Workflow Buch schreiben und setzen

Workflow Buch schreiben und setzen

Aktuell schreibe ich an einem Buch über das beste Musikprogramm der Welt. Ich schreibe ein komplettes Kompendium über Renoise und bin hier auch auf einem guten Weg. Unabhängig von den ganzen Anleitungen, die es zu Renoise schon gibt, soll mein Buch ähnlich großartig werden, wie die ganzen Fachbücher über Cubase, Logic oder Ableton. Denn ein Programm gilt immer dann als „professionell“, wenn es ein Fachbuch über dieses Programm gibt. So sehen jedenfalls die Erfahrungswerte aus.

Jetzt hatte ich erst überlegt, das ganze Buch mit LibreOffice Writer zu schreiben. Grundsätzlich liebe ich das Programm, aber wenn man sich aus verschiedenen Bereichen Informationen zusammenkopiert, hat man - wie bei Word auch - das Problem, dass man auf einmal mit verschiedenen Schriftarten kämpfen muss. Wenn man dann auch noch Grafiken benutzt und Kapitel einfügen will, wird das ganze Konzept irgendwann aufgeblasen und man hat mehr mit Reformatierung, als mit dem eigentlichen Schreiben zu tun. Die Aufgabe eines Autors ist es, eine Geschichte zu schreiben, Inhalte zu liefern. Ein Autor ist kein Setzer. Ein Autor muss sich meiner Meinung nach auch nicht mit der Formatierung von Texten befassen.

Vor allem sollte ein Autor sich aber nicht mit automatischen Inhaltsverzeichnissen oder Abbildungslisten herumschlagen müssen. Denn spätestens dann, wenn ein Kapitel plötzlich verschoben werden soll, fliegt einem der ganze Roman um die Ohren.

Ich wollte also einen Workflow haben, bei dem ich mich auf das Texteschreiben konzentrieren kann, ohne mich mit einer neuen Sprache zu quälen oder meinen Inhalt kaputt zu editieren.

Markdown

Markdown ist eine extrem einfache Textsprache. Markdown ist eigentlich nur Text. Markdown kannst du in jedem Editor schreiben und Markdown ist in jedem Editor komplett lesbar. Jeder weiß, wie ein Text gemeint ist. So macht man Überschriften einfach mit vorgestellten Rauten, Listenpunkte mit Sternchen und so weiter. Hier mal ein paar Beispiele:

# Überschrift erster Ordnung
## Überschrift zweiter Ordnung
### Überschrift dritter Ordnung

* Listenpunkt
* Listenpunkt 2
* Listenpunkt 3

> Zitatblock

![Bildbeschreibung](meinBild.jpg)

Man kann also direkt drauflos schreiben und benötigt nicht einmal ein besonderes Programm dafür. Der Text selbst bleibt komplett lesbar. Sogar das mit dem Bild ist einigermaßen klar lesbar. Ich fand dieses Format super und da ich wirklich nur Ascii-Text habe, riskiere ich auch nicht ungewöhnliche Abstürze.

Kapitel

Jede Kapitel wird in einer einzelnen Datei abgelegt. Die Dateinamen lauten 001_Kapitelname.md oder 002_NeuerKapitelname.md und so weiter. Falls ich merke, ich möchte ein Kapitel zwischen Kapitel 1 und 2 hinterlegen, kann ich aufgrund der automatischen Sortierung im Dateisystem einfach 0011_Unterkapitel hinterlegen. So wird dieses Kapitel einfach hinter Kapitel 1 gehängt und ich muss die anderen Dateien nicht umbenennen. Seiten, wie zum Beispiel das Glossar nenne ich einfach 9999_Glossar.md. Diese Seite wird dann als letzte Seite angehängt.

Beispiel:

  • 01_vorwort.md
  • 02_installation.md
  • 0021_nachwort.md zur Installation (Zwischengeschoben)
  • 0024_weiterer einschub.md, soll aber vor das Nachwort.
  • 03_Credits.md
  • 999_Glossar.md

Aus allen Dateien wird über den Copy-Befehl eine einzelne Datei erstellt.

Windows:

copy /b *.md renoisebook.txt

Linux:

cat *.md >>renoisebook.txt

Durch die Dateinamen ergibt sich zwangsläufig eine vernünftige Dateireihenfolge.

Pandoc

Das Schreiben des Buches geht dank Markdown nun ziemlich elegant von der Hand. Wir schreiben lustig vor uns hin und speichern artig jedes Kapitel ab. Wir pflegen unser Glossar und hinterlegen nun alle möglichen Dateien. Doch wie kriegen wir nun ein lesbares Dokument daraus? Die Antwort lautet Pandoc. Mit Pandoc kann man fast jedes Eingangsformat in fast jedes Ausgangsformat konvertieren. So kriegt man aus Textdateien zum Beispiel PDF-Dateien hin oder HTML oder man konvertiert alles sogar direkt ein ein EPub-Ebook. Ich brauche mein Buch als PDF und als Website. Also konvertiere ich mein Buch zuerst einmal in ein PDF.

pandoc -o  Buch.pdf renoisebook.md -s -S --toc

Das Buch wird mit diesem Befehl in ein PDF geschrieben und der --toc-Parameter legt fest, dass automatisch ein Inhaltsverzeichnis angelegt wird. Je nachdem, wie Du deine Headlines gegliedert hast, wird hier automatisch eine Gliederung erstellt. Anschließend erstelle ich auch noch die HTML-Datei:

pandoc -o  Buch.html renoisebook.md -s -S --toc

Du siehst, das ist alles total einfach. Du kannst das Buch auch direkt in LATEX abspeichern, um es mit weiteren Programmen zu bearbeiten. Eine Vorschau des Buches findest du hier:
 

Preview Renoisebuch


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Kommentare


Schön, das hört sich gut an > ich bin gespannt.

@Interessierter:
Es geht. Ich habe mir selbst die Deadline März 2018 aufgelegt. Ich bin jetzt zuerst mal mit dem Inhaltsverzeichnis angefangen, damit ich wirklich kein Renoise-Feature außen vor lasse.

Und? Wie kommst du mit dem Schreiben voran?

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