwünsche müssen erfüllt werden können und du brauchst irgendwelche Trinklieder, um das Brautpaar und die Gäste immer mal wieder an die Bar geleiten zu können.
Als HochzeitsDJ musst du mit dem Brautpaar planen und philosophieren, was an der Hochzeit passieren soll. Der Bräutigam hat prinzipiell nichts zu sagen, die Hochzeit ist für die Braut das wichtigste. Du musst selbstständig erkennen, dass die Frau ihre Lieblingslieder hat und aufgrund dessen irgendwie versuchen, den Stil zu verfolgen. Natürlich musst du auch wissen, wie alt das Publikum bei der Hochzeit sein wird. Normalerweise sind Großeltern, Tanten, Onkel und Eltern dabei. Dieses Spektrum musst du abdecken können.
So blöd es klingen mag: Wolle Petry geht (leider) immer :)
An Hochzeitsgigs kommst du durch Visitenkarten, die du den Inhabern von Lokalen zusteckst. Oder indem du abends bei Hochzeitsfeiern Visitenkarten an Scheibenwischer pappst. Nicht zuletzt natürlich immer der Kleinanzeiger oder eben Online-Börsen.
“Losers live in the past. Winners learn from the past and enjoy working in the present toward the future.”
Dennis Waitley
Die Vinyl wurde beim Erscheinen der CD als "TOT" bezeichnet. Wie man sieht, ist die Vinyl noch immer da und bleibt das wichtigste Werkzeug für DJs. Doch Controller-Vinyls schaufeln eifrig am Grab der Vinyl. Programme wie Serato Scratch oder Traktor oder Mixxx sind in der Lage, mit Timecode-Vinylen ein nahezu 100%iges "Vinylmixing" zu simulieren. Da auch Plattenlabels sparen müssen, erscheinen neue Releases fast nur noch als MP3. Die CD selbst hingegen ist tot. Die CD taugt eigentlich nur als Datenträger für die o.g. MP3-Dateien.
Beobachte die Zukunft. Versuche, technische Neuheiten zumindest irgendwo mal anzutesten. Das I-Pad zum Beispiel halte ich für Spielzeug, es gibt aber jede Menge DJ-Apps für das Gerät, die du zumindest mal testen solltest.
I happened to come along in the music business when there was no trend.
Elvis Presley
Als DJ musst du Trends verfolgen oder gar setzen können. Lies wichtige Musikblogs/Magazine. Verfolge Plattenkritiken und höre Webradio. Aboniere Podcasts, die sich mit deiner Musik befassen und benutze auch Social-Services wie Digg, Yigg, MrWong oder Facebook. Myspace-Seiten sind Pflicht, um neue Releases deiner Artists hören zu können, noch bevor sie im Laden sind.
Versuche in Pools reinzukommen. Digi-Pools sind derzeit noch kostenlos aber ohne Gigs oder Referenzen kommt man da auch nicht so leicht rein. Ich selbst bin in 4 Dj-Pools drin und werde zukünftig auch Platten von denen hier öfter mal vorstellen.
Hier mal eine Liste der Blogs, die ich so lese:
Ich hoffe, dass du einiges mit diesem Tutorial anfangen konntest. Lerne Deejaying und versuche, Profi zu bleiben!