2018 in Deutschland - wat is da bloss passiert

2018 in Deutschland - wat is da bloss passiert

Dieser Post ist in höchstem Maße politisch, aber ich will versuchen, möglichst objektiv zu sein. Ich möchte über ein Land reden. Ich möchte über ein Land reden, welches sich seit dem zweiten Weltkrieg zu einem der fortschrittlichsten und demokratischsten Länder der Welt entwickelt hat. Ich möchte über ein Land reden, das meiner Meinung nach kein Problem mit Juden, Muslime, Buddhisten, Christen, Homos, Heteros, Veganern und sogar sexistischen Personen hat. Ich möchte über ein Land reden, in dem wir mit stolz aufstehen können und öffentlich die Regierung kritisieren können, ohne Angst zu haben. Ich möche über ein Land reden, in dem es keine Sau interessiert, ob ein Mann einen Mann in der Öffentlichkeit küsst. Zumindest stört es niemanden mehr, als eine Frau, die einen Mann küsst.

Bisher sah ich mein Deutschland genau so. Bisher fand ich es wunderbar, dass wir tolerant waren, ohne gleichgültig zu sein. Toleranz heißt eben nicht, dass es dir völlig egal ist, was die anderen machen. Es ist dir nicht egal, ob jemand schwarz ist oder schwul oder behindert. Toleranz bedeutet meines Verständnisses nach, dass du versuchst, zu verstehen, wie der andere Mensch seine Welt sieht. Für mich ist Toleranz, dass ich zumindest versuche zu verstehen, warum jemand so ist, wie er ist. Das klingt komisch, weil es für schwarz-sein oder schwul-sein ja keinen konkreten Grund gibt. Man ist ja einfach so. Als ich das erste Mal einen schwulen Mann kennenlernte, habe ich zuerst gefragt, ob ich ihm all diese peinlichen Fragen mal stellen darf. Ich wollte wissen, ob es „den Mann“ oder „die Frau“ in einer homosexuellen Beziehung gibt. Ich stand mal mit einem Schwarzen in einem Treppenhaus und die Flurbeleuchtung ging aus. Ich habe dann gesagt, dass es fucking dunkel hier ist und er lächelte. Das einzige, was ich sah, waren die Augen und das Lächeln. Das hab ich dem Typen auch gesagt. Dann haben wir uns totgelacht. Ich möchte Sachen verstehen. Ich habe mir zum Beispiel alle Twilight-Filme angeschaut und auch die Bücher gelesen, weil ich sonst nicht über die grottenschlechte Geschichte hätte ablästern können. Ich habe in Foren und sozialen Netzwerken endlos lange Diskussionen mit Rassisten geführt, weil ich verstehen wollte, was die Jungs und Mädels bewegt. Leider war das manchmal anstrengend, weil ich versucht habe, Argumente mit Fakten zu widerlegen. Das gefiel den meisten nicht und dann wurde es entweder persönlich oder es gab auch die ein oder andere ernsthafte Drohung.

An sich kam ich mit meinem kleinen, heilen Weltbild immer super klar. Ich bin überhaupt nicht frei von Vorurteilen. Ich denke manchmal auch, dass man als Deutschtürke weniger prollig rumlatschen kann, wenn mir hier eine Gruppe von denen entgegen kommt. Aber - ey - das ist überhaupt nicht mein Problem. In dem Fall denke ich mir halt nur, dass ich das nicht so machen würde, aber ich verstehe auch, dass hier einfach mal geprollt wird, weil das feindlich gesinnte Typen einschüchtert. Meine Vorurteile gehen sogar noch viel weiter: Ich gehe davon aus, dass Menschen mit BRA im Kennzeichen kein Auto fahren können. Ebenso Leute mit HB im Kennzeichen. Das ist aber mein eigenes Problem, nicht das Problem der Braker oder der Bremer. Und jetzt kommt endlich der Teil, auf den ich hinaus möchte.

Basteibrücke
Die Basteibrücke. Sieht irgendwie ja aus, wie eine Kulisse aus „Herr der Ringe“

Wir haben nun eine Partei im Bundestag, die mit 13 % verschwindend gering vertreten ist. Diese Partei hat die Sozial-Medien aber besser verstanden, als jede andere Partei und die Partei nutzt die Macht von Facebook und Twitter besser, als die Piraten. Die Mitglieder dieser Partei sind gern gesehene Gäste in Talkshows, denn wenn diese Mitglieder ihre Meinung herausposaunen, wird am nächsten Tag in der Presse breit darüber berichtet. Das bedeutet Reichweite. Reichweite für die sonst eher langweilige Talkshow und eben auch Reichweite für den Typen, der am nächsten Tag pflichtschuldigst seine Polemik relativiert und beteuert, dass das ja alles gar nicht so gemeint war. Obwohl diese Partei von den meisten Menschen abgelehnt wird, wird unfassbar viel über deren Leute geredet. Man kennt den Vorstand besser als die meisten unserer Bundesminister. Diese Partei ist permanent in den Köpfen drin. Das machen die wirklich super, das muss man anerkennen. Jetzt gibt es noch eine kleinere Partei. Eine Partei, die eigentlich nur in einem Bundesland relevant ist. Quasi hat diese Partei noch viel weniger Macht, als die 13 % und von denen sitzen 2 Leute ganz vorne und gründen Heimatministerien oder erfinden Worte wie Asyltourismus.

Ich frage mich ernsthaft: Was ist da passiert? Wie kann es 2018 sein, dass man Menschen in Todesangst als Touristen behandelt oder wie kann es sein, dass man Menschen lieber im Mittelmeer ersaufen lässt, anstatt ihnen zu helfen? Wie kann es sein, dass Antisemitismus wieder ein Thema ist? Ja, angeblich hat man nichts gegen Juden, aber diese Zionisten wären ja so schlimm... Ich verstehe das nicht!

Ich habe im Geschichtsunterricht gelernt, dass ein Land nur deshalb stark sein kann, wenn es die besten Eigenschaften anderer Länder mitnimmt und wenn man zusammen für etwas größeres einsteht. Europa zum Beispiel ist eine super Sache. Wenn man mit Frankreich befreundet ist, muss man das nicht angreifen. Wenn man freundlich zu den Griechen ist, kann man leckeren Ouzo trinken. Wenn man Holländer mag, kann man super mit denen auf Technofestivals gehen. Europa bedeutet Stärke und Freundschaft. Europa bedeutet, menschlich über Landesgrenzen hinweg miteinander umzugehen. Es ist einem Europäer egal, ob du Deutscher, Franzose oder Spanier bist. So sehe ich das.

Abgelehnt
Aylan Kurdi musste sterben, weil endlos lange diskutiert wird

Doch in Deutschland sitzen Menschen, die endlose Diskussionen über Geflüchtete führen. Das schlimmste daran ist, dass es überhaupt gar nicht um die Flüchtlinge geht. Ging es nie. Es geht ausschließlich um Stimmen bei den nächsten Wahlen. Eine Bundespartei bekommt doch gar nicht mit, was in den Bundesländern mit den Flüchtlingen passiert. Die Leute in den Anlaufstellen machen alle einen guten Job. Mal ehrlich: Wer von euch weiß überhaupt genau, wo die Flüchtlinge überall sind? Ich weiß, wo die hier wohnen, aber das ist hier auch alles relativ übersichtlich. Es werden Diskussionen darüber geführt, ob Deutschland Menschen aufnehmen soll, die keine Heimat mehr haben. Es wird darüber diskutiert, dass die Männer doch kriegstauglich sind und ihr Land verteidigen sollen. Ich selbst kann ganz gut mit nem Gewehr umgehen, aber würde ich wirklich jemanden töten wollen? Nur weil einer „fit“ ist, ist er kein John Rambo. Einen Menschen zu töten ist ein extrem traumatisches Erlebnis.

Es wird nicht darüber gesprochen, dass Schiffe viel mehr Feinstaub in die Luft pusten, als Autos. Es wird nicht darüber gesprochen, dass in Krankenhäusern 80.000 Stellen nicht besetzt sind. Es wird nicht darüber gesprochen, dass Hebammen versicherungstechnisch echte Probleme haben, wenn sie selbstständig arbeiten. Stattdessen haben wir Politiker, die ganz unverhohlen von Asyltourismus reden. Fatalerweise sind das nicht mal die ganz rechten Parteien, die man hier als Nazis schon lange so bezeichnet. Nein, Worte wie Asyltourismus kommen aus dem rechts-mittigen Lager und als Demokrat denke ich mir nur, ob die Leute noch alle Latten am Zaun haben.

Deutschland, besinne dich auf deine alten Stärken. Werde wieder zu dem Land, in dem man „Merkel ist doof“ sagen darf und alle nur darüber grinsen. Werde nicht zu dem Land, in dem man „Weidel ist doof“ nicht sagen darf, weil man dann deportiert wird. Danke.

Leider hat hier noch keiner seinen Senf zum Thema abgegeben. Sei du doch der erste. Oder die erste. Oder das letzte.

Kommentare sind hier verboten. Hintergrund: Manche Leute sind zu dämlich, sich im Netz zu benehmen.


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