Zu Kevin Spacey

Zu Kevin Spacey

84 Filme oder Serien als Hauptdarsteller. Vom sympathischen Loser über den psychotischen Serienkiller bis hin zum gewissenlosen Politiker: Kevin Spacey ist ein Schauspielgott. Er hat es geschaft, eine Figur wie „PROT“ absolut glaubwürdig zu spielen. In „Superman Returns“ war er das einzige Highlight und seine selbstironische Darstellung als Dr. Evil in „Austin Powers“ war charismatisch. Kevin Spacey ist ein begnadeter Schauspieler und Redner. Seine glühend heißen Reden zum Thema Streaming sind legendär und er hat tatsächlich das Konzept „Streaming“ komplett verinnerlicht.

Jeder kennt die Rollen von Kevin Spacey, jeder kennt sein Gesicht und fast jeder findet die schauspielerische Leistung beachtlich. Doch Spacey hat sein Privatleben komplett abgeschirmt. Während man bis letzte Woche noch dachte, dass er - verständlicherweise - Wert darauf legt, unerkannt zu bleiben, ist die Wahrheit umso schockierender. Kevin Spacey ist laut diverser Vorwürfe wohl nicht der umgängliche Typ, den man vermuten würde. In der Öffentlichkeit hat Kevin Spacey bisher immer den Typen gegeben, der trotz seines Ruhmes total auf Understatement ist. Doch leider hat Spacey seine Macht wohl ähnlich genutzt, wie Harvey Weinstein. Kevin Spacey wurde zuerst vorgeworfen, sich an einen damals 14-jährigen Jungen rangeschmissen zu haben. Inzwischen haben sich mehr junge Männer geoutet: Spacey zeigte ungefragt seinen Penis, hat Leuten in den Arsch gegriffen und wohl auch öfters versucht, sich Typen zu nehmen.

Natürlich gilt immer die Unschuldsvermutung. Es gibt die direkten Aussagen der Opfer, es haben sich bisher nur wenige Zeugen gemeldet und selbst diese berichten über Fälle, die mehrere Jahre her sind. Ich gehe zumindest davon aus, dass einige der Vorwürfe aber durchaus ernstgenommen werden sollten.

Kevin Spacey hat sich zu den Vorwürfen geäußert. Er weiß zwar nicht mehr, was er gemacht hat, er weiß aber, dass er betrunken war.

Statement Spacey

Was ich selbst an der Sache so widerwärtig finde, ist übrigens nicht die Tatsache, dass Spacey sich an Männer oder sogar Kinder ranmacht. Was ich schlimm finde, ist das schmierige Ablenkungsmanöver. „Hey, ich hab einen Jungen besoffen bedränkt, aber das ist doch nicht so wichtig. Ich bin schwul.“ Spacey lenkt von der Tatsache ab und lässt ein Bömbchen über seine Homosexualität platzen. In aufgeklärten Gesellschaftsschichten sollte die sexuelle Orientierung zwischen Erwachsenen egal sein. Tatsächlich hat seine Homosexualität allerdings erst einmal von der sexuellen Belästigung gründlich abgelenkt. Übel.

Die Netflix-Vorzeigeserie „House of Cards“ wird bis auf weiteres abgesetzt. Natürlich will Netflix nicht als Geldgeber für einen vermeintlichen Triebtäter agieren, daher müssen sie die Serie erst einmal auf unbestimmte Zeit pausieren. Erfahrungsgemäß wird die Serie nicht weiter gehen, der Ruf von Spacey ist komplett ruiniert. Selbst wenn es sich herausstellen würde, dass Kevin Spacey kein Grabscher ist, so ist der Ruf dieses Mannes komplett hinüber. Selbst Typen, die nachweislich unschuldig sind, haben es wirklich schwer, wieder ins Rampenlicht zu kommen.

Die Fans von HoC sind natürlich entsprechend sauer. Vom „Abo kündigen“ bis hin zu „Netflix verklagen“ ist in sozialen Netzwerken alles dabei. Was aber dabei wirklich gruselig ist: Die Taten werden relativiert.

  •     Kevin Spacey war betrunken, man soll das alles nicht so ernst nehmen.
  •     Dieser Typ will sich doch nur ins Rampenlicht begeben und die Karriere von Spacey ruinieren
  •     Selbst schuld, was hängt der Typ auch mit 14 auf einer Erwachsenenparty herum
  •     Wieso hat er 30 Jahre gebraucht, um das zu erzählen?

Das ist absolut heftig. Mal angenommen, ein 14-jähriges Mädchen würde diese Geschichte erzählen: Würde man das dann auch „locker sehen“?

„Spacey war betrunken, da kann so etwas doch mal passieren“ ist ein Schlag in die Fresse der Frauen, die Silvester am Kölner Dom belästigt wurden. Die anderen Statements zielen darauf ab, das Opfer lächerlich zu machen und sorgen des weiteren auch noch dafür, dass Opfer sexueller Übergriffe sich vielleicht in der Zukunft nicht mehr äußern werden. Befremdlich fand ich auch, dass diese Sprüche zumeist von Frauen kamen. Frauen sagten, dass der 14-jährige Anthony Rapp es ja verdient hätte, weil er auf dieser Party war. Frauen beschützten Spacey und sagten, dass er ja nicht mehr Herr seiner Sinne wäre.

Geht es nur mir so, oder ist das total krank? Ist es ein Freifahrtschein, einen jungen Mann anzufassen, nur weil der mit 14 auf ner Party herumhängt? Ist es ein Freifahrtschein, nur weil der Junge auf dem Bett herumsitzt? Darf man das bei jungen Mädchen also auch machen? Immerhin haben die ja meistens einen kurzen Rock an, wenn sie feiern gehen...

Es ist irre, aber Frauenbelästigung scheint Alltag zu sein. Die Weinstein-Krise hat uns gelehrt, dass mächtige Männer sich das nehmen, was sie haben wollen. Das Geschlecht ist unerheblich. An die mächtigen Männer und Frauen dieser Welt: Bitte akzeptiert ein NEIN als NEIN. Ganz klar.


Getagged unter: Politik,
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