Wieso das Thema Rassismus so schwierig ist

Wieso das Thema Rassismus so schwierig ist

Wer profitiert davon, dass wir Menschen anderer Kulturen nicht akzeptieren können? Wer hat etwas davon, dass man gegen Moslems hetzt? Wer hat etwas davon, dass immer mal wieder gegen die Juden gelästert wird? Warum ist es so schwer, den Lebenswandel von Sinti und Roma zu tolerieren? Wieso werden Männer angefeindet, die Männer lieben? Warum ist es so schwer zu begreifen, dass wir alle gleich viel wert sind?

Wiktionary sagt dazu: Rassismus: Lehre zur Rechtfertigung von Diskriminierung, nach der bestimmte Völker oder Volksgruppen anderen generell überlegen seien

Wir sind alle gleich. Wir haben eine Nase, fünf Finger an jeder Hand. Unser Blut ist rot und es ist dem Blut egal, wem es gespendet wird, wenn die Blutgruppe stimmt. Das einzige, was uns voneinander unterscheidet, ist die Farbe unserer Haut, unserer Augen, unserer Haare. Doch selbst unter uns weissen gibt es verschiedene Haarfarben: Blond, schwarz, braun, grau, rot. Unsere Augenfarbe variiert zwischen blau, braun, grün und den Mischformen daraus. Einige von uns haben auch gar keine Haare oder sind Albinos, also weißer als andere. Damit sind wir im Grunde nichts anderes, als ein lackiertes Auto. Der eine Wagen ist schwarz, der andere rot, der dritte gelb und der vierte Wagen ist weiß. Mit Xenonscheinwerfern oder mit normalen Leuchtmitteln. Das Auto fährt mal schneller, mal langsamer. Doch es hat vier Reifen und einen Motor.

Ich stelle jetzt die folgende Behauptung auf: „Wenn es nicht unsere Hautfarbe wäre, dann würden wir uns wegen unserer Haare bekriegen!“

Warum fällt es einigen von uns so schwer, unsere Unterschiede zu feiern, anstatt sie zu verurteilen? Wieso guckt ein hellhäutiger Mann einen orientalisch aussehenden Typen immer seltsam an? Woher kommt das? Wenn man in Kindergärten oder Kitas guckt, spielen die Kinder miteinander. Sie spielen ohne Sprachbarrieren zu beachten oder ohne darauf zu achten, ob der Spielkamerad nun dunkle Haut hat oder helle. Wenn man ein Kindergartenkind fragt, ob es in der Gruppe Ausländer gibt, schaut das Kind einen verständnislos an und sagt, dass dort lediglich Kinder spielen. Von Ausländern versteht das Kind nichts. Es ist dem Kind auch scheissegal. Und auch, wenn das Mädchen aus Syrien kommt und der Junge aus Bayern, spielen die Kids miteinander, obwohl keiner von beiden versteht, was der andere eigentlich erzählt.

Ich habe die Überschrift gewählt, dass jeder von uns irgendwo ein Rassist ist. Denn Rassismus ist die Lehre zur Rechtfertigung von Diskriminierung. Und jetzt kommt der Teil, der echt ungemütlich ist: Wenn wir uns über die fetten, amerikanischen KKK-Nazis aus dem Fernsehen lustig machen oder Fotos von verwirrten Glatzköpfen mit „Arbeit-macht-Frei“-Tattoos auf dem Rücken mit bissigen Kommentaren versehen, dann sind wir Rassisten. Denn wir fühlen uns diesen Leuten überlegen.

Natürlich dürfen wir deren Standpunkte nicht unterstützen. Gewalt gegen Ausländer kann nicht gut sein. Gewalt gegen Skinheads, auch verbale Gewalt, ist aber auch nicht der richtige Weg. Wenn man Nazi-Aussteiger fragt, wie sie sich als Nazis gefühlt haben, kriegt man immer dieselbe Antwort: „Ich wurde akzeptiert und war Teil einer Gruppe“. Der Mensch ist ein Herdentier. Wir brauchen andere Menschen und am Einfachsten können wir uns Gruppen anschließen, die unsere Ideologien teilen. Daher hängen Raver mit Ravern rum und Hiphopper mit Hiphoppern.

Es ist mir ein Anliegen, dass ich Rassismus nicht relativieren möchte. Ich möchte auch nicht, dass man Rassisten einfach nur toleriert.

Wir müssen einen Punkt erreichen, in dem wir uns nicht mehr über die Äußerlichkeiten oder Schwächen des anderen lustig machen. Wenn ein Glatzkopf mit 88er-Logo auf dem Thor-Steinar-Pullover ohne ein heiles Gebiss im Mund sinnloses Nazizeug zitiert, dann ist das etwas, woran er wirklich glaubt. Es ist seine Sicht der Dinge auf die Welt. Dabei können wir nicht dagegen anreden und mit Argumenten kommen. Das sieht man bei den Anhängern von Trump im Moment extrem deutlich. Alle Fakten sprechen dafür, dass das Nazi-Gelaber falsch ist. Doch die eigene Verbohrtheit verschiebt die Sicht auf die Dinge.

Doch was kann man tun? Wie kann man Rassismus eindämmen? Wenn ich das wüßte, würde ich es nicht im Blog veröffentlichen, sondern diese Idee gewinnbringend verkaufen. Das ist jawohl klar.

Rassismus ist überall vorhanden. In den Medien wird ständig über Übergriffe berichtet und selbst im Büro wird mal der ein oder andere Witz erzählt, der durchaus grenzwertig ist. Diese Tatsache muss man einfach akzeptieren, denn zwischen „Ich lache mit jemandem über seine Schwäche“ und „Ich lache über jemandem über seine Schwäche“ ist das ein Tanz auf Messers Schneide. Daher denke ich, dass die Leute ihre Weltanschauung doch einfach nur für sich behalten sollten. Wenn sie meinen, jemand anderen überlegen zu sein, dann sollen sie das doch meinen und uns anderen damit nicht auf die Eier gehen. Wenn man Schwule doof findet und deren Sexualität widernatürlich findet, dann lass sie doch einfach in Ruhe und hänge mit Leuten herum, deren Sexualität du akzeptieren kannst.

Das heißt eben nicht, dass wir Tolerant durch Ignoranz sind. Es heißt einfach nur, dass man sich eventuell denken kann, dass man jemanden scheisse findet und meint, evolutionstechnisch über dem zu stehen. Man sagt es ihm aber nicht. Man sucht sich auch keine Leute, mit denen man zusammen über jemand anderen herzieht.

Für diejenigen, die gerne taktische Pläne machen, ist das interessant. Man kann ja analysieren, was der oder diejenige tatsächlich tut, was meine Welt bedroht. Wie beeinflusst der syrische Flüchtling mein Leben? Tut er das überhaupt? Wenn man Interesse am Leben anderer Menschen zeigt, also wirklich wissen will, wie die Leute ticken, kann das das Verständnis für diese Leute vergrößern. Also interessiert euch doch mal für eure Mitmenschen. Das hilft.


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