Ein ganz normaler Samstag

Ein ganz normaler Samstag

Auf der Suche nach Content habe ich bei Twitter die Aktion #4WorteFuersBlog gestartet. Dort kann jetzt jeder Twitterer mir vier Worte vorgeben und meine Aufgabe ist es, dazu einen Blogeintrag zu schreiben. Mir selbst bringt die Aktion nur, dass ich kreativ schreiben muss und vier eventuell völlig bescheuerte Worte in eine gute Bloggeschichte verpacken muss. Ob es mir gelungen ist, weiß man erst hinterher.

Die #4wortefuersBlog stammen von Der Fürst und lauten Mineralwasser, Cyber, Postkartenformat und Tatzelwurm

Die #4wortefuersBlog stammen von Angedreht und lauten Sandsturm, Ruine, Medallion, (eigenartige) Maschine

Die #4wortefuersBlog stammen von Matti1978 und lauten Blisterperforierung. Analphabet Scrabble und Extremist

Die #4wortefuersBlog stammen von SvenRecker und lauten Tango, IT-Normade, Tangente und Kaskadenfehler

#4wortefuersBlog

Es war Samstag. Wie immer trafen sich Holger, Matthias und Klaus zum wöchentlichen Rollenspiel-Abend. Seit Wochen spielten sie bereits die gleiche umfangreiche Quest, doch heute sah es endlich nach einem Finale aus. Seit mehr als 80 Stunden erforschten die drei die Welt von Ck'thonia. Dieses von sagenumwobenen Wesen bewohnte Reich voller Wunder fesselte insbesondere Holger sehr.

Klaus war der Spielleiter. Normalerweise spielte er selbst mit, doch bei dieser Quest, die viel Freiraum bot, wollte ausnahmsweise er der Leiter sein. Matthias war echt sauer deswegen, aber der Würfel hat den Spielleiter bestimmt, daher musste Matthias sich beugen. Da er normalerweise nicht selbst spielte, war sein Avatar nicht so stark wie der Feuerelf von Holger oder so gerissen wie der Dieb von Klaus. Matthias Bergtroll war dumm, konnte aber viele Angriffe überstehen. Seit 4 Jahren trafen sich die Jungs bereits im Keller von Holger. Der Keller war, abgesehen von der Waschecke gegenüber der Treppe sogar relativ gemütlich. Links befand sich besagte Waschecke. Eine uralte Waschmaschine verrichtete bereits seit Ewigkeiten treu ihren Dienst. Daneben befand sich ein nagelneuer Kondensattrockner. Es war bereits das zweite Austauschgerät und Holgers Mutter hoffte inständig, dass dieses Gerät ausnahmsweise mal nicht in der Garantiezeit kaputt gehen würde. Auf zwei L-Regalen über den Elektrogeräten lag ein Bügelbrett.

Rechts, neben den Kartons voller Krimskrams, den Mineralwasser-Flaschen und den alten Spielsachen von Holger befand sich ein alter Flipperautomat. Das Gerät war noch funktionstüchtig, allerdings reagierte das Spiel ziemlich sensibel auf das Wackeln am Flipper selbst. Die Tilt-Funktion sprang oft schon an, wenn sich ein Zuschauer einfach nur an dem Gerät anlehnte. Der Flipper war von Williams, das Spiel hieß Cyber-War. Der Flipper war, wie auch der Geldspielautomat irgendwann in den frühen achtziger Jahren hergestellt worden. Im Moment steckte kein Stecker, weder im Flipper, noch in dem "Win-a-Million"-Game. Alte Poster lagen aufgerollt in einem leeren Farbeimer und rechts neben den Postern befand sich ein altes, wackliges Holzregal gefüllt mit Einmachgläsern unbekannter Herkunft. Als Holgers Eltern vor 12 Jahren hier einzogen, war das Zeug schon da und selbst zu der Zeit wirkten die Früchte in den Einmachgläsern schon eher wie Horrorartikel im Postkartenformat.

Den Hauptteil des Kellers nahm der Pallet-Ofen ein. Da diese Apparatur einen Wirkungsgrad von 0, auf das ganze Haus gerechnet, hatte war es im Keller meistens warm, während man oben im Wohnzimmer trotzdem schon bei unter 15 ° C den Kamin anzünden musste.

In diesem Keller trafen sich also die drei und spielten „Ck'thonia“ - ein Rollenspiel, welches eine Mischung aus Ritterabenteuer und Technoir-Thriller war. Auch wenn die Charaktere klassisch waren und auch die Gegner aus Zwergen, Trollen, Tatzelwürmern und Orks bestanden, war die eigentliche Welt von Ck'Thonia ziemlich nah an dem, was der Realität entsprach. Es gab keine Schlösser order Burgen, lediglich Magier wohnten ab und an in prunkvollen Villen. Doch die meisten Spielfiguren lebten in normalen Häusern und gingen sogar einer normalen Arbeit nach. So verdiente man Credits für das Spiel, denn Waffen bekam man nur, wenn man beim Spielleiter ein Konto hatte und entsprechende klingende Münzen vorweisen konnte.

Der Einstieg war allen dreien relativ schwer gefallen, denn in der realen Welt waren sie eher die Außenseiter. Matthias war noch derjenige, der wenigstens in der Schule oder auch so mal angesprochen wurde, falls ein Mitschüler wissen wollte, wo die nächste Stunde stattfindet oder falls jemand nachmittags anhielt, um nach dem Weg zu fragen. Holger und Klaus waren mehr als nur unscheinbar. Klaus trug meistens einen dunklen Mantel, darunter ein Hoodie, dessen Kapuze er tief im Gesicht hatte. Die ausgelatschten Converse waren schwarz, ebenso die Baggy-Jeans. Holger machte es ihm nach, nur trug er tatsächlich einen coolen Ledermantel wie Blade ihn hatte. Holger wog bei einer größe von 1,60 aber nur ca 40 kg, war also unfassbar dürr und dabei auch noch bleich wie der Mond. Der Mantel verschluckte ihn fast, die Ärmel waren viel zu lang und bei einem sportlicheren Typen als Holger hätte der Mantel sicherlich gut ausgesehen. Holger wirkte in dem Ding eher wie ein Extremist in seinem Zelt.

Das Spiel hatte die Jungs bereits gefesselt. „Ihr steht nun vor einem Supermarkt, vor dem Supermarkt steht ein Warnschild“, las Klaus vor. „Keiner von euch kann das Schild lesen, denn eure Figuren sind Analphabeten. Das Schild ist aber rot und es ist ein Totenkopf drauf. Wollt ihr den Supermarkt betreten?“, fragte Klaus. Matthias antwortete: „Ja sicher!“ doch Holger hielt ihn zurück: „Totenkopf? Rotes Schild?“ 

„Was soll schon passieren? Wir beide haben 75 Erfahrungspunkte im Nahkampf und dein Feuerelf kann uns zur Not mit einem Blisterperforierungs-Zauber den Weg freimachen! Außerdem sind wir gleich beim 'Kassierer', dem Endgegner dieser Quest. Wo, wenn nicht in diesem Supermarkt, sollte sich ein Endgegner mit so einem bescheuerten Namen sonst befinden?“ gab Matthias zu bedenken. Holger dachte ein paar Sekunden nach und stimmte dann zu. „Wir gehen rein!“

„Leider müsst ihr erst mit dem großen Würfel bestimmen, ob ihr die Tür aufbekommt!“ erwiderte Klaus. 

Das ergab Sinn. Bei Adventure-Rollenspielen wird, im Gegensatz zu Scrabble, mit verschiedenen Würfeln ausgewürfelt, ob man einen Kampf gewinnt oder ob man eine Tür öffnet. Der Würfel bestimmt auch, ob man gegen einen Extremist oder eben wie hier jetzt gegen einen Supermarktkassierer kämpfen muss. „Jenseits der 8 dürft ihr die Halle betreten, darunter werden eure Köpfe zertreten“ reimte Klaus eher schlecht und Holger musste wegen dieses dämlichen Reimes grinsen: „Goethe hätte seine Freude an dir gehabt, du Klappstuhl.“ Es gab 3 Versuche, wobei der letzte Versuch tatsächlich entschied, ob man den Supermarkt betreten durfte, oder nicht. So konnte erst Matthias würfeln, dann Klaus und je nachdem, wer nun besser gewürfelt hatte, konnten die beiden auslosen, wer jetzt für die Öffnung der Pforte verantwortlich war. Matthias würfelte eine 12. Holger würfelte ebenfalls eine 12. „Du darfst den entscheidenen Wurf machen“ beschloss Holger. Matthias würfelte eine 9.

Das Tor öffnete sich mit einem zischenden Ton. Bodennebel waberte in dem Supermarkt umher, denn die Kühltruhen waren komplett vereist und das Essen darin entweder nicht mehr vorhanden oder ungenießbar. Ängstlich betraten die Helden den Supermarkt des 'Kassierers'.

Der Supermarkt war nicht beleuchtet. Nachdem der Feuerelf und der Bergtroll den Lichtkreis vom Eingang verlassen hatten, hörten sie nur noch ihre eigenen Schritte hallen und stapften nun durch die Supermarkt-Ruine. Feuerelf Holger hielt sich an seinem Medaillon der Erkenntnis fest, um sich selbst Mut zuzusprechen und Bergtroll Matthias stapfte voraus. „Plötzlich hörten die beiden ein Summen, das zwischendurch eher wie das Quietschen von Gummi auf Asphalt klingt“, las Klaus vor. Holger zuckte zusammen. Das letzte mal war eine Quest so spannend gewesen, als sie damals die eigenartige Maschine von D'kaar in der Erd-Quest aus dem Augen-Extension-Paket gespielt haben. „Das Surren kommt näher. Es klingt schon fast wie ein Sandsturm, das eigenartige Quietschen sollte euch aber drauf hinweisen, dass ihr es mit einer echten Gefahr zu tun habt. Hätte ihr das Schild draussen mal gelesen!“ spottete Klaus. 

Hinter dem Bücherregal sahen die Avatare nun ein rotes, pulsierendes Licht. Das Surren verstummte augenblicklich und ein süßes Kinderlachen hallte durch den Raum. Dadurch, dass sie sich in einem leeren, vergammelten Supermarkt befanden, passte dieses Lachen aber nicht in die Szene und war deshalb sehr, sehr unheimlich. Zuletzt hatten sie solch ein Geräusch in der Mission auf dem Seelenmeer gehört. Damals, als ein Sturm den Blister des Dreimasters perforierte und somit eine schöne Blisterperforierung verursachte.

„Geht ihr zu dem Licht?“ wollte Klaus wissen: „der Würfel kann euch Verderben bringen oder auch nicht“. 

Holger und Matthias beschlossen, nicht zu würfeln. „Hinter dem Bücherregal lauert eine entstellte Babypuppe“, las Klaus vor. Die Puppe hatte nur noch ein Auge, das andere fehlte bereit. Die Haare der Puppe waren größtenteils von den Ratten gefressen worden und das pulsierende Licht stammte aus einem Ladestecker, der in der Wand steckte und mit der Puppe verbunden war. Die Puppe lachte wieder und wieder hallte dieses Lachen von den Wänden zurück. „Ich -brzzzt- töt-bzzzt“ sagte die Puppe.

„Klaus? Will uns die Puppe töten oder Tango tanzen?“ wollte Holger wissen. Matthias blickte ebenso fragend zum Spielleiter, doch dieser grinste nur wie ein IT-Nomade und wand sich wieder dem Spiel-Buch zu. „Die Puppe spricht zu euch!“

Und tatsächlich pulsierte das Ladelicht nun schneller und das versehrte Puppenauge fixierte den Feuerelf und den Troll. „Mama!“ Die Puppe stand auf. Aus dem Korpus kriechen Kakerlaken und der Kopf der Puppe drehte sich um 180°. „Mama?!“ Wie gelähmt blieben der Troll und der Elf stehen. Plötzlich sprach Matthias zu Klaus: „Was sollen wir tun?“ -  „Ihr könnt gar nichts tun, die Puppe schlurft auf euch zu. Das Auge der Puppe blickt wirr um sich und das Gesicht der Puppe verzieht sich wie eine Fratze“ - „Zauperspruch! Blockadezauber!“ brüllt Holger und würfelt wie ein Irrer drauflos. „Der Spruch prallt ab. Die Puppe hat sich euch bis auf einen Meter genähert. Sie setzt zum Sprung an und beisst sich in deiner Wange fest!“. Auch Klaus fiebert mit, obwohl er als Spielleiter ja eigentlich weiß, was passiert. „Dein Elf verliert 70 EPs! Deine Lebensenergie geht um 40 Punkte nach unten!“

Tod.

Der Troll schmetterte mit seiner Keule auf die Babypuppe ein. Doch er traf nur den Leichnam des Feuerelfs und zerquetschte die eins so stolze Kreatur. Die Babypuppe wich behende zur Seite aus und rannte ein einer wahnsinnigen Geschwindigkeit um den Troll herum, wobei das Ladekabel eine Tangente mit dem Trollfüßen bildete und sich verhedderte. Natürlich stolperte auch der Bergtroll. Die Babypuppe sprang hoch auf den Troll und biss ihm die Kehle durch.

„Tja, ihr Luschen! Game over! Hättet ihr mal das Schild gelesen. Dann wäre euch dieser Kaskadenfehler erspart geblieben!“


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