Einfach besser arbeiten | Work-Life-Balance

Früher ist man malochen gegangen, hat seinen Job gemacht. Dann kam man spät nach Hause, hat vielleicht noch den Kindern eine schöne Nacht gewünscht und dann sein Feierabendbier gezischt. Morgens ging man dann wieder schaffen und wiederholte diesen Vorgang, bis man irgendwann in die Rente ging. Jeden. Verdammten. Tag.

Das Verhältnis zu Arbeit hat sich bei den meisten Menschen geändert. Früher suchte man sich den Job, bei dem man die meiste Kohle verdient. Heute wollen Mitarbeiter sogenannte Mitarbeiter-Benefits. Vergünstigter Eintritt im Fitness-Studio, eine Obsttheke, kostenlose Getränke im Büro und eventuell sogar ein Dienst-Smartphone inklusive kompletter Internetflatrate. Die wenigsten kriegen das alles auf einmal, aber zumindest setzen Unternehmen diese Mitarbeiterwünsche heute teilweise um. Es ist nachgewiesen, dass alleine ein internes Fußballkickerturnier alle paar Wochen das Betriebsklima unendlich steigern kann. Stephen King hat in „Shining“ schon festgestellt, dass „nur Arbeit und kein Spielen Jack zum stumpfen Jungen“ machen. Leider ist das in vielen Firmen noch nicht so richtig angekommen. Jeder ist sich selbst der nächste, also sei auch du dir der nächste und lies meine Tipps, wie du deine Work-Life-Balance verbessern kannst.

Werkzeug
Manchmal muss(!) das Werkzeug auch mal ruhen.

Ich bin natürlich kein Work-Coach. Ich kann dir lediglich meine eigenen Erfahrungen geben, warum es gut ist, Arbeit auch mal Arbeit sein zu lassen und das Privatleben mit allen Sinnen zu genießen. Wie so oft, entstand dieser Post aus der Not heraus. Ich habe selbst nämlich massive Probleme, die Work-Life-Balance vernünftig einzuhalten und ich bemerke tatsächlich an meiner Gesundheit, wenn ich wieder mal zu viel auf die Arbeit und zu wenig auf mein Privatleben gegeben habe. Ich kenne gestandene Männer und Frauen, die super erfolgreich im Job sind. Diese Menschen wirken auch privat total happy, aber ich weiß aus persönlichen Gesprächen, dass diese Leute nur so kurz vor einer ausgewachsenen Depression sind. Arbeit kann einen glücklich machen, der Regelfall sieht aber vermutlich anders aus. Eine optimierte Work-Life-Balance hilft dir aber, ausgeglichener zu sein und damit automatisch auch glücklich bei der Arbeit zu werden. Zwinge dich nicht, die Tipps alle auf einmal durchzuziehen. Ich bin seit etwas über 20 Jahren berufstätig und habe erst jetzt gelernt, besser für mich zu sorgen. Das war nicht einfach und ich habe es noch lange nicht geschafft.

Setze dir Zeitfenster für Emails

Nicht, wirklich gar nichts, hält im Büro mehr auf, als Emails. Emails sind ein Fluch und gleichzeitig natürlich ein Segen. Das unangenehmte Telefonat mit dem Dienstleister ist so viel schneller mit einer Email geklärt. Außerdem hat man ja alles sofort schriftlich und kann sich immer wieder drauf beziehen. Das ist natürlich wahr, aber normalerweise läuft es so: Du kommst ins Büro und öffnest dein Emailprogramm. Mit einem Schlag öffnen sich 25-30 Emails und du hast noch dein normales Tagesgeschäft zu erledigen. Jede einzelne Email zuerst beantworten? Ich garantiere dir, dann sind 3 Stunden des Tages komplett verschwendet. Das Telefon ist oft dein Freund. Anstatt nun doch jede Mail schriftlich zu beantworten, rufst du an und fragst nach, bis wann der Report da sein muss oder wie kritisch der Bug ist. Du kannst die Kundennachfrage kurz telefonisch beantworten. Das alles geht innerhalb von einer Stunde. Während des Telefonats machst du Notizen und schreibst auf die Mail letztendlich nur noch: „Wie telefonisch besprochen, hier mal meine Notizen“ und schickst dem Kunden/Partner diese Infos. Ihr wisst beide, was ihr besprochen habt und du hast mindestens 2 Stunden Arbeit gespart. Schließe das Emailprogramm dann. Denn nun musst du dich um dein Haupttagesgeschäft kümmern.

Lass die Leute warten

Chefs wollen immer, das etwas sofort passiert. Das liegt daran, dass ein Chef bzw. eine Chefin am Tag immer nur ein kurzes Zeitfenster hat, um sich um deinen Arbeitsbereich zu kümmern. Wie viel Arbeit dein Bereich tatsächlich beansprucht, kann und muss dein Chef gar nicht verstehen. Wenn dein Chef dich wegen deiner Arbeit unter Druck setzt, dann macht der Chef das nicht, um dich zu ärgern. Er will halt Resultate sehen. Du kannst und du musst klar aufschlüsseln können, was du da eigentlich machst und warum das noch nicht fertig ist. Im Sinne des Unternehmens willst du ja schließlich Qualität abliefern. Wenn der Chef sagt, dass du schneller machen sollst, kannst du durchaus fragen, ob Du auf Tests verzichten sollst. Falls ein „Ja“ kommt, solltest du noch mal nachfragen, ob du das schriftlich haben kannst.

Sage NEIN

Sag nicht immer sofort „Ja“, wenn einer dich etwas fragt. Sag immer, dass du dich zum Thema meldest. Dann kannst du zuerst mal bewerten, wieviel Zeit diese zusätzliche Aufgabe in Anspruch nimmt. Wenn du sagen kannst: „Ich kann das jetzt gerade nicht umsetzen, weil das und das und das damit zusammenhängen“, kann das jeder nachvollziehen. Wenn du dann noch sagen kannst, ab wann du Zeit für diese Aufgabe hast und wie lange du dafür brauchst, bist du der Held. Immer noch besser, als alles so mitzunehmen und dann nur Schrott abzuliefern. Arbeite sinnvoll, nicht viel.

Arbeit ist Arbeit und Freizeit ist Freizeit

Gerade Webworker oder Leute aus dem Officebereich generell nehmen immer wieder ihre Arbeit mit nach Hause. Warum? Das ist überhaupt nicht logisch. Nein, es ist nicht logisch, die Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Von den Sicherheitslücken mal abgesehen, dass du einen USB-Stick zuhause mit einem Virus infizieren kannst oder den Stick sogar verlieren könntest, gehört Arbeit nicht nach Hause. Ein Maurer kann das Haus auch nicht mitnehmen, um daran weiter zu machen und wenn ein Gerichtsmediziner seine Arbeit mit nach Hause nimmt, wird er mindestens seltsam angeschaut. Kein Mensch hat sich früher die Arbeit mit nach Hause genommen. Niemals. Weil es nicht ging und weil man sonst nie Freizeit hat.

Die Leute mit Homeoffice könnten jetzt argumentieren, dass Zuhause doch Arbeit ist: Nee, ist es nicht. Kaufe dir einen Arbeits-PC und einen Freizeit-PC. Der Freizeit-PC ist nicht in der Lage, Emails zu lesen. Jedenfalls keine, die die Arbeit betreffen. Du kannst mit dem Freizeit-PC auch nicht die Webseiten deiner Kunden bearbeiten. Es ist nicht mal Office installiert. Deine Post kannst du auch mit Abiword bearbeiten, für private Briefe reicht das aus. Der Privat-PC ist zum zocken da. Der Arbeits-PC kann dafür nicht für privaten Scheiss genutzt werden.

Nobody is perfect - also versuch es gar nicht erst

Mal ehrlich: Wie oft hast Du in der Schule gesessen und auf deine „2“ geschaut, die du nur deshalb gekriegt hast, weil du nicht sauber genug geschrieben hast. In der Schule wirst du auf Perfektion gedrillt und versuchst das dann irgendwann auch zu erreichen. Aber wir wissen alle, dass die Schule nichts mit dem normalen Berufsleben zu tun hat. Die Schule hat einen einfachen Plan, den Stundenplan. Im Berufsleben gibt es normalerweise immer wieder neue Herausforderungen. Die sind normalerweise auch viel schwerer zu erreichen, als die „1“ in einer Deutschklausur. Im Berufsleben musst du die Tatsache akzeptieren, dass du nicht alles perfekt kannst. Wenn Du ein extrem guter Programmierer bist, bist zu vermutlich nicht so gut bei der Bildbearbeitung. Es gibt Malermeister, die auch Kalligrafie können, um Bauernmalerei zu machen. Können andere nicht. Du kannst niemals ALLES aus deinem Beruf können. Akzeptiere das. Wenn du zu lange über einem Problem grübelst, wird sich das Problem nicht lösen. Teile deine Aufgaben in erreichbare Ziele ein.

Fazit

Es ist nur ein Job. Wirklich. Klar - du verbringst mindestens 8 Stunden am Tag im Büro oder auf dem Bau oder im Krankenhaus oder an der Kasse. Jeder von uns hat Angst, seinen Job zu verlieren. Noch haben wir in Deutschland aber die besten Arbeitsgesetze, zumindest haben Arbeitnehmer hier einige Rechte. Du solltest deine Rechte kennen, allerdings ist es eben viel, viel besser, das beste aus dem zu machen, was da ist. Ich glaube, das wichtigste ist wirklich die Trennung von Job und Privatleben. Seitdem ich wirklich versuche, meine Arbeit aus meinem Privatleben so weit wie möglich herauszuhalten, wird's so langsam was.

Wie optimierst du deine Work-Life-Balance?

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