Es soll ein Hund als Haustier sein

Es ist nun Anfang Oktober und damit ist die Weihnachtssaison offiziell eröffnet. In den Supermärkten stapeln sich die Spekulatius-Kekse, die Spielzeugabteilungen der Online-Shops und Ladengeschäfte werden zumindest schon einmal von den Erwachsenen oberflächlich gescanned. Und wie üblich denken auch dieses Jahr wieder viele Familien über die Anschaffung eines Haustieres, vielleicht sogar eines Hundes, nach. Tut euch selbst einen Gefallen: Falls der geringste Zweifel besteht, schafft euch keinen Hund an. Dieser Beitrag ist keine romantische Zusammenfassung darüber, wie toll es ist, einen Hund zu haben. Dieser Beitrag will dir die Anschaffung eines Haustieres ausreden. Zumindest soll dieser Beitrag dir Impulse dafür geben, die Anschaffung eines Haustieres infrage zu stellen.

„Hunde sind so tolle Begleiter!“, sagen viele Leute. Das ist im Kern richtig, jeder glückliche Hundebesitzer wird dir bestätigen, wie toll sein Hund als Begleiter und Freund ist. Doch streng genommen handelt es sich hier um eine glatte Lüge. Dein Hund ist kein toller Begleiter für dich, sondern du musst der tolle Begleiter für deinen Hund sein. Wenn du bewiesen hast, dass du es wert bist, dass der Hund dir folgt, entscheidet sich der Hund für dich als Anführer und würde sich für dich, ohne zu zögern, opfern. Du musst dich bei einem Hund permanent selbst beweisen.

Hunde sind ziemlich eklig. Sie scheissen an den Wegrand, sie pissen überall gegen. Wenn du soviel „Glück“ wie ich hast, hast du auch noch einen Leinenrambo, bei dem es peinlich sein kann, Gassi zu gehen, weil dein Hund es geil findet, andere Hunde grundlos in Grund und Boden zu bellen. Jeder Hund hat seine eigenen Macken. Manche wiegen schwer, manche sind zu vernachlässigen. Es ist aber so, dass die Macke des Hundes die Beziehung zwischen Herrchen und Hund stark belasten kann. Das ist so ähnlich, wie die sprichwörtliche, offene Zahnpastatube, die zur Trennung von ansonsten tollen Paaren geführt hat. Die Macken deines Hundes musst du akzeptieren, richtig weg kriegst du die Macken niemals. Romantische Klischees kannst du vergessen. Dein Hund wird sich niemals wie die Hunde aus deinen Kinderfilmen verhalten. Dein Hund ist nicht Lassie oder Benji. Dein Hund ist auch nicht der Labrador aus „Marley und ich“. Bei diesen Filmen haben hochspezialisierte Tierdressur-Meister ihre Hunde über Jahre trainiert. Oft handelt es sich sogar um mehrere Hunde pro Film, weil kein Hund wirklich alles auf einmal kann. Es gibt Hunde, die springen ohne Probleme durch einen brennenden Reifen, aber ein einfaches Sitz kriegt man in den Hund nicht rein. Bei einem Film fällt das nicht auf, da kann Lassie auf einmal wirklich alles. Dort lehnt sich der Hund an den völlig geschafften Cowboy nach Feierabend an und stärkt so den Besitzer. In der echten Welt ist das normalerweise nicht so. Doch - irgendwann, vielleicht.

Habe ich dich noch immer nicht verschreckt? Dann solltest du dir überlegen, was für einen Hund du eigentlich haben möchtest. Nicht jede Rasse passt zu jedem Besitzer. Es gibt Hunde, die sehr erfahrene Hundebesitzer voraussetzen. Bei einem Pitbull oder American Stafford ist das noch relativ offensichtlich: Diese Hunde, die als Kampf- oder Listenhunde gelten, sind unfassbar stark und setzen voraus, dass du genau die Signale deines Vierbeiners verstehen kannst. Wenn so einer zubeisst, dann hast du grundsätzlich mal ein Problem.

Passt der Hund überhaupt zu deiner Lebenssituation? Ich finde es immer gruselig, wenn sich Menschen einen Jack Russel Terrier anschaffen, weil diese Hunde so knuffig und süß wirken. Diese Hunde wissen nicht, wie klein sie sind. Andere Hunde werden verbellt und wenn du keine Erfahrung hast, wird der Hund sich jemanden in deiner Familie suchen, den er beschützen will, während er andere Familienmitglieder eventuell verscheuchen möchte. Du musst dich bei willensstarken Terriern durch konsequente Erziehung durchsetzen können, was definitiv nicht immer einfach ist. Als Jagdhund braucht so ein Terrier viel Beschäftigung und noch viel mehr Auslauf, da er sonst verblödet. Ich verstehe auch nicht, wenn sich „Stubenhocker“ einen Border Collie holen. Das Argument, dass diese Hunde schlau und loyal sind, lasse ich nicht gelten. Natürlich sind Borders total schlau. Doch es handelt sich bei Borders um Hütehunde, die exklusiv dafür gezüchtet wurden, um eine Schafherde zu sprinten und die Herde zusammen zu halten. Das setzt Agilität und Intelligenz voraus. Wenn du deinem Hund nicht bieten kannst, dass er mindestens einmal am Tag richtig die Sau raus lassen kann, wird dein Border Collie komplett verblöden und dich einfach nicht ernst nehmen. Rede mit Hundeschulen und analysiere die Situation bei dir zuhause. So kann man ausarbeiten, was für ein Hund überhaupt zu dir passt.

Ein Hund ist ein Familienmitglied und sollte auch so behandelt werden. Wenn deine Kinder mal einen schlechten Tag haben, gibst du sie auch nicht ab. Die Idee, die Kinder auszusetzen, nur weil der Malle-Urlaub zu teuer ist, kommt ja auch niemandem. Dennoch werden jedes Jahr tausende von Hunden überall ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen. Es gibt Menschen, die bestrafen ihre Hunde, weil die Hunde in die Wohnung gepisst haben. Die Hunde werden nachts zur Strafe ausgesperrt. Das geht gar nicht. Du würdest dein Kind auch nicht aussetzen, oder? Sowieso ist das Thema Hund und Kind schwierig. Falls deine Kinder einen Hund haben wollen, kommt neben dem Gassigang noch viel mehr dazu. Kleine Kinder können gar nicht Gassi gehen, das Thema bleibt also an dir hängen. Kleine Kinder können aber am Hund zerren und deine Aufgabe ist es, den Kids dieses Verhalten abzugewöhnen. Ein Hund ist und bleibt ein Instinktwesen. Falls der Hund sich bedroht fühlt, wird der Hund knurren. Dieses Knurren ist wichtig, das darfst du dem Hund niemals abgewöhnen. Ein Knurren bedeutet, dass dein Kind (oder du) gewarnt wirst. Dein Verhalten und das Verhalten des Kindes ist UNVERZÜGLICH zu ändern, sonst beißt der Hund im schlimmsten Fall zu.

Du bist noch immer nicht abgeschreckt? Dann frage dich selbst noch, wie lange dein Hund zuhause jeden Tag alleine wäre. Du bist berufstätig und dein Hund sollte nicht unbedingt länger als 5 Stunden allein zuhause sein. Sobald du zuhause bist, musst du dich mit deinem Hund beschäftigen. Ein Hund ist - egal wie alt - zu behandeln, wie ein kleines Kind. Selbst ein alter Hund liebt es, wie ein zweijähriges Kind angesprochen und behandelt zu werden. Babysprache und albernes Freuen über jeden Kram ist absolute Pflicht. Hunde lieben das. Hunde lieben es, wenn du mit ihnen spielst. Hunde finden es toll, wenn sie Aufgaben erledigen müssen. Deine Aufgabe als Hundebesitzer ist es, den Hund geistig und körperlich auszulasten. Auslasten ist definitiv mehr als nur der lahme Spaziergang zum Kackengehen. Auslasten ist Training.

Die Grundkommandos müssen immer wieder eingeprägt werden. Sitz, Platz, Bleib. Das muss immer wieder geübt werden. Dein Hund sollte bei Fuß gehen können und dein Hund muss auch ohne Zuruf zu dir kommen, wenn du die entsprechenden Gesten machst. Das ist kein Psychoterror dir gegenüber. Jeder muss sehen, dass du deinen Hund zu jeder Zeit unter Kontrolle hast. Wenn du das nicht leisten kannst oder willst, kannst du dir keinen Hund anschaffen. Ein Hund ist wie eine geladene Waffe. Du hast die Verantwortung für deinen Hund. Fremde Menschen haben Angst vor Hunden und du musst das einfach respektieren. Gerade Kinder handeln unbesonnen, du musst deine Umgebung im Blick haben und deinen Hund vor der Umgebung schützen und auch deine Umgebung vor dem Hund. Tatsächlich ist der Hundeführerschein, den man in Niedersachsen benötigt, eine gute Vorbereitung auf eine Leben mit dem Hund.

Kannst du das alles bieten? Kannst du ein tolles Herrchen/Frauchen sein? Kannst du deine Kinder darauf erziehen, die Freiheit des Hundes zu respektieren und sich nicht wie Beute zu verhalten? Kannst du auf Reisen in bestimmte Länder verzichten, weil man keine Hunde einführen darf? Kannst du damit leben, dich zukünftig mit Analdrüsen und Wolfskrallen zu befassen? Kannst Du damit leben, die Konsistenz der Scheisse deines Hundes im Blick zu haben? Gibst du Geld für Hundeschulen aus?

Wie willst du Zeit mit deinem Hund verbringen? Mit deinem Partner gehst du vielleicht mal ins Kino, in die Oper oder einfach mal ne Pizza essen. Mit den Kindern gehst du vielleicht zum Fussball oder ins Schwimmbad. Wie verbringst du Zeit mit deinem Hund? Langweilige Spaziergänge? Jeden Tag dieselbe Strecke? Dein Hund braucht Abwechslung. Da ein Hund wie so ein Kleinkind funktioniert, ist das allerdings relativ einfach. Der langweilige Gassigang kann aufgelockert werden. Du kannst unterwegs zum Beispiel den Hund auf eine Parkbank hüpfen lassen. Du kannst Leckerlies verstecken und den Hund an abgesicherten Stellen auch mal frei laufen lassen. Du kannst und du musst unterwegs den Hund trainieren. Zwischendurch kannst du den Hund zwischen deinen Beinen entlang laufen lassen.

Es führt aber kein Weg an Hundeschulen vorbei. Dort gibt es Projekte und Kurse, die du regelmässig mit deinem Hund durchführen kannst. Es gibt Sozialstunden, bei denen der Hund unter Aufsicht mit anderen Hunden spielen darf. Du kannst mit deinem Hund Agility oder Obedience lernen und hast so die Möglichkeit, zusammen mit deiner Trainerin deinen Hund zu Höchstleistungen anzutreiben. Normalerweise ist die Zugangsvoraussetzung für diese Sportarten, dass du eine Begleithundeprüfung absolviert hast.Wie oben schon erwähnt, lieben Hunde es, sich zu beschäftigen. Beim Agilitäts-Sport geht es darum, dass der Hund möglichst schnell diverse Hindernisse überwindet, während es bei Obedience um die Hohe Schule des absoluten Gehorsams geht. Obedience ist also eher was für die unsportlicheren unter uns. Agility ist einfach geil, weil der Hund wie ein Derwisch über den Parkours hetzt. Deine Hundeschule hilft dir, ein Training zu erstellen und deine Hundeschule hilft dir auch, deinen Hund für diese Dinge zu erziehen. Hundeschulen sind nicht billig.

Wenn Du akzeptieren kannst, dass ein Hund ein Familienmitglied und kein beschissenes Spielzeug ist, kannst du darüber nachdenken, dir so ein Tier wirklich ins Haus zu holen. Wenn du akzeptieren kannst, dass du auch beim beknacktestem Wetter der Welt Gassigehen musst, wenn dir Würmer und Flöhe kein Loch ins Portmonnaie brennen, dann kannst du über die Anschaffung nachdenken.

Wenn du wirklich einen Hund holst, dann kommt die Frage, woher du diesen Hund holen willst. Für Welpen spricht natürlich, dass die wie ein weißes Blatt Papier sind. Allerdings kommt dazu, dass du Stubenreinheit trainieren musst und auch sonst darauf achten solltest, dass dein Hund ein gesundes Sozialverhalten gegenüber anderer Hunde lernt. Schlechte Hundeschulen donnern übrigens Chihuaha-Welpen mit Schäferhundwelpen in ein Gehege. Die kleinen Minihunde werden sehr schnell von den größeren Hunden gemobbed.

Tierheimhunde sind meistens älter und kommen oft aus Familien, bei denen das Herrchen keine Zeit mehr hatte (Tod, Krankheit, Eifersucht des Tieres auf das neue Baby). Tierheimhunde haben eine Vorgeschichte und sind manchmal falsch erzogen worden. Ob man dafür jetzt erfahrener sein sollte, als bei einem Welpen, kann ich nicht beurteilen, mein Hund kommt aus der Tierpflege. Tierpflegehunde haben noch viel mehr eine Vorgeschichte. Oft handelt es sich um Straßenhunde oder sogar um misshandelte Tiere, die das Verhalten und Leben mit Menschen erst wieder lernen müssen. Das setzt wesentlich mehr Geduld voraus, als es bei einem Welpen der Fall wäre. Andererseits hast du bei Tierpflegehunden etwas gutes getan und ein Leben gerettet. Tierheimhunde und Tierpflegehunde sind dankbare Wesen, wenn man die Anfangsschwierigkeiten gemeistert hat.

Ich kann kein richtiges Fazit schreiben. Ich sage nur, dass du dir bitte auf keinen Fall einen Hund holen solltest, wenn du dir nicht absolut und zu einhundert Prozent sicher bist, dass du einen Hund haben willst. Ich würde sogar sagen, dass ein Hund eine größere Entscheidung ist, als es eine Ehe je wäre, denn das Leben des Hundes ist von deinem Leben abhängig. Wenn du den Hund nicht mehr willst, kommt er ins Heim und wenn ihn da keiner mehr haben will, wird er getötet. Die Entscheidung, einen Hund zu besitzen bedeutet, dass du mindestens 12 Jahre lang einen Begleiter an deiner Seite haben wirst. Ein Hund bedeutet 12 Jahre lang Hundesteuer. Ein Hund bedeutet Tierarztbesuche. Kackebeutel und angepisste Möbelstücke werden deinen Weg kreuzen. Du wirst mindestes 12 Jahre lang, eher sogar ganze 18 Jahre lang ein und alles für deinen Hund sein. Auch wenn die Kinder bereits ausziehen, wird der Hund vermutlich weiter bei dir wohnen. Liebe deinen Hund und beschäftige dich mit dem Hund.

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