Das Internet ist kein rechtsfreier Raum

Artikel 13 ist derzeit ja in aller Munde. Ich fand diese Geschichte um den Uploadfilter und das Leistungsschutzrecht insgesamt weniger tragisch, als mir diverse Youtuber weismachen wollten. Ich war eine Zeit lang sogar der festen Meinung, dass das für mich als Kunstschaffenden eine tolle Sache ist. Allerdings habe ich mir dann überlegt, dass es letztendlich alles nur noch viel komplizierter macht. Warum ich das so sehe, schreibe ich jetzt mal.

Content-ID bzw. künstliche Intelligenzfilter

Ich bin selbst ein Opfer eines K.I.-Filters gewesen. Ein Song von mir namens „Inverted Dreams“ wurde bei einem großen Musikportal nach einer Weile entfernt. Angeblich klang mein kleines Machwerk, wie ein Song von Paul van Dyk. Weil ich Paule als Künstler sehr schätze, halte ich keinen meiner Songs für nur ansatzweise so gut, wie das Zeugs von mir. Daher hatte ich mich auch mit den Leuten bei dem großen Soundportal angelegt und sie darauf hingewiesen, dass sämtliche Ähnlichkeiten nur Zufall sein können. Klar: Zu der Zeit haben alle angefangen, reFX Nexus als Plugin zu verwenden. Ich ja auch. Daher klangen eine Weile lang, viele Trance/EDM-Sachen gleich. So wie jetzt alles nach Sylenth klingt.

Für mich war das ziemlich bescheuert, weil ich natürlich gar nicht die Zeit und erst Recht nicht die Geduld habe, mein Urheberrecht nachzuweisen. Das fatalste daran ist, dass ich gar nicht die Reichweite von diversen Youtubern habe.

This Person does not exist
Generiert durch AI. Check it

Künstliche Intelligenzen können Fotos manipulieren, sie können auch einparken. Künstliche Intelligenzen sind sogar hilfreich in der Krebsforschung. Aber ich glaube nicht, dass K.I. in der Lage ist, das Original eines Songs von einem Cover zu unterscheiden. Unabhängig davon kommt es wahnsinnig oft vor, dass die Coverversion eines Song viel erfolgreicher ist, als das eigentliche Original.

Totschlagargument - wenn sonst nichts mehr geht

Die Youtuber um LeFloid und Pietsmiet hauen Videos raus, sie besuchen die Regierung und es werden knapp 5 Millionen Unterschriften gesammelt. Aus der Regierungsecke kam jetzt aber, dass die „Regeln der digitalen Welt auch in der realen Welt“ gelten sollen. Ich werde an dieser Stelle selbst wütend. Das Internet ist nichts anderes, als die reale Welt. Das Internet gehört zu unserer Gesellschaft, wie die Zeitung, wie das Fernsehen und wie unser Toaster. Wenn eine Zeitung bewusst lügt, gibt es den Presserat, der das rügt. Im Web gilt dasselbe. Ich habe mit Konsequenzen zu rechnen, selbst wenn ich mit meinen paar tausend Visits/Monat Lügen erzähle.

Mich kotzt an, wenn Merkel und Co so tun, als wäre das Web irgendwas abstraktes. Das Internet war nie rechtsfrei und nur, weil man irgendwas sinnfreies mit dem Urheberrecht macht, wird das Netz nicht besser. Konsequenterweise müsste man dann auch jedes Plakat jeder Diskothek sühnen, weil die irgendwelche Stockfotos irgendwo hin pappen und / oder die Party „Guardians Party“ nennen, obwohl Marvel der Urheber ist.

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Setzen Sechs - Schule ist total am Thema vorbei Eure Meinung interessiert Hollywood nicht Das Internet ist kein rechtsfreier Raum Kannst du heute eigentlich noch was schreiben ohne wen zu triggern Was bedeutet Artikel 13 fuer Blogger 30 Jahre WWW - 17 Jahre Trancefish - und ein kurzer Blick auf andere
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