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Schlafmittel fuer Kinder - ist das okay

Bei Twitter und Facebook spülte so manches Mal die News in die Timeline, dass Eltern ihren Kindern Schlafmittel geben, um "endlich mal wieder durchzuschlafen". Ich bin absolut kein Übervater, aber wie bescheuert muss jemand sein? Kinder lernen das Schlafen noch, ebenso wie sie das Laufen lernen müssen oder das Sprechen. Den Kindern Schlafmittel zu geben führt garantiert zu Nebenwirkungen. Schlafmittel können abhängig machen und wenn man nicht normales Schlafen lernt, dann kann man auch als Jugendlicher oder Erwachsener auch nicht ohne diese Mittel schlafen.

Meine Meinung dazu: Kinder sind eine scheiss Arbeit! Kinder sind anstregend, laut, aufmerksamkeitsgeil, schlafen nicht, haben Kotzerei, haben Dünnschiss, sind immer dann erkrankt, wenn man das beruflich überhaupt nicht geregelt kriegen kann und nicht zuletzt sind Kinder auch ein Kostenfaktor. Im Gegenzug erhält man bedingungslose Liebe und wenn man lieb zu den Kindern ist, kriegt man einen schönen Platz im Altenheim ;)

Wer mit dem Kram nicht klar kommt, sollte sich keine Kinder anschaffen. Ganz klare Sache.


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iRobot Roomba 615 im Test

Kinder sind lebende Dreckschleudern. Ich habe ja die Theorie, dass Kindergartenplätze nur deshalb so teuer sind, weil die Kinder immer den Spielsand mitnehmen und im Hausflur, auf der Couch oder auch direkt im Essen verteilen. Daher müssen Kindergärten permanent Sand nachkaufen und das erklärt auch die hohen Kosten. Vielleicht irre ich mich auch einfach nur und Kindergärten sind so teuer, weil Überhelikoptereltern die Treppenstufen mit Treppenstufen sichern wollen, damit die Kinder nicht stolpern.

Zurück zum Thema Sand und Dreck: Kinder scheinen Dreck zu produzieren und in irgendwelchen geheimen Hamsterbeuteln zu transportieren. Daher ist ein Haushalt mit Kindern niemals sauber. Manche Dinge über das Vatersein erzählt dir halt keiner. Dreck stärkt das Immunsystem und ein starkes Immunsystem sorgt dafür, dasss Kinder nicht so häufig krank werden. Andererseits möchte ich schon in einer Wohnung wohnen und nicht in einem Kindergarten.

Samstag hatte ich also eine spontane, ziemlich teure Idee. Ich habe mir einen Roomba 615 gekauft. Dabei handelt es sich um einen vollautomatischen Roboterstaubsauger, der nun die undankbare Aufgabe hat, jeden Tag mindestens einmal durchzusaugen. Meine Beste Ehefrau von Allen hat mich übrigens deswegen für bescheuert erklärt und bisher hat Robbie, wie die Kinder den iRobot Roomba nennen, noch nicht das absolute Hammerargument geliefert. Ich selbst finde ihn relativ cool, aber fangen wir doch mal von vorne an: Der Roomba 615 wird in einem schlichten, grünen Karton geliefert und wiegt in etwa soviel, wie ein normaler Staubsauger wiegen sollte (ca. 8 kg). Im Karton befindet sich eine relativ umfangreiche, mehrsprachige Betriebsanleitung, sowie auch die Ladestation. Zur Betriebsanleitung kann ich direkt schon mal sagen: Ja, ist nett. Braucht man aber nicht. Du drückst auf zweimal Clean und Roomba legt los. Laut Anleitung soll man Robbie erst einmal 3 Stunden voll aufladen lassen. Das habe ich nicht gemacht, ich wollte wissen, ob das Ding saugt oder nicht.

Arbeitsweise des Roomba

Beim Start surrt das Ding los. Der Staubsauger ist nicht so laut, wie die Möhre von Mutti, die einem Sonntag immer durch Geballer an die Tür geweckt hat. Aber nebenbei Fernseher gucken ist auch nicht möglich. Man kann sich aber doch relativ normal unterhalten, wenn Robbie loslegt. Der 615 ist nicht auf bestimmte Uhrzeiten programmierbar, man muss ihn also händisch auslösen.

Der Roboter fährt also los und ditscht dabei relativ hart gegen Wände, Möbel oder anderes Zeugs, was auf dem Fußboden liegt. Ich gehe nicht davon aus, dass das anditschen bleibende Schäden hinterlässt. Ich habe aber auch keine teuren Mingvasen auf dem Boden stehen. Und ich habe Kinder, daher habe ich auch keine wirklich empfindlichen Möbel. Nachdem Robbie gemerkt hat, dass man die Wand nicht durchschlagen kann, bleibt er auf Kurs und nach kurzer Zeit ist es eine Freude zu sehen, wie elegant der kleine um Tischbeine, Sofas, Schuhe und anderes Zeugs herumkurvt.

Der Roboter fährt auch in die unsäglichen Ecken. Eine kleine Seitenbürste langt in diese Ecken rein und fegt dort richtig gut aus. Der Dreck, die Haare, der Sand und all das Zeug, was man so liegen lässt, wird aufgesaugt. Dabei überwindet der Roboter auch problemlos Kanten von fast 2 cm Höhe. Zettel, Legosteine und so weiter werden gnadenlos weggesaugt. Man sollte den Boden also zumindest freiräumen.

Ich habe übrigens nur Laminat und Fliesen zuhause.

Angeblich achtet der Kleine auch selbstständig auf Treppen und hat eine Absturzsicherung. Da ich den Hobel aber erst 2 Tage habe und nicht ninja-mässig hinterher springen möchte, ist der Roomba vorläufig im Erdgeschoss eingesperrt.

Fazit

Nach jetzt 3 Tagen dauersaugen bin ich froh, mir das Ding angeschafft zu haben. In der Küche liegen nicht mehr asig viele Krümel vom Frühstück herum. Die Bereiche um die offene Treppe sind gesaugt und tatsächlich ist der Auffangbehälter jedesmal gut gefüllt. Ich bin mir nicht sicher, warum ein Staubsaugerroboter so teuer sein muss (369 Euro). Aber wenn ich gegenrechne, dass ich nie wieder Zeit mit Staubsaugen verbringen muss und nie wieder Beutel kaufen muss, habe ich die Kosten nach einem Jahr vermutlich wieder drin. Ich bin bisher jedenfalls wirklich begeistert und hoffe, dass mich iRobot nicht enttäuscht.

Hinweis bzgl. Schleichwerbung täterää

Hinweis in eigener Sache: Auch wenn der Amazon-Partnerlink hier gesetzt wurde, handelt es sich nicht um Werbung. Ich habe den Roboter beim "ich bin doch nicht blöd" hier gekauft und in Bar bezahlt. Ich bekomme weder von iRobot, noch von irgendwem dafür Geld, dass ich über den Apparat berichte. Natürlich wäre es geil, wenn mich andere Unternehmen kontaktieren und mir die Geräte stellen. Mein Geschirrspüler spült nämlich nicht mehr. Das mal so als Info. Ich bekomme kein Geld!

 

Spielzeug #irobot #roomba

Ein von Marcel Schindler (@trancefish) gepostetes Video am


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7 Dinge die dir keiner ueber das Vatersein sagt

Als ich mein erstgeborenes Kind das erste Mal im Arm hielt, war das ein magischer Moment. Es war das allerbeste, was mir jemals passiert ist. Selbst wenn ich Shakespeare persönlich wäre, würde ich nicht die richtigen Worte für das überwältigende Gefühl finden, dass ich damals hatte. Es war eine gigantische Prise Stolz und viel Liebe dabei. Stolz, weil dieser Mensch nur wegen meiner Frau und mir existiert und Liebe, weil nichts hilfloser und süßer ist, als ein Baby. Im Lauf der Jahre entwickelt man sich als Vater weiter und lernt einige Dinge, die nicht in Erziehungsratgebern stehen. Man wird cooler und entspannter und mit jedem Kind wird man irgendwie abgestumpfter. Daher hier mal die Liste der 7 Dinge, die dir keiner über das Vatersein sagt.

  1. Du brauchst weniger Schlaf, als du jemals dachtest: Die Horrorstories kennt ihr aus eurer Noch-Nicht-Kinderhabenzeit. Babys heulen immer, schlafen gibt  es nicht mehr und das ist alles ganz gruselig und die Kids sind immer hungrig oder kacken sich voll oder weinen. Nichts davon ist wahr. Jedenfalls ist nichts davon so schlimm, wie man euch weismachen will. Natürlich weinen Babys nachts viel. Aber die weinen auch am Tag viel. Das liegt am Wachstum. Gerade im ersten Jahr wachsen die Zwerge unfassbar schnell. Das kostet viel Kraft und es tut vermutlich auch weh. Daher ist es völlig normal, dass die Zwerge mindestens alle zwei Stunden ordentlich mampfen müssen. Was reingeht, muss zum Teil auch wieder raus. Die Kids scheissen halt auch viel. Es ist aber nicht so, dass dieser Zustand ewig anhält. Nach einem Jahr kannst du damit durch sein. Wenn du dein Kind früh daran gewöhnst, alleine zu schlafen, geht das sogar ziemlich schnell.
  2. Fieber ist dein Freund. Mittlerweile weiß jeder, dass Fieber bei Kleinkindern höher sein darf, als bei Erwachsenen. Die Kinder bekommen ständig Fieber. Insbesondere beim Zahnen schießen die Temperaturen nach oben und bei jeder kleineren Erkältung kommt das Fieber auch. Du kannst das Immunsystem deiner Kinder stärken, indem du NICHT in einer Sagrotan-Höhle wohnst. Dreck ist gut, Dreck härtet ab. Das ständige Desinfizieren von Wohnungen sorgt für den Effekt, dass deine Kinder überhaupt nie mit VIren und Bakterien in Verbindung treten. Woher soll das Immunsystem wissen, dass es gegen bestimmte Erreger kämpfen kann? Fieber ist ein Indikator dafür, dass der Kindskörper einen Kampf durchführt. Wenn das Fieber allerdings hoch bleibt und das Kinder irgendwie apathisch wirkt, kann und MUSS dir ein Arzt helfen. In Deutschland kostet ein Arztbesuch dich nichts, daher kannst du bei Unsicherheit immer nachfragen.
  3. Kindergeburtstage... Je mehr, desto besser. Wir haben vor ein paar Tagen einen Kindergeburtstag mit fast 20 Kindern gewuppt. Um uns wuselten diverse Kinder im Alter von 3 Jahren herum. Sowohl die anderen Eltern, als auch diverse Freunde bei Facebook schrieben, dass das doch bestimmt total anstrengend war. Nein. War es überhaupt nicht. Die Kinder spielen nämlich miteinander. Man muss zwischendurch intervenieren, damit die sich gegenseitig nicht kaputt hauen, aber ansonsten war der Tag nahezu entspannend.
  4. Werde Wahlleiter. Irgendwann kommt die Zeit der Elternabende. Das beginnt in der Kita und hört in der Realschule auf. Überall wird irgendwann nach Freiwilligen für Elternvertreter oder ähnlich spannende Jobs gefragt. Wenn du keinen Bock drauf hast, melde dich sofort freiwillig als Wahlleiter. Deine Verantwortung ist dann lediglich, die Wahl selbst zu leiten. Du fragst, ob die Wahl geheim oder offen ist. Du schreibst die Namen der Kandidaten auf und das beste ist: Du kannst nicht gewählt werden.
  5. Lerne schnell, was du nicht brauchst. Kannst du dich noch an Spielzeug XYZ erinnern? Nein? Ich auch nicht. Aber ich erinnere mich noch immer an mein Lego. Es ist nicht umsonst so, dass Legosteine oder Duplo seit Generationen in jedem Kinderzimmer zu finden sind. Das Zeug ist einfach zu bedienen, es geht nicht kaputt und man kann alles mögliche bauen. Ferngesteuerte Autos sind so lange interessant, bis die Batterie leer ist. Es wird NIE eine neue Batterie gekauft. Das gilt auch für Lerncomputer, Fotoapparate, sprechende Puppen und den ganzen anderen Quatsch. Wenn es Batterien braucht, ist es irgendwann unwichtig. Das gilt auch für Flaschenwärmer. Braucht kein Mensch. Babyfone? Lass doch einfach die Tür auf. Babyfon sind spannend, wenn du auf der Terasse sitzt, dein Kind aber im Haus ist.
  6. Langeweile ist erlaubt. Ich bin absolut kein Spielpapa. Ich kann mich nicht stundenlang mit den Kindern hinsetzen und irgendwas spielen. Das habe ich noch nie getan. Ich schaue zu, wenn meine Kinder spielen. Bis ich mich langweile. Die Kinder spielen dann alleine weiter. Bis sie sich auch langweilen. Kinder dürfen sich genau so langweilen, wie Erwachsene auch. Ich weiß ja nicht, ob Ihr Eltern oder Holiday-Club-Motivatoren sein wollt. Ich langweile mich lieber mit meinen Kindern zusammen. Das nennt sich dann Gammeltag. Wenn die Energie dann wieder da ist, machen wir irgendwas zusammen.
  7. Du bist nicht der Freund, du bist der Papa. Ich sehe das manchmal. Der Papa behandelt seine Kids wie ein großer Freund. Das ist grundsätzlich süß und macht auch Spaß, aber dein Job ist die Erziehung deiner Kinder. Ich ecke damit sicherlich an, aber ich lasse meine Kinder durch Worte wissen, dass ich der Chef bin und die nicht. Spiele spielen ist okay, aber wenn es an das Aufräumen geht, bin ich unnachgiebig. Da helfe ich auch nur, indem ich sage: "Da liegt noch was". Oder wenn es mir zu verrückt wird, kann die Ansage auch mal direkter und lauter werden. Da muss eine klare Linie gezogen werden. Als Vater kannst du eine Menge Spaß haben, aber du bist dafür verantwortlich, dass die Kinder Grenzen kennen und der Job ist es, diese Grenzen absolut klar zu definieren.

Welche Dinge findest Du noch relevant? (Scheisse, dieses Elternthema macht echt Spaß ;) )


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Lasst die Kinder doch einfach Kinder sein - gegen zu fruehe Einschulung

Ich mache meinen Traumberuf. Ich bin Softwareentwickler und mache diesen Quatsch seit 16 Jahren hauptberuflich. PHP, HTML, Javascript, C++ und die Administration von Windows- und Linuxsystemen gehört zu meinem täglichen Lebensaufgaben. Damals in der Schule haben die Leute zu meinen VC20/C64-Tagen schon gesagt, dass ich gut mit dem Computer umgehen kann.

Die Lehrer meinten zu dieser Zeit aber, dass ich damit keine Chance hätte. Außerdem sind meine Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften allgemein doch eher mies. Ich müsste doch Abitur machen und danach Informatik studieren. Meinen Lehrern habe ich zu dieser Zeit geglaubt. Ich habe krampfhaft versucht, mein Abi zu machen. Da ich aber IT-typisch eher faul bin und alles, was über meine Fachidiotie hinaus geht, nur schwer in mein Hirn rein geht, hatte das mit dem Abitur auch nach dem 2. Anlauf einfach nicht funktioniert.

Letztendlich war mein Fachabitur dann ein Bonus zu meiner erfolgreich verlaufenen schulischen Berufsausbildung als staatlich geprüfter Assistent für Informatik. Mithilfe dieses Abschlusses konnte ich ohne Studium und Abitur in meinem Traumjob einsteigen.

Diese Einführung muss mal eben sein: Dieser Blogpost richtet sich ganz klar gegen das etablierte Schulsystem. Damals wie heute, halte ich Schule bzw. die Art des Unterrichts für einen schlechten Witz. Lehrpläne geben extrem starr vor, was den Kindern wann vermittelt werden soll. Innerhalb der von Erwachsenen vorgerechneten Zeiten müssen Kinder zum Beispiel Mathematik genau so können. Dabei wissen wir alle aus eigener Erfahrung, dass manche Menschen gut in Mathe sind und andere Menschen eben nicht. Lehrpläne nehmen darauf keine Rücksicht.

Das aktuelle Schulsystem (Schule bedeutet übrigens "Nichtstun" im griechischen schola) halte ich für pure Vermittlung von Angst:

Den Kindern wird das Wissen reingeprügelt, ohne das Hintergrundwissen zu vermitteln. Wenn mir damals einer plastisch hätte erklären können, wie wichtig Algebra sein kann, würde ich beim Zimmer-renovieren nicht so viel Farbe kaufen. Und viele Sachen sind für Kinder meiner Meinung nach total irrelevant. Jedenfalls könnte man Themen wie den Limes oder die Steinzeit in der Gesamtheit viel kürzer abfassen und den Kindern, die sich ernsthaft für das Thema interessieren die Option anbieten, sich für bestimmte Themen eigenständige Aufgaben zu suchen.

Ich habe damals in Sozialkunde meine Note um glatte 2 Stufen verbessert, als das Thema Arbeit kam und ich aufzeigen könnte, wie geil man mit MS Excel Projektpläne machen kann. Und damals war ich 14 oder so.

Worauf will ich hinaus? Es gibt das Konzept der Summerhill-School. Hierbei handelt es sich um ein demokratisches Schulsystem. Im Gegensatz zum "Lehrer vorne, Schüler hinten"-Konzept ist Demokratie hier wortwörtlich zu verstehen.  Mehr dazu hier. Dieses Konzept mag ich sehr, denn nirgends im Berufsleben wird so beknackt gearbeitet, wie in der Schule. Wir arbeiten im Team, wir besprechen gemeinsam die beste Lösung und jeder bringt sein Wissen ein. Diese Art der Arbeit hast Du eigentlich überall. Jeder hat irgendwo die Möglichkeit, Strukturen aufzubrechen und etwas besser zu machen. In Schulen geht das nicht. Schulen sind starr an die Lehrpläne gebunden. Variationen gibt es nicht. Als ich die 7. Klasse wiederholt habe, konnte ich exakt dieselben Arbeiten und auch dieselben Mappen noch einmal benutzen. Ich musste NICHTS ändern, lediglich das Datum war halt jahresbedingt anzupassen. Mir kann keiner erzählen, dass so etwas den Lehrern Spaß macht. Den Kindern noch viel weniger.


weiter...


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Eltern sein in Deutschland - wie ist das eigentlich

Ich habe vor ein paar Tagen per Twitter und Facebook herum gefragt, wie Eltern in Deutschland ihre Situation betrachten. Es gab bereits einiges an Feedback. Diese neue Serie befasst sich mit der beruflichen und privaten Situation von Eltern mit kleinen Kindern. Kleine Kinder deshalb, weil man ab einem bestimmten Alter die Kids alleine lassen kann und man deshalb dann weniger "eingeschränkt" ist. Meistens jedenfalls. Die hier geschriebenen Punkte basieren teilweise auf eigenen Erfahrungen und teilweise auf Eindrücken, die ich von anderen Eltern aufgrund meines Aufrufs per Mail oder sozialer Netzwerke erhalten habe. Die gesamte Reihe ist auf keinen Fall als endgültig zu sehen, vielmehr sind dies unter anderem emotionale Empfindung von mir und anderen Eltern.

Ich habe hier zwar Gesetzetexte und Urteile verlinkt aber das hier ist ein Blog und KEINE Rechtsberatung.

Der erste Teil der Reihe greift erst einmal die grundsätzliche Situation in Deutschland auf. Später gehe ich noch darauf ein, wie andere Länder mit Kindern und Eltern umgehen.

Foto von Picjumbo
Foto von Picjumbo

Du hast dich also entschlossen, Kinder zu kriegen, man bist Du blöd!

Deutschland ist kein kinderfreundliches Land. Diverse Parteien behaupten zwar, dass viel für Eltern und Kinder getan wird aber die bittere Realität sieht leider komplett anders aus. Dies hat unter anderem gesellschaftliche Hintergründe: In früheren Zeiten bekamen die Menschen viele Kinder, um den Fortbestand der eigenen Sippe zu gewährleisten. Später bedeuteten viele Kinder unterschwelligen Reichtum und heute gilt man mit mehr als 3 Kindern fast als asozial. Wenn man das 3. Kind bekommt, ist der Standardspruch normalerweise:

Habt ihr keine anderen Hobbies?

und auch, wenn der Spruch witzig gemeint ist, hat er doch einen kritischen Unterton. Du hast drei Kinder, also machst du den ganzen Tag nichts anderes, als herum zu vögeln. Dies führt manchmal auch dazu, dass man sich unterschwellig dafür schämen muss, Kinder zu haben.

Geh arbeiten, bekommt doch jeder einen Kitaplatz

Es gilt noch immer das Prinzip, dass Kinder wahnsinnig viel Geld kosten und gerade Eltern mit vielen Kindern kassieren angeblich viele soziale Leistungen oder verdienen halt soviel Geld, dass die reich genug sind. In der Regel stimmt beides übrigens nicht. Kinder sind natürlich ein Kostenfaktor. Windeln kosten Geld. Ein KiTa-Platz kann monatlich 600 Euro kosten und bei 2-3 Kindern muss dann noch für die älteren Kinder der monatliche Kindergartenbetrag von 300 Euro berechnet werden. Beim ältesten Kind kommen die Ausgaben für Schulutensilien dazu. Das schizophrene an der Situation ist, von den Kosten mal abgesehen aber der Anspruch unserer Regierung - "Jedes Kind kriegt einen KiTa-Platz". Das kann kaum gehalten werden. Die Wartelisten sind ziemlich lang. Du musst als Eltern theoretisch direkt nach der Empfängnis zum KiTa-Träger gehen und deinen KiTa-Platz beantragen. Ansonsten landest Du auf der Warteliste und musst halt Glück haben, dass jemand anderes abspringt.

Dann kosten KiTa-Plätze einfach viel zu viel. Klar ist: Diese Leute müssen bezahlt werden aber wenn eine Regierung den Anspruch hat, dass Eltern einerseits arbeiten gehen sollen, um die Wirtschaft anzukurbeln, dann muss es sich auch lohnen, zu arbeiten. Bei 500 Euro monatlichen KiTa-Kosten fallen Teilzeit-Arbeitsplätze eigentlich schon raus, weil sich das rechnerisch nicht lohnt. Die Frau oder der Mann will aber nicht zuhause bleiben, sondern weiter arbeiten, um in die Rentenkasse einzuzahlen und nicht beruflich zu verrosten. Denn welche Firma stellt schon jemanden ein, der 6 Jahre nicht beruflich unterwegs war. Hier ist eine heftige Zwickmühle.

Wir als Eltern haben auch einen gewissen Anspruch an die KiTa. Weil wir es zeitlich nicht schaffen, erwarten wir, dass unsere Kinder bespaßt und in einem gewissen Maß auch erzogen werden. Sie sollen tuschen, spielen, toben, soziale Kontakte aufbauen, essen mit Messer und Gabel lernen, trocken werden, gewickelt werden, Konflikte lösen, ein wenig "Schulwissen" lernen und nicht zuletzt glücklich sein. Wenn die Kindergartentante nur herumsitzt und Kaffee schlürft, passiert das alles nicht. Daher erwarten wir von unseren KiTa-Betreuerinnen, dass sie kreativ, lustig, gebildet, motiviert und salomonisch sind. Und das über den gesamten Tag und mit diesem Gehalt. Ich muss zugeben, dass ich die KiTa-Kräfte um ihre Engelsgeduld beneide, mich können meine Kinder am Wochenende schon gewaltig nerven. Gehälter in sozialen Berufen sind generell ein Problem, das kann hier gar nicht behandelt werden.

Hoffentlich ruft der Kindergarten nicht an und Kündigungen

Kinder spielen. Das kann durchaus auch mal ruppig werden. Ich selbst habe meine Kinder mehrfach aus dem Kindergarten abholen müssen, weil sie ausgerutscht sind und mit dem Kopf wahlweise gegen die Wand, die Garderobe, die Rutsche oder einfach nur hart auf den Fußboden aufgeschlagen sind. Selten hat's geblutet aber im Regelfall kommt der Anruf, weil das Kind völlig fertig mit den Nerven ist. Harmlos aber auch realistisch ist der Anruf, dass das Kind gespuckt, nein - sich richtig übel vollgekotzt und vollgeschissen hat. Da muss man dann los und das Kind holen. Wenn Du einen toleranten Arbeitgeber hast, kannst Du früher gehen. Den rechtlichen Anspruch hast du gemäß § 45 SGB V jedenfalls. Das Gesetz sieht vor, dass deine Krankenkasse hier einspringt, wenn Du nach Hause musst und kein anderer sich um das Kind kümmern kann.

Aber wie das mit den Rechten und Pflichten so ist: Wenn es wirklich darauf ankommt, zicken viele Arbeitgeber herum. Wenn dein Kind krank ist, brauchst Du einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber. Den haben die wenigsten. Gerade, wenn das Kind häufiger krank ist oder sogar etwas chronisches auf die Eltern zukommt. Eine schwere Behinderung deines Kindes ist zum Beispiel tragisch für dich, du genießt deswegen aber keinen besonderen Kündigungsschutz.

Allerdings kann dies hier greifen: § 1 Abs. 3 KSchG

(3) Ist einem Arbeitnehmer aus dringenden betrieblichen Erfordernissen im Sinne des Absatzes 2 gekündigt worden, so ist die Kündigung trotzdem sozial ungerechtfertigt, wenn der Arbeitgeber bei der Auswahl des Arbeitnehmers die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Lebensalter, die Unterhaltspflichten und die Schwerbehinderung des Arbeitnehmers nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt hat; auf Verlangen des Arbeitnehmers hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Gründe anzugeben, die zu der getroffenen sozialen Auswahl geführt haben. Quelle.

Das gemeine hier ist allerdings die Passage: "auf Verlangen des Arbeitnehmers". Wenn Du eh in einem Betrieb arbeitest, der laut Arbeitgeberbewertungsportal eigentlich nur ein moderner Sklavereibetrieb ist, wirst Du nach Aussprache deiner Kündigung wohl eher nicht zum Chef gehen und ihn drauf ansprechen.

Diese Reihe wird in loser Folge fortgesetzt werden, denn als Vater finde ich dieses Thema ziemlich interessant. Mein Facebook-Profil steht übrigens für Kommentare zum Thema jederzeit für euch zur Verfügung.


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