Wie man auf Linux umstellt

Wie man auf Linux umstellt

Du möchtest komplett auf Linux wechseln. Lass mich dir helfen und dir Tipps dafür geben, wie du diesem Umzug am besten über die Bühne bekommst. Dieser Post basiert in großen Teilen auf diesem Reddit-Post. (The Ultimate Guide for migrating to linux)

Warum möchtest Du auf Linux wechseln?

  1. Du findest Windows einfach nicht mehr gut?
  2. Du findest die Unternehmensphilosophie von Microsoft nicht gut?
  3. Du willst besser verstehen, was dein Computer eigentlich macht?
  4. Du hast wegen deiner Windows-Raubkopie ein schlechtes Gewissen?

Du solltest einen Grund haben, deine vertraute Windows-Umgebung durch ein unbekanntes Linuxsystem einzutauschen. Der Grund muss stark genug sein, auch Rückschläge einzustecken. Linux läuft superstabil, wenn es läuft. Aber manchmal wirst du dir denken, was für eine Scheisse du dir da installiert hast. Dein Grund hilft dir, weiter zu machen.

Software

Mache dich darauf gefasst, dass du bestimmte Programme nicht mehr finden wirst. Es geht hier wirklich um bestimmte Programme, die es unter Linux einfach nicht gibt. Spiele sind ein großer Anteil davon, aber auch vermeintliche Standardlösungen wie Photoshop oder Premiere sind unter Linux nicht verfügbar. Ich werde hier nicht in die Diskussion Gimp/Photoshop einsteigen, ich bleibe erst einmal dabei: Linux hat „andere Software“, die es unter Windows nicht gibt. Aber für Linux gibt es definitiv „weniger Software“.

Mache Listen

Listen sind wichtig. Du musst Buch darüber führen, welche Software du regelmässig ausführst. Dabei geht's nicht um den alten AOL-Messenger, den du nur aus Faulheit nie deinstalliert hast. Es geht auch nicht um ein Icon-Malprogramm, dass du ein einziges Mal für dein Favicon genutzt hast. Du musst die Programme auflisten, die du wirklich täglich benutzt. Du wirst überrascht sein, dass es die meisten Browser, Messenger oder Entwicklungsumgebungen natürlich auch für Linux gibt. Auch Audioplayer oder Videoplayer sind in der Regel mit selben Namen vorhanden.

Welche Programme nutzt du wirklich täglich? Schreibe es dir auf.

Prüfe anschließend, ob du das verwendete Programm auch unter Linux verwenden kannst. Firefox, Chrome, VLC, Thunderbird, Netbeans, VScode, Steam (und viele Games) laufen nativ. Das bedeutet, dass du direkt eine Linuxversion dieses Programmes benutzen kannst.

Andere Programme laufen nicht direkt unter Linux, aber du kannst Wine benutzen. Wine ist eine Abstraktionsschicht, die deinem Windows-Programm vorgaukelt, dass du in Windows wärst. Wine erlaubt das Ausführen von Windows-Programmen auf Linux und OSX.  Dabei hat das Wine-Team ziemlich gute Arbeit geleistet, viele Programme laufen nicht merklich langsamer und vor allem laufen diese Programme. So kriegt man zumindest ältere Versionen von Photoshop unter Linux zum Laufen.

Ein riesiger Teil von Programmen läuft einfach gar nicht. Egal, was du tust, das Programm ist so tief mit Windows verwurzelt, dass man es unter einer „nicht Windows“-Umgebung nicht starten kann. Dazu gehören alle Spiele, die auf DirectX 10 oder DirectX 11 setzen und die meisten Programme von Adobe. Auch Musiksoftware, wie Cubase wirst du kaum mit Linux zum Laufen kriegen, allein schon wegen des Hardware-Dongles. Du musst dir dann überlegen, ob du dieses spezielle Programm wirklich benötigst, oder ob du mit einer Alternative umgehen kannst. Gimp zum Beispiel wird überall als Photoshop-Alternative vorgeschlagen, allerdings ist Gimp in Teilen nicht so mächtig. Davon abgesehen ist Gimp vergleichsweise seltsam zu bedienen.

Was Games betrifft, kannst du bei den einschlägigen Portalen wie Steam oder GOG prüfen, ob es eine Linux-Version des Spiels gibt. Bedenkenlos zugreifen kannst du bei allen Portierungen des Hauses Feral Interactive. Die von denen konvertierten Spiele laufen unglaublich gut und mega stabil. Du hast also Games wie das neue Tomb Raider inklusive aller DLCs im Zugriff. Auch Borderlands 2 oder DIRT laufen super unter Linux. Ein Fortnite ist aktuell noch nicht dabei. 😏

Wenn dein Programm absolut nicht mit Wine läuft, versuche eine virtuelle Maschine zu installieren. Mit Spielen wirst du da keinen Spaß haben, wegen der Performance, aber typische Anwendungsprogramme laufen gut. Nicht zuletzt kannst du natürlich Linux immer parallel zu Windows installieren und beim Bootvorgang entscheiden, welches Betriebssystem geladen werden sollen.

Der eigentliche Wechsel

Wenn du gemerkt hast, dass du theoretisch mit Linux leben kannst, kannst du deinen Rechner mit Linux ausstatten. Bitte erstelle auf jedenfall vorher ein Backup, weil du bei einer Installation eines Betriebssystems immer einen Datenverlust riskierst. Du muss dich nun für eine sogenannte Distribution entscheiden. Eine Distribution ist eine Sammlung von Programmen und ein Linuxkernel. Einige Distributionen richten sich an Anfänger, andere Distributionen sind speziell für wissenschaftliche Zwecke und wieder andere Distributionen wenden sich explizit an Windows-Umsteiger.  Wenn du anhand eines Multiple-Choice-Tests die passende Linuxversion für dich haben willst, schaue dir mal den hervorragenden Distrochooser an. Es gibt hunderte von Distributionen, aber nur 10-15 Stück sind für den normalen Linuxbenutzer interessant.

  • Ubuntu: Wird über einen grafischen Installer installiert. Hat es tatsächlich geschafft, viele Menschen zu Linuxern zu machen, weil das System einfach funktioniert.
  • Mint: Basiert auf Ubuntu, hat aber einiges für Windows-Umsteiger zu bieten.
  • Debian: Debian ist eine der ältesten Linuxdistributionen und setzt den Focus auf maximale Stabilität. Das bedeutet, dass dein Debian-Linux so gut wie nie abstürzen wird. Das bedeutet aber auch, dass du zwangsläufig mit älteren Programmen arbeiten wirst. Ubuntu basiert auf Debian.
  • Arch: Ziemlich schlanke Distributionen, die sich aber an fortgeschrittene Benutzer richtet. Wenn du noch nie vorher Linux benutzt hast, ist Arch die falsche Wahl für dich. Allein die Installation ist für Anfänger überhaupt nicht nachvollziehbar.

Gewohnheiten

Terminal
Dein bester Freund, das Terminal

Lerne das Terminal! Linux kann man zwar fantastisch mit Maus und Tastatur bedienen, aber über das Terminal kommt man wesentlich schneller zum Ziel. Wenn du einen grafischen Installer verwendest, musst du den erst öffnen, das Programm suchen, auf „Installieren“ klicken, dein Passwort eingeben, danach wird das Programm installiert.

Über das Terminal schreibst du einfach sudo apt install gimp und schon wird Gimp installiert. Je nach Distribution verwendet man halt apt dnf, pacman oder yaourt. Das steht meistens irgendwo in den Einführungstutorials. So ähnlich funktioniert das auch beim „Benutzer anlegen“. Das Betriebssystem komplett auf den neuesten Stand bringt man ganz simpel mit apt update && apt upgrade

Lerne das Terminal, es ist dein bester Freund.

Windows

Wie gesagt, Linux ist Linux und Windows ist Windows. Wenn Du Windows-Programme unter Linux starten willst, ist das am ehesten damit vergleichbar, dass du Iphone-Apps unter Windows starten willst. Tatsächlich geht das irgendwie, aber das funktioniert nur, indem diese Abstraktionsschicht alle Anfragen, die die App normalerweise an das Telefon stellt, an das Windows-System durchführt. Apps werden am PC entwickelt, daher kann man diese Apps mehr oder weniger gut auch unter Linux/Windows benutzen.

Bei Windows-Programmen ist wine dein Freund. Das Programm wird über apt installiert (siehe Terminal) und anschließend sagst du einfach nur noch wine /pfad/zur/datei.exe

Besser und einfacher sind Programme, wie PlayonLinux. Hier hat sich eine Community gebildet, die die besten Wine-Einstellungen anbieten, sodass viele Spiele und Anwendungen laufen.

Kaputt?

Auch ein Linux-System kann Probleme machen. Doch es gibt unglaublich viele Communities und für fast jedes Problem findet man eine Lösung bei Google oder Bing. Linuxer helfen sich auch gern untereinander, außer du hast vorher nicht gegoogled ;)

Und? Wechselst du nun auf Linux?

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