Ueberleben in der Musikindustrie

Ueberleben in der Musikindustrie

Die Art, wie wir Musik konsumieren, hat sich in den letzten 20 Jahren grundsätzlich verändert. Früher hast Du einen Song im Radio das erste Mal gehört, anschließend erwarbst du vielleicht die Single oder du hast dir sogar das Album gekauft, egal ob jetzt auf Vinyl oder CD.

Früher:

Der Preis für die Single war immer ungefähr ein 10er (DM, später €) und das Album bekamst du für ca. 30 DM/€.

Die Herstellung dieser Tonträger war der Job der Plattenfirma und weil man ein Produkt hatte, bei dem man nicht genau wußte, ob der Endkunde das Produkt überhaupt haben will, wurden A+R-Manager gebraucht, weil die in der Lage waren, das next-hot-thing des nächsten Jahres zu finden. Für die Plattenfirmen bestand ein gewisses Risiko, weil man ja nicht umsonst CDs pressen wollte, nicht umsonst ein Musikvideo produzieren wollte und weil man früher die Bands auch nochmal extra für die Albumproduktion ins Studio stecken musste.

Früher hast du einen Song auf Tape aufgenommen und der Song selbst war so gut, dass die Plattenfirma die finale Produktion noch einmal bezahlt hat und wirklich viel Geld in den Künstler investieren musste.

Heute ist das anders:

Die digitale Distribution einer Single kostet fast nichts mehr. Daher kann man viel mehr Songs in die Welt rausschießen und gucken, was davon gut läuft und was nicht. Ein Musiker kann heutzutage in Studioqualität zuhause produzieren und genau genommen erwarten die Labels das mittlerweile auch.

Der gesamte Prozess zwischen Komponieren und Veröffentlichung ist viel, viel billiger geworden und die Aufgabe der Plattenfirma ist eigentlich nur noch die Distribution auf Spotify, Amazon, Itunes usw.

Nach diesem Exkurs würde ich einem Musiker also folgende Ratschläge geben. Zuerst mal sollte jeder prüfen lassen, was im Plattenvertrag genau drin steht. Die Kosten für einen guten Anwalt sollte man beim Release des Songs also wieder reinkriegen. Man sollte genau drauf achten, dass man bei Auftritten in Clubs, TV, Stadien und Supermarkteröffnungen den Löwenanteil der Gage selbst behalten darf. Plattenfirmen versuchen gerne, einem Künstler das 360-Grad-Modell anzudrehen. Das bedeutet dann, dass das Label die komplette Vermarktung von Songs, Merchandising, Auftritten durchorganisiert und der Künstler sich auf die Kunst konzentrieren kann. Vorausgesetzt, der Vertrag ist gut, kann sowohl Label als auch Künstler gut daran verdienen.

Die Labels nehmen sich dann aber eben auch das Recht daran, wie der Künstler sich im Web präsentiert, heraus. Die Internetpräsenz gehört dem Label, alles was hier veröffentlicht wird, sollte mit dem Label abgestimmt sein und auch die Musikvideos gehören dem Plattenlabel. Das Label bestimmt, welche TV-Sendungen/Galaauftritte der Künstler besucht. Wenn man sich damit arrangieren kann, ist der Vertrag für alle Beteiligten eine tolle Sache. Mittlerweile ist diese Art von Vertrag eigentlich auch Standard.

Ein letzter Weg ist die Selbstvermarktung. Tatsächlich ist es relativ einfach, seine Songs ohne Label bei Spotify & Co. zu listen. Einen Labelcode und eine Gema-Mitgliedschaft sind Kosten, die man sich gönnen sollte, wenn man professionell ins Biz einsteigen möchte. Allerdings wird man, bei Erfolg, wieder den Support eines Labels brauchen, weil die Koordination von Livegigs, Studiozeit, Interviews, Merchandise-Verkauf nicht allein von einem Künstler gerissen werden kann.


Getagged unter: Musikproduktion,
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