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Lasst die Kinder doch einfach Kinder sein - gegen zu fruehe Einschulung

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Lasst die Kinder doch einfach Kinder sein - gegen zu fruehe Einschulung

Ich mache meinen Traumberuf. Ich bin Softwareentwickler und mache diesen Quatsch seit 16 Jahren hauptberuflich. PHP, HTML, Javascript, C++ und die Administration von Windows- und Linuxsystemen gehört zu meinem täglichen Lebensaufgaben. Damals in der Schule haben die Leute zu meinen VC20/C64-Tagen schon gesagt, dass ich gut mit dem Computer umgehen kann.

Die Lehrer meinten zu dieser Zeit aber, dass ich damit keine Chance hätte. Außerdem sind meine Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften allgemein doch eher mies. Ich müsste doch Abitur machen und danach Informatik studieren. Meinen Lehrern habe ich zu dieser Zeit geglaubt. Ich habe krampfhaft versucht, mein Abi zu machen. Da ich aber IT-typisch eher faul bin und alles, was über meine Fachidiotie hinaus geht, nur schwer in mein Hirn rein geht, hatte das mit dem Abitur auch nach dem 2. Anlauf einfach nicht funktioniert.

Letztendlich war mein Fachabitur dann ein Bonus zu meiner erfolgreich verlaufenen schulischen Berufsausbildung als staatlich geprüfter Assistent für Informatik. Mithilfe dieses Abschlusses konnte ich ohne Studium und Abitur in meinem Traumjob einsteigen.

Diese Einführung muss mal eben sein: Dieser Blogpost richtet sich ganz klar gegen das etablierte Schulsystem. Damals wie heute, halte ich Schule bzw. die Art des Unterrichts für einen schlechten Witz. Lehrpläne geben extrem starr vor, was den Kindern wann vermittelt werden soll. Innerhalb der von Erwachsenen vorgerechneten Zeiten müssen Kinder zum Beispiel Mathematik genau so können. Dabei wissen wir alle aus eigener Erfahrung, dass manche Menschen gut in Mathe sind und andere Menschen eben nicht. Lehrpläne nehmen darauf keine Rücksicht.

Das aktuelle Schulsystem (Schule bedeutet übrigens "Nichtstun" im griechischen schola) halte ich für pure Vermittlung von Angst:

Den Kindern wird das Wissen reingeprügelt, ohne das Hintergrundwissen zu vermitteln. Wenn mir damals einer plastisch hätte erklären können, wie wichtig Algebra sein kann, würde ich beim Zimmer-renovieren nicht so viel Farbe kaufen. Und viele Sachen sind für Kinder meiner Meinung nach total irrelevant. Jedenfalls könnte man Themen wie den Limes oder die Steinzeit in der Gesamtheit viel kürzer abfassen und den Kindern, die sich ernsthaft für das Thema interessieren die Option anbieten, sich für bestimmte Themen eigenständige Aufgaben zu suchen.

Ich habe damals in Sozialkunde meine Note um glatte 2 Stufen verbessert, als das Thema Arbeit kam und ich aufzeigen könnte, wie geil man mit MS Excel Projektpläne machen kann. Und damals war ich 14 oder so.

Worauf will ich hinaus? Es gibt das Konzept der Summerhill-School. Hierbei handelt es sich um ein demokratisches Schulsystem. Im Gegensatz zum "Lehrer vorne, Schüler hinten"-Konzept ist Demokratie hier wortwörtlich zu verstehen.  Mehr dazu hier. Dieses Konzept mag ich sehr, denn nirgends im Berufsleben wird so beknackt gearbeitet, wie in der Schule. Wir arbeiten im Team, wir besprechen gemeinsam die beste Lösung und jeder bringt sein Wissen ein. Diese Art der Arbeit hast Du eigentlich überall. Jeder hat irgendwo die Möglichkeit, Strukturen aufzubrechen und etwas besser zu machen. In Schulen geht das nicht. Schulen sind starr an die Lehrpläne gebunden. Variationen gibt es nicht. Als ich die 7. Klasse wiederholt habe, konnte ich exakt dieselben Arbeiten und auch dieselben Mappen noch einmal benutzen. Ich musste NICHTS ändern, lediglich das Datum war halt jahresbedingt anzupassen. Mir kann keiner erzählen, dass so etwas den Lehrern Spaß macht. Den Kindern noch viel weniger.


Daher bin ich der Meinung, dass man Kinder Kinder sein lassen sollte. Kinder sollen früh zur Schule gehen, aber nicht zu früh. Es ist einfach bescheuert, einen kleinen Menschen, der gerade mal 2,5 Jahre im Kindergarten war, in das frühe Industriezeitalter zu schmeißen. Ich denke, ein Kind muss Kind bleiben dürfen, so lange es denn geht. Warum sag ich das? Ich bin glühender Verfechter gegen die Früheinschulung in Niedersachsen. Mein Jüngster müsste gemäß dieser miesen Regeln mit 5 Jahren in die Schule. Ich bin mir sicher, dass ihn das nicht umbringt, ich finde aber, er sollte so lange diese Zeit noch genießen. Zumal er nur ein Jahr nach seinem großen Bruder in der Schule wäre, obwohl dieser 2 Jahre älter ist. Aber dieses mieses Schulsystem zwingt ihn, still zu sitzen. Das ist kein Spielen, das ist einfach nur Scheisse. Also - macht es wie ich und zeichnet diese Petition!

Stoppt die Früheinschulung in Niedersachsen. Das ist einfach unnötig. Lasst die Eltern, die das Kind viel besser kennen, entscheiden.


Filed in: Eltern,
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Like 4finden das gut

Kommentare


Moin Huskynarr,

ja - wenn die Schule \"gut\" wäre, dann hätten wir das Problem nicht. Ausgangssituation meines Postings ist aber ja leider die Situation in Deutschland. Ich habe die Schule, auf die mein Sohn demnächst dann auch gehen soll immer gehasst. Ja - erster Tag Grundschule und ich habe direkt gesagt, dass ich dort nie wieder hin will.

Meine ganze Schulkarriere lief ähnlich. Wirklich Spaß gemacht hat mir die Schule erst in der schulischen Ausbildung.

Ich bin der Meinung das ein Kind nicht früh genug Schule bekommen kann. Aber es kommt dann eben auf die Schule an.
Wie du ja auch schon bemängelst ist das Schulsystem katastrophal. Während man in den USA \"Pflicht\" Stunden zur Auswahl hat. Nennt man das Zeug an Deutschen Schulen AG (Arbeitsgruppe) die natürlich nur Freilwillig ist, oder man legt Außerschulische Aktivitäten auf irgendwelche Vereine aus.
Wie sollen Kinder hier denn motiviert werden, wenn selbst Freizeit Aktivitäten \"Arbeit\" aufgestempelt bekommen, die in den meisten Fällen genauso aussieht wie der Unterricht und demotivierend ist. Da haben die Nördlichen Länder uns einiges vorraus. Da gibt es interessante Dokumentationen dazu.
Ganztagsschulen & Internate an denen Schüler sich wohlfühlen und lernen. :)

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