Warum ist man ein Rassist

Warum ist man ein Rassist

Ich schaue mich in Deutschland um. Ach was, ich schaue mich in der ganzen Welt um und was ich sehe, ist ein erstarken des Rassismus. Dabei trauen sich die Rassisten immer lauter den Mund aufzumachen und ihre braune Scheisse in die Welt hinaus zu posaunen. Als ich ein Jugendlicher war, gab es keine Menschen, die „Negerkind“ zu einem dunkelhäutigen kleinen Jungen gesagt haben. Genau so war es in meiner Kindheit völlig egal, ob einer Moslem oder Christ war. Juden - die waren interessant, weil ich im Geschichtsunterricht gelernt habe, dass der Holocaust das Ziel hatte, diesen Glauben auszurotten.

In der Schule sah ich „Schindlers Liste“ oder auch „das Leben ist schön“ und mich hat der Umgang der Nazis mit den Menschen wirklich auf's tiefste schockiert. Ich konnte damals nicht begreifen, wie man kleine Kinder an ein Loch stellen konnte und es dann erschoß. Wenn das Kind dann auch noch Glück hatte, war es beim Fall in die Grube schon tot, meistens war der Schuss aber nicht tödlich. Ich kann das auch heute nicht begreifen. Das Kind weiß nicht, warum es erschossen werden soll und selbst, wenn man vom Glauben spricht, ist das so abstrakt, dass man auch als Erwachsener keinen Sinn darin sieht.

Für mich war klar, dass solche Zeiten nie wieder kommen dürfen. Man darf Menschen nicht wegen ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe diskriminieren oder sogar töten. Wir sind alle Menschen auf diesen Planeten und einige glauben an Jesus und den Quatsch und andere finden Mohammed toll. Ebenso sprechen einige Menschen hochdeutsch und andere schnacken platt. Oder Arabisch.

Seit ungefähr 5 Jahren passiert aber in der ganzen Welt etwas sehr beunruhigendes. Es ist wieder salonfähig, wenn man Mahnmale als Denkmal der Schande bezeichnet und offensichtlich haben immer weniger Menschen ein Problem damit, andere Menschen im Mittelmeer ersaufen zu lassen. Es ist auch so, dass die mittlerweile erlaubte Homo-Ehe von diversen rechten Gruppierungen angezweifelt und sogar angefochten wird. Jede einzelne Meldung über Hilfe für Seenotretter wird mit Hass überflutet. Wenn eine Politikerin einen Politiker darauf aufmerksam macht, dass seine Schweigeminute nicht im Tagesprotokoll angekündigt wurde, erhält diese Frau soviel Hass und Drohungen, dass man über Polizeischutz nachdenken muss. Die Briten wollen aus der EU austreten, in Österreich arbeiten die Konservativen mit den Rechten zusammen und Innenminister betrachten Präsidenten als Freunde, die Flüchtlinge in Lager stecken.

Ich werde bei Twitter-Diskussionen oder auch bei Facebook immer wieder als Gutmensch bezeichnet, weil ich gegen den Hass bin und weil ich logische Argumente nenne, dass ein Flüchtling eben NICHT 4000 Euro kriegt oder uns die Arbeit wegnimmt. Ich bin kein Gutmensch. Ich kenne die Zahlen, ich informiere mich in diesem Internet. Dafür wird mir dann vorgeworfen, dass ich ja nur Fakenews lesen würde und das eigentlich jeder Flüchtling ein Vergewaltiger wäre. Ich möchte dann schreien und dem Autor dieses Blödsinns in die Fresse hauen, denn es ist eben nicht jeder Flüchtling ein Vergewaltiger.

Die Fakten werden aber komplett ignoriert. Wenn man einem Anhänger der rechts-konservativen Parteien die Fakten nennt, wird man direkt persönlich beleidigt oder sogar bedroht, doch das ist alles nicht so schlimm. Wenn Fakten vergewaltigt werden, wird es richtig, richtig übel. Jeder normaldenkende Mensch weiß, dass es nicht okay ist, Kinder im Mittelmeer ertrinken zu lassen. Doch wenn man darauf hinweist, kommen meistens solche Antworten:

IrgendEinRechterTyp ❌ #QFD:  Die haben ihre Kinder doch selbst in Gefahr gebracht. Warum verteidigen die Männer ihr Land nicht?

Da kannst du auch nicht direkt drauf antworten, das ist richtig hoffnungslos. Es funktioniert nicht. Die Argumentation, dass die Reise weniger gefährlich ist, als im Land zu bleiben, verstehen diese Menschen nicht. Ich weiß ja nicht, wie das bei euch ist: Ich habe zwar Wehrdienst gemacht und auch mal eine Waffe abgefeuert, aber würde ich deshalb einen Menschen erschießen? Eher nicht. Und so geht's den meisten Flüchtlingen auch. Die wollen dem Tod entkommen und nicht selbst für Tote sorgen. Das rote X nutzen die Rechten übrigens, um sich selbst zu kennzeichnen, aus Solidarität und es wird sogar mit dem Davidstern verglichen, weil man als Rechter ja ein Opfer ist, das von uns linken Zecken fertig gemacht wird.

Aber gut - ich schweife mal wieder ab. Meine Herausforderung ist, dass ich wirklich versuche, zu verstehen, warum man in Kauf nimmt, dass Häuser angezündet werden oder warum man auf den Straßen Leute zusammeschlägt, deren „Fehler“ die Hautfarbe ist. Ich versuche zu verstehen, warum diese Leute so unfassbar stolz auf ihr Vaterland sind. Die Leistung von Deutschland sind 2 verlorene Weltkriege und die dadurch resultierende, funktionierende Demokratie. Deutschland ist so gut, weil es eben diesen dämlichen Vaterlandsstolz nicht mehr hat. In Deutschland haben wir gelernt, demütig zu sein. Rassisten führen auch immer irgendwelche Kämpfe gegen eine nicht vorhandene Unterdrückung. Sie wollen sich immer gegen etwas wehren und zur Not auch mit Waffengewalt bekämpfen.

Ich kann es nicht. Ich kann es nicht nachvollziehen, selbst wenn ich wollte. Rassisten sind nicht die Rebellen aus Star Wars. Egal, wie man es dreht, die Merkel-Regierung ist nicht das Imperium, das bekämpft werden muss. Unsere Presse ist frei und bringt kaum Lügen ins Netz, bis auf eine einzige große Tageszeitung, die einerseits die Seenotretter kritisiert, andererseits das Retten in Thailand aber total knorke findet.

Tatsächlich bin ich noch nie von einem Ausländer bedroht worden. Noch nie. Absolut nicht. Wer mir regelmässig droht, ist meistens das, was man als deutschen Patrioten bezeichnet.

Leider hat hier noch keiner seinen Senf zum Thema abgegeben. Sei du doch der erste. Oder die erste. Oder das letzte.

Kommentare sind hier verboten. Hintergrund: Manche Leute sind zu dämlich, sich im Netz zu benehmen.


Über...

Diese Website nutzt Cookies. Wofür genau, steht hier: Zum Thema Cookies und natürlich in der Datenschutzerklärung. Hab ich verstanden