Bringt den Kindern keine IT mehr bei - jedenfalls nicht so wie jetzt

Bringt den Kindern keine IT mehr bei - jedenfalls nicht so wie jetzt

Gemecker

Die Computer in den meisten Schulen sind relativ aktuelle Workstations, mit denen man mehr als nur ein wenig surfen kann. Es läuft in der Regel ein aktuelles Windows auf den Dingern. PC-Unterricht beschränkt sich in Schulen aber darauf, dass die Kids bestimmte Dinge einfach nur googeln sollen. Danach wird Microsoft Word gestartet und die gesammelten Suchergebnisse werden in einen Bericht geschrieben, der dann eventuell sogar ausgedruckt wird. Vielleicht ist meine Erfahrung auch subjektiv, aber Digital-Unterricht an Schulen sieht meiner Meinung nach genau so aus. Man macht die einfachste aller PC-Aufgaben und nennt das dann Digitalisierung.Es könnte jetzt ein wenig in die Richtung „früher war alles besser“ gehen, daher bitte ich um Nachsicht und falls du das eh nicht lesen willst, kannst du auch hier aufhören.

PC-Unterricht war zu meiner Zeit ganz anders. Als ich mit dem Computer in der Schule das erste mal in Berührung kam, lief auf den 286ern noch MS-DOS und die einzige grafische Benutzeroberfläche, die wir zur Verfügung hatten, war entweder der Norton Commander, Dosshell oder die Bedienoberfläche von Borland C. Alles lief noch auf Textbasis und wenn du deinen Computer dazu bringen wolltest, dass er überhaupt etwas tut, musstest du die Befehle cd und dir kennen. Dann musstest du wissen, was eine exe-Datei ist, bzw. du musstest auch wissen, dass man bat und com-Dateien auch ausführen kann.

Wir wissen alle, dass man heute nur noch auf das Icon klickt und der PC dann das entsprechende Programm startet. Warum das so ist, was ein Programm (neuerdings ja APP genannt) von einer Datei unterscheidet und wieso das Programm überhaupt soviel RAM belegt, wird den Kindern leider nicht mehr beigebracht. Ob man das wissen muss, ist auch wieder eine interessante Frage, die ich allerdings mit Ja beantworten würde. Denn nur, wenn man die internen Prozesse, die so ein Programmstart mit sich bringt, im Ansatz versteht, kann man sich selbst bei Fehlern durch das System wühlen, um Fehler zu beseitigen.

Ihr seht, ich hätte gerne einen IT-Unterricht, der mehr macht, als nur Click, Write and Save. Ich hätte gerne einen IT-Unterricht, bei dem den Kids ein zerschrotteter Browser vorgelegt wird und die Kinder eine Lösung finden müssen, wie man den Browser wieder fit bekommt. Ein guter IT-Unterricht wäre, dass man sich selbst aus dem Web eine Office-Lösung zieht und diese installiert. Perfekt wäre der Unterricht, wenn man auch andere Betriebssysteme wie zum Beispiel Linux mal zeigt. Vor 30 Jahren waren Computerbesicher noch die Ausnahme, da warst du schon der IT-Held, wenn du BASIC konntest:


10 print "Hallo"
20 goto 10

Tatsächlich wäre man auch heute noch der Held, wenn man wenigstens ein bisschen programmieren könnte. Ich halte es zwar auch für falsch, jedem Kind programmieren beibringen zu wollen, aber es wäre nicht verkehrt, wenn jeder Schüler eben nicht nur Anwender wäre. Ein Schüler sollte in der Lage sein, den Code da oben aufgrund von Englischkenntnissen zu verstehen.

Ideen für Experimente für richtigen IT-Unterricht

Ich kann nicht nur meckern und keine besseren Vorschläge haben. Doch die besseren Vorschläge habe ich tatsächlich: Der Computer, das Smartphone oder auch das Tablet sind mittlerweile fast idiotensicher zu bedienen. Was jedoch immer wieder auftritt, ist Mobbing aufgrund von Posts in Sozialen Netzwerken. Den Kindern und leider auch vielen Erwachsenen ist nicht klar, was es heißt, Daten bei WhatsApp oder Facebook zu posten. Facebook weist mittlerweile in der App immer mal wieder darauf hin, dass man seine Privatsphäreeinstellungen prüfen soll, tatsächlich finden sich in den Freundeslisten der Kinder aber eben nicht nur die Freunde aus der Klasse, sondern eben auch die Typen, die das eigene Kind aus der Klasse beschissen findet. Denn Likes bedeuten Belohnung. Je größer der Freundeskreis bei Facebook ist, desto größer ist die Chance, ein Like zu bekommen. Doch, wenn man dann einen Post absetzt und zum Beispiel einen wirklich dummen Rechtschreibfehler drin hat, stürzt sich der Mob auf das Opfer.

In diesem Zusammenhang sollte Schülern auch ganz klar vermittelt werden, wie man zum Beispiel Fakeprofile aufdeckt oder wie man Fakenews von echten Nachrichten unterscheiden kann.

Die Idee ist also, dass der Computer-Unterricht den Computer einfach mal Computer sein lässt. Schüler müssen Medienkompetenz lernen. Sie müssen lernen, welche Konsequenzen ein Facebook-Post oder ein Instagram-Foto haben können. Sie müssen lernen, dass Sexting über WhatsApp das Risiko birgt, dass das eigene Nacktbild irgendwie auf einmal öffentlich bei einem Bildhoster landen könnte. Experimente können helfen, wirklich mal auf die Privatsphäre zu achten. Social Engineering sollte Pflicht für alle Dozenten und Pädagogen sein. Ein Lehrer sollte seinen Schüler nach dem Handy fragen und ganz nebenbei nach dem Passwort fragen. Die Handynummer des Schülers bekommt der Lehrer, wenn er so tut, als müsste er die Zeitansage anrufen, aber sich selbst auf dem Handy (was stumm ist) aufruft. Anschließend gibt der Lehrer das Handy zurück und sagt: „Ich habe jetzt dein Passwort, deinen Google-Accountnamen und deine Telefonnummer. Ich könnte nun ein neues Passwort vergeben und dich aus deinem eigenen Smartphone aussperren.“.

Was man auch im Unterricht vermitteln sollte: Lade dein Handy nicht einfach irgendwo auf. Das Experiment könnte in etwa so aussehen: Der Lehrer stellt an die Tür einen USB-Hub mit zig Anschlüssen an den Eingang und erlaubt das Aufladen der Handys. Der Hub selbst ist mit einem Rechner verbunden. Anschließend wird normal Unterricht gemacht. Auf dem Beamer könnte man nun demonstrieren, dass man ein weiteres Handy anschließt, den Dateimanager am PC öffnet und sich durch die Fotos auf diesem Handy durchhangelt. Anschließend erläutert man, dass man in wenigen Sekunden alle Fotos kopieren könnte.

Die Risiken eines offenen WLAN sollten für die Kids auch aufgezeigt werden. Man könnte hier zum Beispiel einen Access-Point aufsetzen und am Bildschirm über Network-Monitor und Wireshark zeigen, was ohne SSL-Verschlüsselung eigentlich so im Web übertragen wird. Da jedes Smartphone über DHCP eine IP-Adresse bekommt, kann man hier die üblichen Dinge durchführen, die in einem privaten Netzwerk möglich sind. Das gleiche gilt für Bluetooth-Verbindungen. Man kann ziemlich simpel Daten von diesen Geräten herunterladen.

Fazit

Im Grunde finde ich es albern, Kids heute noch programmieren beibringen zu wollen. Die Coder, die ich beruflich und privat kenne, sind Autodidakten und konnten auch während der Schulzeit schon einigermaßen gut programmieren. Die Tragweite, die ein unbedachter Post in sozialen Netzwerken hat, ist vielen Kids heute aber gar nicht bewußt. Und da sollten Schulen definitiv eingreifen.


Getagged unter: Politik, eltern,

Kommentare


Moin,
daher ja das „eigene Handy“, dass zu den anderen Handys dazu gepackt wird. Bei der Passwort-Abfrage würde ein Lehrer zu weit gehe, da stimme ich zu :)
Meine Kinder haben aber eher Pech, weil ich Sperr-Apps auf den Tablets installiert habe und auf den PCs ausschließlich Linux installiert ist ;)

Also ich sehe es ähnlich wie Du. Für das Auto braucht man einen Führerschein und in der Fahrschule bekommt man das nötigste beigebracht. Nur in der neuen Digitalen Welt bekommt man ein Gerät in die Hand gedrückt, dass einfach gestrickt ist und wo jeder Dummy sich etwas ansehen, durchlesen oder kommentieren kann. Welche Risiken damit verbunden sind, wird nicht aufgezeigt.
Aber man darf auch nicht so plump wie oben an die Sache rangehen, denn auch die Kinder haben persöhnlichkeitsrechte und die muss auch ein Lehrer beachten. Aber ansonsten bin ich bei Dir. Die Schule braucht IT Unterricht.
Deine Kids haben Glück, dass du Dich verdammt gut auskennst, aber viele Eltern wissen ja noch nicht mal wie man Gefahren im Internet umgehen kann.

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