Wo mich Linux ankotzt - als Desktopsystem

Update: Bevor Mißverständnisse entstehen, ich sehe mich als fortgeschrittener Linuxuser. Ich habe zum Beispiel diesen Artikel verfasst, hier stelle ich jede Menge guter Linuxalternativen vor und nicht zuletzt habe ich auch Hilfestellungen für VST-Plugins unter Linux verfasst. Selbst, wie man ein kaputt-treiberinstalliertes-Linux wieder hinkriegt, steht hier. Ich habe auch Linux schon auf größeren Veranstaltungen vorgestellt.

Seit mehreren Jahren nutze ich nun Ubuntulinux höchst erfolgreich. In Summe macht das alles auch Spaß, auch wenn Linux kein Windows ist und mittlerweile auch WEIL Linux kein Windows ist. Meine Standardprogramme für Linux laufen perfekt, ich musste meine Browsergewohnheiten nicht verändern, meine Mails lese ich noch immer mit Thunderbird und mein Recher ist stabil wie nie zuvor. Aber einige Dinge unter Linux sind unfassbar bescheuert und auch nicht mehr normal wegzuargumentieren. Dabei ist das oft nicht einmal die Schuld von Linux selbst, sondern hier speziell jetzt die Schuld von Hardware-Herstellern.

Die Hardware-Hersteller haben zugegebenermaßen nämlich eher wenig Interesse daran, Linux sauber zu unterstützen. Der Markt für Linux als Desktop-System ist nämlich noch immer sehr überschaubar.

Desktop

Auch die Steam-Box von Valve wird da nicht viel dran ändern, der der Launch hat zu lange gedauert und die Hardware ist leider nur im Steamstore wirklich hübsch. In "echt" sind die Reviews eher durchwachsen und auch wenn wirklich alle Valve wegen der Steambox und der Intention dahinter loben, ist der Controller irgendwie "billig" verarbeitet und die Steambox selbst mit SteamOS noch nicht so zugänglich wie eine PS4 oder XB1. Und auch hier fehlt irgendwo das Gesamtkonzept.

Ich liebe Linux wirklich, es macht einfach wahnsinnig Spaß. Aber manche Sachen sind wirklich dämlich. Das beginnt bei der Usability. Linux wirklich zu administrieren benötigt trotz aller grafischen Tools noch immer einen guten Editor. Bei Debian-Derivaten schlägt nichts ein einfaches sudo apt-get install blablabla, auch gdebi oder synaptic leider nicht. Manches geht einfach viel, viel schneller. Von Windows sind wir gewohnt, einfach ne Setup auszuführen. In der Regel läuft das Programm dann auch. Versuche das mal unter Linux. Dort gibt es dann schon Schwierigkeiten bei der Wahl des richtigen "setups". Du hast RPM, DEB, tar.gz und so weiter. Bei .deb-Daten ziehen die Paketmanager die entsprechenden Abhängigkeiten, bei RPM klappt das auch meistens.

Trotzdem kommen immer wieder seltsame Meldungen bezüglich nicht erfüllter Abhängigkeiten. Bei Windows passiert das eher selten. Und NOCH EINMAL: Ich bin erfahrener Linuxer, selbst Linus Torvalds hat die komplizierten Installationsvorgänge kritisiert. Und ja, mir ist auch bewußt, dass die Paketauswahl-Tools Teil des Linux-Sicherheitskonzeptes sind.

Im Tonstudio leidet der User an mangelndem Interesse der Pluginhersteller. OS-X und Windows werden nun einmal besser unterstützt. Unverständlicherweise, denn Linuxer würden zum Beispiel für lauffähige VSTs mit einem tollen Installer Geld ausgeben. Linuxer haben insgesamt auch Interesse an guten Tools, Ardour ist zum Beispiel eine ausgewachsene DAW, die auch VST gut unterstützt. Die Konfiguration, insbesondere von "Realtime"-Zeugs ist aber unter Windows einfacher. ASIO4ALL installieren reicht im Normalfall aus. JACK ist ASIO zwar haushoch überlegen, aber eben auch wesentlich trickier zu nutzen.

Gamer haben unter Linux dank Steam einen wesentlich besseren Stand als früher. Auch hier geben die Leute tatsächlich gerne Geld aus, denn der Steaminstaller ist so ziemlich das beste, was man Linux antun konnte. Die Spiele laufen auch alle gut, die Spielehersteller sind nur extrem faul und versorgen die Gamer oft mit eON/Crossover/wine-Ports. Nativ wäre einfach geiler.

Ganz schlimm ist auch der Linuxer selbst: Viele Nerds, die ich getroffen habe, sind echt NERDS! So richtig fies. Die rennen barfuß auf Linuxveranstaltungen herum, tragen "SuSe"-T-Shirts und wenn ich Geschäftsführer wäre, könnte ich diese Jungs/Mädels nicht ernst nehmen. Das geekige Getue schadet Linux hier und unterstreicht die vorherrschende Meinung der Öffentlichkeit, dass Linux nichts für die ist.

Wenn man aber über ALL DAS hinweg sehen kann, hat man ein geiles Betriebssystem, von dem man nie wieder weg will. Du kannst in diesem Artikel übrigens nachlesen, ob Linux das richtige für dich ist.

Kommentare


Ich kann dir da leider nur zustimmen. Auch wenn die Usability in den letzten Jahren defintiv besser geworden ist, muss da noch nachgearbeitet werden. Installationen nehme ich auch größtenteils in der Bash-Eingabe vor. Aber es sind teilweise simple Dinge die mich stören, auch wenn ich nach wie vor mit Linux-Mint zufrieden bin:
-Treiberproblematik. Es ist ein Akt bestimmte periphere Geräte zu installieren z.B. einen Scanner
-Ändern von Prozessprioritäten: Wenn ich merke, dass ein Prozess mehr CPU-Power braucht, muss ich das auch leider über die Bash lösen, es sei denn ich starte den Systemmonitor im Vorfeld schon mit Root-Rechten, wofür ich wieder das Adminpasswort eingeben muss - kein Aufwand, aber ich möchte so selten wie möglich bei Standardoptionen das PW benutzen müssen. Vielleicht möchte ich ja nur die Systemlast ansehen und das ginge auch ohne PW. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine :)
-Genauso funktioniert mein Notepad++ unter Linux standardmäßig nicht mit gespeicherter Session wie ich es von einem Windowssystem gewohnt bin.
Ich bin mir sicher, dass ich für die beiden letzten Probleme Workarounds finde - automatische PW-Eingabe über einen Keyring, womit ich wieder die Sicherheit aushebele. Aber die muss ich ersteinmal implementieren, was einen normalen Benutzer sicherlich wieder abhält. Auch die Installation von Peripheriegeräten schreckt sicher einige ab.
Ist alles schon viel besser geworden als vor ein paar Jahren, aber hier kann definitiv nachgearbeitet werden :)
Geschrieben von Marcel Schindler am 30.11.2015
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