Wir sind die Kroenung der Geschichte

Wir sind die Kroenung der Geschichte

Wir wissen alle, dass es den Klimawandel gibt. Wir wissen alle, dass unsere Waffen im Ausland gekauft werden und gegen Frauen und Kinder eingesetzt werden. Wir wissen alle, dass unser Kaffee nur so günstig ist, weil der Pflücker auf der Plantage im Monat das verdient, was hier eine Putzfrau pro Stunde erhält. Wir wissen auch, dass die Putzfrau von diesem Geld allein nicht leben kann und deshalb noch woanders putzt. Wir wissen, dass sie zu keiner Zeit soviel verdient, dass sie irgendwann eine Aussicht auf eine Rente hätte.

Wir wissen, dass unsere Ölvorräte vielleicht noch 20 Jahre reichen. Wir diskutieren nicht darüber, ob Windkraftwerke unsere Stromversorgung sicher stellen können, sondern darüber, ob diese Windräder hässlicher in der Landschaft aussehen, als Atommeiler oder Kohlekraftwerke. Wir diskutieren darüber, ob Diesel uns tötet. Wir lassen uns auf Deals mit der Industrie ein, obwohl wir wissen, dass diese Unternehmen so viel Geld haben, dass sie innerhalb der nächsten 5 Jahre definitiv ein schadstofffreies Auto bauen könnten. Die finanziellen Reserven würden für die Forschung nur komplett aufgebraucht werden und die Unternehmen müssten von vorne anfangen.

Windräder Photo by Karsten Würth (@inf1783) on Unsplash

Wir wissen, dass wir unsere Kinder zu verweichlichten, unselbstständigen Menschen erziehen. Wir wollen dies nicht, doch wenn wir unseren Kindern Freiraum geben wollen, beschweren sich andere darüber und sagen, dass wir unsere Aufsichtspflicht verletzen würden. Daher bringen wir unsere Kinder überall hin. Mit dem Auto.

Wir wissen, dass Sport uns gut tut und dass Alkohol und Zucker böse ist. Deswegen machen einige von uns Sport. Um sich das Recht zu verdienen, nach dem Sport eine zu rauchen oder ein Bierchen extra zu zischen. Wir wissen, dass Fastfood uns umbringen wird. Wir wissen, dass ein Hamburger weniger Fleisch enthält, als ein Gummibärchen und trotzdem essen wir sowohl den Burger als auch das Bärchen. Wir wissen, dass wir uns zu wenig bewegen und lachen über Menschen, die nichts anderes können, als „im Fernsehen zu sein“.

Wir haben akzeptiert, dass das Fernsehen uns verblödet. Wir lachen, wenn wir merken, dass diese Promis selbst unter ihrem Ruf leiden und wir freuen uns diebisch, wenn diese Menschen nie wieder auf den Boden der Realität zurückkommen. Wir lachen über unsympathische TV-Anwältinnen und wundern uns ernsthaft, wie sie an solche Männer geraten. Wir lachen über diese Gestalten, die wirklich einfach nur existieren, um zu existieren.

Wir reden von Work-Life-Balance und in unseren Startups kippen die jungen Mitarbeiter reihenweise aus den Latschen. Wer nicht mindestens 60 Stunden die Woche arbeitet, ist ein Loser. Unsere Großeltern haben noch für die 40 Stunden gekämpft. Wir könnten mit unseren Kindern etwas unternehmen, doch drücken wir Ihnen die Tablets in die Hand.

Wir diskutieren im Internet und verweisen auf Quellen, die sich das alles nur ausgedacht haben. Das tun aber nicht nur wir, das tun auch die seriösen Quellen, die oft genug aber auch irgendwo anders abschreiben.

Wir glauben an chemische Bestäubung unserer Bürger durch die Regierungen. Wir glauben, dass man Babies vegan ernähren darf. Wir glauben, dass wir unseren verdammten Hund vegan ernähren dürfen. Wir glauben daran, dass uns Traubenzucker mit 0.0000001 % Heilkräuter gegen Krebs immunisiert, während wir die Impfung unserer Kinder verabscheuen und in Foren behaupten, dass die Kinder doch durch die Impfungen erst krank werden. Wir glauben nicht, dass es Mumps und Kinderlähmung wirklich gibt.

Wir sind die höchstentwickelte Lebensform auf diesem Planeten, bestrafen uns aber gegenseitig mit Tod und Folter, weil jemand unseren Gott beleidigt, den wir nie gesehen haben. Wir sind in der Lage, Atome kontrolliert durch Gänge zu pusten. Wir können unseren Planeten verlassen, um mit dem Fallschirm wieder auf ihm zu landen. Wir können Autos bauen, die uns überall autonom hinbringen können, doch eine Rettungsgasse können wir nicht. Wir haben ein globales Netzwerk erschaffen, um uns das gesamte Wissen der Menschheit auf den Bildschirm zu holen, doch wir vertrauen treudoof unseren Regierungen, die uns dieses Wissen versperren, sei es durch eine Firewall oder durch die Lobbyarbeit mit Telekommunikationskonzernen, die das Internet künstlich „teuer“ machen.

Wir diskutieren endlos lange darüber, ob ein Mann einen Mann ficken darf. Oder ob eine Frau mit einer Frau ficken darf. Wir diskutieren darüber, weil unser Weltbild dazu nicht passt. Männer und Männer dürfen nicht zusammen sein. Es ist aber kein Problem für uns, wenn der Mann seiner Frau die Fresse poliert oder wenn sowohl Mann als auch Frau das neugeborene Baby in der Toilette ersaufen. Wir sind dann kurz schockiert und freuen uns, dass der Kaffee schon wieder billiger geworden ist.

Wir streiten uns darüber, welche Menschen wir aufnehmen wollen, obwohl diese Menschen nichts weiter wollen, als zu überleben. Wir behaupten, unser Land hat keinen Platz mehr und beschweren uns gleichzeitig über die vielen brach stehenden Äcker in unserer Region.

Wir beschweren uns über Massentierhaltung und finden die Preise im Supermarkt zu hoch.

Wir wollen ewig leben, doch einige von uns können sich nicht einmal eine Aspirin verschreiben lassen. Wir sind auch nicht diejenigen, die für ihre Ziele kämpfen. Einige von uns demonstrieren gegen die Ungerechtigkeit. Doch leider sind das nicht alle und je mehr Leute wirklich ernsthaft gegen etwas demonstrieren, desto größer erscheint die Chance, sich zu prügeln.

Das sind wir. Die Menschen des Jahres zweitausendsiebzehn. Die Krönung dessen, was an Säugetieren hier herumläuft. Wir sind nicht zu denen geworden, zu denen Gene Roddenberry uns in Star Trek machen wollte. Wir sind keine verständnisvolle, diplomatische Gesellschaft geworden. Wir müssen wohl erst warten, bis wir den Warpantrieb haben oder bis uns die Vulkanier besuchen. Vorher werden wir uns nicht ändern. Auf mich wirkt die Menschheit so, als würde sie auf etwas Größeres warten. Auf eine Erscheinung, die uns ganz klar sagt, was wir machen müssen und wie wir das machen müssen. Doch so eine Erscheinung wird es nicht geben. Es wird kein „Gott“ auf uns herabblicken und uns erzählen, dass es den Klimawandel wirklich gibt und wie wir dagegen ankommen.


Getagged unter: Dystopie, Politik,

Kommentare


„Gott sei Dank“ (pun intended) hat das Posting nie die Intention, irgend etwas zu ändern. Bei all der Schwarzmalerei da oben darf man auch nicht vergessen, dass die Menschen es geschafft haben, immer noch zu existieren. Trotz Kriegen. Trotz Eiszeit. Das lässt irgendwie dann doch hoffen, dass die Menschen gemeinsame Lösungen für die Probleme finden werden.

Doch es wird einen "Gott" geben, der uns vom Klimawandel erzählt, und das ist die Realität selber: Die Leute werden sich wundern, wie schnell der Meeresspiegel um 60 Meter ansteigen kann, und das man dann sowieso nicht mehr um die Fußgängerzone mit dem Auto fahren kann. Aber warum sollte das irgendwas an der Menschheit ändern ?
Unterstütze mich:

Willst Du meine Arbeit unterstützen? Sehr schön. Dann rufe doch die folgende Seite auf:
Support Trancefish!

Mixcloud:
Anzeige:
login