Werden die Menschen immer bekloppter

Werden die Menschen immer bekloppter

Nach dem zweiten Weltkrieg kam irgendwann die Entscheidung, die europäischen Staaten gemeinschaftlich über den Kontinent Europa bestimmen zu lassen. Das war so ziemlich eine der besten Entscheidungen ever, weil das dafür gesorgt hat, dass es keine größeren Kriege mehr gab. Eine EU ist ein Garant für den europäischen Frieden und eine EU ist ein Garant für gute Handelsbeziehungen und freie Reisen innerhalb des Kontinents.

Wir hatten das Wirtschaftswunder. Klar, es war alles kaputt und man musste alles neu aufbauen, aber das Wirtschaftswunder war da und Deutschland konnte schnell eines der reichsten Länder der Welt werden. Weil die USA und die Russen fast freundschaftlich miteinander umgingen, konnte der Abriss der Mauer stattfinden und wir hatten wieder ein vereinigtes Deutschland. Wir erschufen eine wunderbare Demokratie, die Welt wuchs dank des Internets immer weiter zusammen und mittlerweile sind wir weltweit vernetzt und haben das Glück, dass wir nicht auf die Meinung unserer Presse oder der Politik hören müssen. Wir können ins Web gehen und uns selbst informieren oder aber sogar einen Billigflug nehmen und uns das Land, was uns interessiert, einfach so anschauen.

Wir haben bisher wunderbare Möglichkeiten gehabt, unsere Welt und vor allem unsere Mitmenschen sehr gut kennen zu lernen.

Und doch habe ich das Gefühl, dass die Menschheit große Schritte rückwärts macht. Wir haben keine gemäßigte Diskussionskultur mehr. Es herrscht überall eine agressive Sprache vor, die mit Druck arbeitet. Politiker sprechen sofort von Handelskriegen und selbst innenpolitisch werden Oppositionen „gejagt“. Wir haben eine Sprache entwickelt, die bösartig wirkt. In Sozialen Netzwerken wird vom eigentlichen Thema abgelenkt und wenn eine Meldung über knappe Lehrmittel bei Facebook gepostet wird, kann man innerhalb von 60 Sekunden darauf wetten, dass irgendwer den Ausländern die Schuld für die knappen Geldmittel gibt.

Wir haben Brücken gebaut, die mittlerweile einstürzen oder extremst marode sind. Weil - wir entwickeln diese Brücken nicht weiter. Wir sind nun eine Gesellschaft, die lieber darüber nachdenkt, ob jemand „breitbeinig“ im Bus sitzt, anstatt sich Gedanken darüber zu machen, was mit den Leuten ist, die auf dem Mittelmeer umherfahren und vermutlich ertrinken. Wir diskutieren darüber, ob Männer scheisse sind, während unsere Politik es gestattet, integrierte Facharbeitskräfte in ihre „Heimat“ auszuweisen, nur weil die Leute diesen Papierzettel nicht haben, der sich „deutscher Pass“ nennt.

Die Menschheit hat ihren Zenit überschritten. Wir haben verlernt, zu flirten. Stattdessen wischen wir über unser Smartphone und entscheiden aufgrund der Qualität eines Profilfotos, ob wir jemanden mögen oder nicht. Wir verabreden uns nicht mehr einfach so: Wir gründen WhatsApp-Gruppen oder schreiben in irgendwelche Doodle-Kalender Termine rein, die wir sowieso wieder absagen werden.

Unsere Kinder dürfen nicht mehr einfach so draußen spielen, weil ja „irgendwas passieren könnte“. Unsere Hunde müssen zur Schule. Wir haben ernsthaft Hinweise auf Kaffeebecher gedruckt, die uns mitteilen, dass ein Kaffee heiß sein könnte. Wir drucken auf Zelte, dass man darin kein Feuer machen darf. Wir diskutieren über Inklusion und bauen trotzdem Bahnhöfe mit viel zu steilen Rampen. Oder wir lassen die Rampen ganz sein. Wir schauen uns im Fernsehen geistig minderbemittelte Menschen an, die so verzweifelt und unsicher sind, dass wir uns über deren Schicksal kaputt lachen können. Wir haben Parteien, die so tun, als ob sie den kleinen Mann unterstützen wollen, dabei arbeiten diese Parteien nur für sich selbst. Wir empfinden unsere eigenen Kinder als Last. Weil uns keiner hilft.

Frau mit Hijab
Lasst sie doch tragen, was sie will. Quelle

Wir führen Diskussionen über Genderisierung, wo sie nicht notwendig sind und wir haben Begriffe wie cis-Mann erfunden, damit wir Schubladen erschaffen können, die wir eigentlich nicht wollen. Wir schlagen Frauen vor, ihr Kopftuch zu entfernen. Die wollen's nicht, weil sie keine Unterdrückung darin sehen. Wir sagen aber, es wäre Unterdrückung. Dabei ist die Frau doch erwachsen, sie kann selbst entscheiden. Anstatt Geld für Bildung auszugeben, kaufen unsere Landesregierungen lieber Kreuze, um diese an die Wand zu kleben. Wir haben so viele Freiheiten, wie nie zuvor und wir verschwenden unsere Energie damit, darüber zu diskutieren, ob man Mitarbeiter oder Mitarbeiter*innen schreiben soll. Jeder weiß was gemeint ist und wir sollten einfach lockerer werden und ganz klar sagen, dass man die Menschen dahinter meint. Man sagt ja auch nicht Menschen*innen. Wir haben so wenig echte Probleme, dass wir uns über unsere Sprache echauffieren müssen.

Und das ist der Rückschritt. Wir kotzen überall im Strahl. Wir akzeptieren keine Grautöne mehr, wir wollen nur noch unsere Meinung. Wir organisieren uns in irgendwelche Gruppen, um andere Gruppen mit Liebe zu verwirren, damit der Hass sich nicht ausbreitet. Der normale Menschenverstand sollte so schlau sein, dass sich wirklich jeder denken können sollte, dass man Menschen nicht ertrinken lässt oder die mit Steinen beschmeisst. Es ist auch nicht richtig, gegen Weltgipfel zu demonstrieren und dabei die Stadtviertel von Leuten abzufackeln, die einfach nur da wohnen. Die Menschen verkacken es im Moment. Wir haben Präsidenten an der Backe, die immer in den Medien waren und bei denen jeder gewusst hat, dass diese Leute zu dumm und egozentrisch sind, um ein Land zu regieren. Wir haben eine Partei, die gegen alles fremde ist, obwohl wir in den letzten 70 Jahren gelernt haben, dass Multi-Kulti bisher immer eine Bereicherung war. Oder wer hatte vor dem 2. Weltkrieg Erfahrungen mit Pizza? Oder sogar mit Döner?

In meiner Kindheit war das Ozonloch ein riesiges Thema. Hat sich da eigentlich was geändert? Wie seht ihr das? Hat die Menschheit sich selbst überlebt?

Kommentare


Ich muss dir leider so recht geben. Die Menschheit könnte so viel gemeinsam schaffen, aber sie arbeitet gegen sich selbst. Und das sehe ich sowohl in den gro´ßen Gruppen, wie auch schon in den kleinen Gruppen. Ich weiß nicht, wie ein Umdenken stattfinden kann. Also was die Menschen brauchen, um friedlich miteinander zu sein. Vielleicht ist es ja auch nie möglich.


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