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Eltern sein in Deutschland - wie ist das eigentlich

Eltern sein in Deutschland - Das Experiment Eltern sein in Deutschland - wie ist das eigentlich Lasst die Kinder doch einfach Kinder sein - gegen zu fruehe Einschulung 7 Dinge die dir keiner ueber das Vatersein sagt iRobot Roomba 615 im Test Schlafmittel fuer Kinder - ist das okay

Eltern sein in Deutschland - wie ist das eigentlich

Ich habe vor ein paar Tagen per Twitter und Facebook herum gefragt, wie Eltern in Deutschland ihre Situation betrachten. Es gab bereits einiges an Feedback. Diese neue Serie befasst sich mit der beruflichen und privaten Situation von Eltern mit kleinen Kindern. Kleine Kinder deshalb, weil man ab einem bestimmten Alter die Kids alleine lassen kann und man deshalb dann weniger "eingeschränkt" ist. Meistens jedenfalls. Die hier geschriebenen Punkte basieren teilweise auf eigenen Erfahrungen und teilweise auf Eindrücken, die ich von anderen Eltern aufgrund meines Aufrufs per Mail oder sozialer Netzwerke erhalten habe. Die gesamte Reihe ist auf keinen Fall als endgültig zu sehen, vielmehr sind dies unter anderem emotionale Empfindung von mir und anderen Eltern.

Ich habe hier zwar Gesetzetexte und Urteile verlinkt aber das hier ist ein Blog und KEINE Rechtsberatung.

Der erste Teil der Reihe greift erst einmal die grundsätzliche Situation in Deutschland auf. Später gehe ich noch darauf ein, wie andere Länder mit Kindern und Eltern umgehen.

Foto von Picjumbo
Foto von Picjumbo

Du hast dich also entschlossen, Kinder zu kriegen, man bist Du blöd!

Deutschland ist kein kinderfreundliches Land. Diverse Parteien behaupten zwar, dass viel für Eltern und Kinder getan wird aber die bittere Realität sieht leider komplett anders aus. Dies hat unter anderem gesellschaftliche Hintergründe: In früheren Zeiten bekamen die Menschen viele Kinder, um den Fortbestand der eigenen Sippe zu gewährleisten. Später bedeuteten viele Kinder unterschwelligen Reichtum und heute gilt man mit mehr als 3 Kindern fast als asozial. Wenn man das 3. Kind bekommt, ist der Standardspruch normalerweise:

Habt ihr keine anderen Hobbies?

und auch, wenn der Spruch witzig gemeint ist, hat er doch einen kritischen Unterton. Du hast drei Kinder, also machst du den ganzen Tag nichts anderes, als herum zu vögeln. Dies führt manchmal auch dazu, dass man sich unterschwellig dafür schämen muss, Kinder zu haben.

Geh arbeiten, bekommt doch jeder einen Kitaplatz

Es gilt noch immer das Prinzip, dass Kinder wahnsinnig viel Geld kosten und gerade Eltern mit vielen Kindern kassieren angeblich viele soziale Leistungen oder verdienen halt soviel Geld, dass die reich genug sind. In der Regel stimmt beides übrigens nicht. Kinder sind natürlich ein Kostenfaktor. Windeln kosten Geld. Ein KiTa-Platz kann monatlich 600 Euro kosten und bei 2-3 Kindern muss dann noch für die älteren Kinder der monatliche Kindergartenbetrag von 300 Euro berechnet werden. Beim ältesten Kind kommen die Ausgaben für Schulutensilien dazu. Das schizophrene an der Situation ist, von den Kosten mal abgesehen aber der Anspruch unserer Regierung - "Jedes Kind kriegt einen KiTa-Platz". Das kann kaum gehalten werden. Die Wartelisten sind ziemlich lang. Du musst als Eltern theoretisch direkt nach der Empfängnis zum KiTa-Träger gehen und deinen KiTa-Platz beantragen. Ansonsten landest Du auf der Warteliste und musst halt Glück haben, dass jemand anderes abspringt.

Dann kosten KiTa-Plätze einfach viel zu viel. Klar ist: Diese Leute müssen bezahlt werden aber wenn eine Regierung den Anspruch hat, dass Eltern einerseits arbeiten gehen sollen, um die Wirtschaft anzukurbeln, dann muss es sich auch lohnen, zu arbeiten. Bei 500 Euro monatlichen KiTa-Kosten fallen Teilzeit-Arbeitsplätze eigentlich schon raus, weil sich das rechnerisch nicht lohnt. Die Frau oder der Mann will aber nicht zuhause bleiben, sondern weiter arbeiten, um in die Rentenkasse einzuzahlen und nicht beruflich zu verrosten. Denn welche Firma stellt schon jemanden ein, der 6 Jahre nicht beruflich unterwegs war. Hier ist eine heftige Zwickmühle.

Wir als Eltern haben auch einen gewissen Anspruch an die KiTa. Weil wir es zeitlich nicht schaffen, erwarten wir, dass unsere Kinder bespaßt und in einem gewissen Maß auch erzogen werden. Sie sollen tuschen, spielen, toben, soziale Kontakte aufbauen, essen mit Messer und Gabel lernen, trocken werden, gewickelt werden, Konflikte lösen, ein wenig "Schulwissen" lernen und nicht zuletzt glücklich sein. Wenn die Kindergartentante nur herumsitzt und Kaffee schlürft, passiert das alles nicht. Daher erwarten wir von unseren KiTa-Betreuerinnen, dass sie kreativ, lustig, gebildet, motiviert und salomonisch sind. Und das über den gesamten Tag und mit diesem Gehalt. Ich muss zugeben, dass ich die KiTa-Kräfte um ihre Engelsgeduld beneide, mich können meine Kinder am Wochenende schon gewaltig nerven. Gehälter in sozialen Berufen sind generell ein Problem, das kann hier gar nicht behandelt werden.

Hoffentlich ruft der Kindergarten nicht an und Kündigungen

Kinder spielen. Das kann durchaus auch mal ruppig werden. Ich selbst habe meine Kinder mehrfach aus dem Kindergarten abholen müssen, weil sie ausgerutscht sind und mit dem Kopf wahlweise gegen die Wand, die Garderobe, die Rutsche oder einfach nur hart auf den Fußboden aufgeschlagen sind. Selten hat's geblutet aber im Regelfall kommt der Anruf, weil das Kind völlig fertig mit den Nerven ist. Harmlos aber auch realistisch ist der Anruf, dass das Kind gespuckt, nein - sich richtig übel vollgekotzt und vollgeschissen hat. Da muss man dann los und das Kind holen. Wenn Du einen toleranten Arbeitgeber hast, kannst Du früher gehen. Den rechtlichen Anspruch hast du gemäß § 45 SGB V jedenfalls. Das Gesetz sieht vor, dass deine Krankenkasse hier einspringt, wenn Du nach Hause musst und kein anderer sich um das Kind kümmern kann.

Aber wie das mit den Rechten und Pflichten so ist: Wenn es wirklich darauf ankommt, zicken viele Arbeitgeber herum. Wenn dein Kind krank ist, brauchst Du einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber. Den haben die wenigsten. Gerade, wenn das Kind häufiger krank ist oder sogar etwas chronisches auf die Eltern zukommt. Eine schwere Behinderung deines Kindes ist zum Beispiel tragisch für dich, du genießt deswegen aber keinen besonderen Kündigungsschutz.

Allerdings kann dies hier greifen: § 1 Abs. 3 KSchG

(3) Ist einem Arbeitnehmer aus dringenden betrieblichen Erfordernissen im Sinne des Absatzes 2 gekündigt worden, so ist die Kündigung trotzdem sozial ungerechtfertigt, wenn der Arbeitgeber bei der Auswahl des Arbeitnehmers die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Lebensalter, die Unterhaltspflichten und die Schwerbehinderung des Arbeitnehmers nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt hat; auf Verlangen des Arbeitnehmers hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Gründe anzugeben, die zu der getroffenen sozialen Auswahl geführt haben. Quelle.

Das gemeine hier ist allerdings die Passage: "auf Verlangen des Arbeitnehmers". Wenn Du eh in einem Betrieb arbeitest, der laut Arbeitgeberbewertungsportal eigentlich nur ein moderner Sklavereibetrieb ist, wirst Du nach Aussprache deiner Kündigung wohl eher nicht zum Chef gehen und ihn drauf ansprechen.

Diese Reihe wird in loser Folge fortgesetzt werden, denn als Vater finde ich dieses Thema ziemlich interessant. Mein Facebook-Profil steht übrigens für Kommentare zum Thema jederzeit für euch zur Verfügung.


Filed in: Eltern,
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Like 0finden das gut
Leider hat hier noch keiner seinen Senf zum Thema abgegeben. Sei du doch der erste. Oder die erste. Oder das letzte.

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