VST-Plugins unter Arch

Ich habe bereits erzählt, wie man unter Ubuntu Windows-VST-Plugins benutzen kann. Der dort beschriebene Weg ist verhältnismäßig einfach, da man lediglich PPA-Quellen freischalten muss und dann über Synaptic oder APT die benötigten Files installieren muss. Das funktioniert für alle Ubuntu-Versionen, insbesondere für Ubuntustudio ist dies aber eben der coolste Weg, Windows-VST-Plugins nutzen zu können. Tatsächlich nutzen mittlerweile aber viele Leute Arch-Linux oder andere Distributionen, die auf Arch aufsetzen (Antergos, Manjaro). Der größte Vorteil dieser Distros ist die Aktualität: Da es sich um Rolling-Releases handelt, werden einzelne Softwarepakete immer sofort aktualisiert und nicht erst kuratiert und als gesamtes Betriebssystemupdate veröffentlicht.

Gleichzeitig setzt diese Technik aber voraus, dass man sein System auch täglich updated. Ansonsten kann es passieren, dass zu viele Updates kamen und man dann Versionen überspringt, von denen andere Programme abhängig sind. Das passiert eher selten, ich wollte es aber eben erwähnen.Für Linuxer, die VST-Plugins aus der Windowswelt benutzen wollen, hat das aber den entscheidenden Vorteil, dass Wine (die Abstraktionsschicht, um dem Plugin ein Windows vorzugaukeln) superneu ist. Die Chance, dass ein VST-Plugin damit läuft, ist also wirklich groß.

Welche Möglichkeiten, VST-Instrumente zu nutzen, gibt es?

Es gibt unter Linux diverse Standards für Audioplugins. Linux kann DSSI, VST, Ladspa und LV2. DSSI gilt möglicherweise bereits als veraltet und LV2 wird das ganz große Ding unter Linux werden. Native Linux-VST-Plugins gibt es natürlich auch, U-he z.B hat einen ganzen Schwung cooler Plugins im Linux-VST-Stil. Sehr viele Plugins für Arch/Antergos gibt es im AUR. Eine Suche nach VST führt irre Resultate zutage.

Wie nutzt man Windows-VST-Plugins unter Arch?

Es gibt 3 gute Möglichkeiten, Windows-VST-Plugins unter Arch zu nutzen. DSSI-VST, Carla und Airwave. Alle 3 Tools gibt es in den AURs. Und Carla und Airwave muss man selbst kompilieren. Zum Zeitpunkt dieses Textes (März 2017) lief das kompilieren aller 3 Tools schmerzfrei und das Steinberg-SDK wurde direkt mitgeladen und mit gelinkt. Ich nutze Airwave und Carla parallel. Airwave hat den Vorteil, dass die Plugins so laufen, als wären es native Plugins. Bei Carla wird das Plugin innerhalb des Programmes geladen und die GUI wird aus Carla heraus aufgerufen.

DSSI-VST ließ sich immer an einfachsten installieren, allerdings werden BPM-Einstellungen nicht an das Plugin übergeben. Wenn Du Carla nutzen möchtest, solltest du beim Installieren drauf achten, den richtigen Compiler installiert zu haben. Ohne gcc-multilib geht da nichts.

Welche Programme kann man unter Arch/Antergos nutzen?

Ich selbst nutze die Linuxversion von Renoise. Aber ich habe auch lmms installiert, Bitwig läuft auch tadellos. Da du für Windows-VST-Plugins sowieso Wine nutzen musst, kannst Du auch Reaper problemlos benutzen.

Wie wichtig ist Jack?

Jack ist das Linux-Pendant zu ASIO. Jack erlaubt nahezu latenzfreie Wiedergabe von Sound und man kann innerhalb von Jack beliebige Audiokanäle umrouten und so das Audio-Signal von einem Programm in ein anderes Programm umleiten. Mit Cadence kann man diese Kanalrouten und auch Jack selbst ziemlich elegant bearbeiten.

Fazit

Im Grunde hat man mit Linux mittlerweile alles, was der erfolglose Musikproduzent benötigt. Es gibt allerdings Einschränkungen. Bestimmte Plugins sind eben für bestimmte Betriebssysteme geschrieben worden und die Opensource-Sequencer sind oft leider nicht ganz so stabil wie die kommerziellen Pendants. Umgekehrt sollte man gerade im Studio aber sowieso so oft speichern, wie irgend möglich.

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Leider hat hier noch keiner seinen Senf zum Thema abgegeben. Sei du doch der erste. Oder die erste. Oder das letzte.
Geschrieben von Marcel Schindler am 02.03.2017
LinuxMusik,
VST-Plugins unter Arch


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