Ich moechte euch eine Standup-Comedy empfehlen bei der ihr vielleicht weint

Ich moechte euch eine Standup-Comedy empfehlen bei der ihr vielleicht weint

Eine der tollsten Sachen bei Netflix ist die Tatsache, dass man sich dort jede Menge Standup-Comedy anschauen kann. Eine Show, auf die ich durch die wunderbare Sophie Passmann aufmerksam wurde, ist Nanette von der australischen Comedienne Hanna Gadsby.

Hannah tritt seit Jahren auf. Sie macht die Witze, die man halt über sich selbst als lesbische Frau macht. Denn damit kompensiert man eventuell seine eigene Unsicherheit und man nimmt der Welt die Schwere. So wurde Hannah von nem Typen angeschockt, weil der meinte, dass sie seine Freundin angräbt. Als der Typ dann merkte, dass Hannah eine lesbische Frau ist, will er sie nicht verprügeln, weil man „eine Frau nicht schlägt“.

Gelächter im Publikum. Das Publikum ist erleichtert, weil es die Frau gerettet hat, eine relativ maskulin aussehende Lesbe zu sein. Sie macht ja selbst auch Witze darüber, kleine Brüste zu haben und das ist ja alles SOO WITZIG.

Doch dann greift Hannah Gadsby die Geschichte mit dem Prügeltypen noch einmal auf. Die Geschichte ging nämlich leider viel weiter. Eine Frau zu verprügeln war für den Typen nicht okay. Eine Lesbe zu verprügeln war für den Typen allerdings sehr okay. In der Heimat von Hannah Gadsby war Homosexualität zu dieser Zeit noch illegal und tatsächlich offenbart Hannah, dass sie nicht nur verprügelt wurde, sondern dass sie auch noch ein schlechtes Gewissen deswegen hatte. Wenn sie „normal“ wäre, wäre ihr vielleicht nichts passiert.

Eine Comedyshow, bei der der Comedian betont, dass man besser keine Comedy mehr machen sollte: Das erste Drittel der Show ist typisch für jede Comedyshow. Wir kennen das ja alle: Cindy aus Marzahn ist zwar dick, aber lustig. Bülent Ceylan ist ein Türke aber eben ein cooler Türke. Der Mut von Hannah Gadsby besteht darin, dass sie in ihrer Show dem Witz die Komik raubt. Das klingt befremdlich, das ist es auch.

Wenn Ilka Bessin (Cindy) innerhalb eines Interviews erzählt, dass die Cindy-Figur nicht mehr existiert, weil sie zu politsch wurde, dann wirft das irgendwo ein seltsames Licht auf uns, das Publikum. Eine dicke, asige Hartz4-Bezieherin darf zwar Witze über dicke, asige Hartz4-Trullas machen, das Publikum reagiert aber seltsam, wenn Cindy darauf hinweist, dass Hartz4 ziemlich unmenschlich ist. Wenn Bülent Ceylan davon überzeugt ist, dass es massive Integrationsprobleme gibt, so sagt er das in einem Interview. Nicht in der Show. Tatsächlich gibt es hunderttausender Türken in Deutschland, die Bülent Ceyland gar nicht verstehen. Weil sie nicht integriert sind und die Sprache nicht sprechen. So etwas ist aber nicht Teil eines Comedyprogrammes.

Und da tut „Nanette“ dir als Zuschauer weh. Und es tut gleichzeitig unglaublich gut. Ich weiß nicht wie sie es macht, aber Hannah Gadsby hat in ihrem Netflix-Special eine Brücke zwischen saukomisch und echt zerstörend geschaffen und dir bleibt als Zuschauer in der zweiten Hälfte des Programmes eigentlich immer das Lachen weg. Doch das Programm gibt Hoffnung. Das Programm zeigt dir als Zuschauer, dass du gegen den Hass und die Homophobie oder sonstige Ungerechtigkeiten angehen kannst. Du kannst drüber sprechen. Du kannst dich öffnen und du kannst dein Umfeld verbessern.

Ich empfehle jedem, der Netflix hat, sich dieses Programm anzusehen.

Leider hat hier noch keiner seinen Senf zum Thema abgegeben. Sei du doch der erste. Oder die erste. Oder das letzte.

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