Das TV-Duell hat den Waehler noch mehr verwirrt

Das TV-Duell hat den Waehler noch mehr verwirrt

Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe wider besseren Wissens das TV-Duell zwischen Angie und Maddin geguckt und natürlich bin ich jetzt enttäuscht, sauer und richtig mies auf beide zu sprechen. Aber nein, das wäre viel zu einfach. Hier mal meine Analyse des TV-Duells.

Rhetorik

Bei Angela merkt man ja bei ihrer Quasselei immer wieder, dass es ihr Spaß macht, zu reden. Ich finde, sie lächelt immer innerlich und freut sich, dass ihr mal jemand zuhört. Richtig gut fand ich, dass sie keinen Gott neben sich duldet, die Moderatoren wurden abgewürgt, weil Frau Merkel immer dann laut wurde, wenn jemand ihre Rede über-reden wollte. Das lässt die Mutti nicht mit sich machen und beendet ihren Satz einfach entsprechend lauter. 

Martin Schulz hatte ich vor dem Duell noch nie reden gehört. Ich wusste nur von Twitter, dass Martin gerne mal Machinenbauer anchtatt Maschinenbauer sagt. Sein ge-chistes Schhhh ist ja immer mal wieder Ziel von Spott. Mir ist das so gar nicht aufgefallen, erst als ich ihm genauer zugehört habe. Das war ja auch nicht besonders chwer, äh, schwer. Martin redete ziemlich langsam, mit vielen unnötigen Kunstpausen und irgendwie wirkte vieles ein wenig auswendig gelernt. Aber das was er sagte, war meistens okay und oft leider auch ziemlicher Quatsch. 

Das galt übrigens auch für das Geschwafel der Mutti

Das Moderatorenteam

Bereits vor der Veranstaltung wurde in meiner Filterblase kritisiert, dass Claus Strunz bei der Party mitspielen darf. Denn Strunz würde polarisieren, und letztendlich hat er ja auch polarisiert. Sandra Maischberger, Maibritt Illner und Peter Klöppel waren die anderen Moderatoren und letztendlich haben auch alle „Haussender“ Gryffindor (Maischberger), Hufflepuff (Klöppel), Slytherin (Strunz) und Ravenclaw (Illner) die gesamte Sendung live übertragen, sodass wir gar keine Chance hatten, etwas anderes zu sehen. 

Geglänzt haben leider nur die Vertreter der öffentlich-rechtlichen Sender, während die Vertreter der privaten Sender entweder zu sehr auf Kuschelkurs waren oder eben subversive Fragestellungen verwendeten. Wie gesagt, bei einem Typ, der mal bei der BamS Chefredakteur war, habe ich nie etwas anderes erwartet. Für mich ist spätestens jetzt klar, dass der Rundfunkbeitrag eine gute Sache ist, denn offensichtlich wird hier noch Journalismus betrieben.

Die Fragestellungen

Es hätte alles so schön sein können. Schulz und Merkel hätten über die Punkte debattieren können, bei denen sich die SPD und die CDU nicht einig sind. Doch leider kam es nie soweit. Claus Strunz als undercover-Version von Gauland stellte Fragen zur Flüchtlingspolitik und benutzte dafür falsche Zahlen. Er behauptete, dass hier 226.000 ausreisepflichtige Menschen sind. Kompletter Unfug, denn die eigentliche Zahl der ausreisepflichtigen Menschen liegt bei ca. 67.000 Menschen. Der Rest wird geduldet [1]. Außerdem wurde Strunz wirklich polemisch und fragte direkt „wann sind die endlich WEG?!?!?“. Selbst ich als Hobbyjournalist weiß, dass man als Herold der Wahrheit diese Art der Stimmungsmache einfach nicht so machen darf. 

Es gingen aufgrund der Flüchtlingsthematik und des Umgangs mit Despoten aus dem Ausland viele wirklich deutschlandrelevante Themen komplett unter. Man muss schon ziemlich bescheuert sein, wenn man glaubt, dass Merkel und Schulz sich darüber streiten, ob man Flüchtlinge ins zerbröselte Syrien zurück schicken soll. Beides sind keine Unmenschen und beide sind sich darüber einig, dass man die Situation fall- und tagesaktuell bewerten muss. 

Wo waren die wichtigen Themen?

Wichtige Themen gingen wirklich komplett unter. Was ist denn mit unserer Bildungspolitik? Wie sorgt Deutschland dafür, dass wir als Land ohne industrielle Grundstoffe aber mit einem hohen Bildungsniveau, unser Level halten oder gar verbessern können? Wie soll Deutschland dafür sorgen, dass unsere Studenten mit aktuellem Material studieren können und unsere Kinder nicht in Schulen sitzen, die seit 200 Jahren baufällig sind?  Wie will eine zukünftige Regierung sicherstellen, dass unsere Kinder politisch interessiert bleiben und nicht auf Blender hereinfallen? 

Es wurde nicht gefragt, wieso in Deutschland mit geschönten Arbeitslosenzahlen gearbeitet wird. Minijobs sind zwar auch Jobs und man fällt aus der Arbeitslosenstatistik raus. Aber von Minijobs kann man nicht leben. Man kann selbst von normalen Vollzeitjobs heute eher schlecht als Recht leben. 

Fazit

Das TV-Duell war albern. Wer unschlüssig war, wen von beiden er nun wählen will, weiß es jetzt noch viel weniger. Keiner der beiden konnte genug Profil zeigen und die beiden waren so harmonisch fast immer einer Meinung, dass man versucht war, ihnen ein Hotelzimmer zu mieten, romantische Musik aufzulegen und die Dinge einfach passieren zu lassen. Die Fragestellungen hätten niemals so subversiv sein dürfen. Die Moderatoren untereinander hätten sich bremsen müssen, aber es ging hier ja um ein Kanzlerduell und nicht um ein Moderatorenduell. 

Die Nichtwähler wurden jedoch in ihrer Meinung verstärkt, dass sich nichts ändern oder verbessern wird. Zumindest kommt das bei mir so rüber.

Fussnoten

[1] vgl. Spiegel / Einwander und Flüchtlinge.


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