Besser reden

Ich finde Blogs zum Thema „Selbstvermarktung“ oder „Präsentation“ lahm. Viele dieser Blogs wollen dir ein Geheimnis verraten, wie du ein besserer Redner wirst oder wie du dein Selbstvertrauen verbessern kannst. Die Blogs verraten dir, wie du deine Hände benutzt, wenn du vor einem großen Publikum stehst und die meisten dieser Blogs erzählen dir, dass du bisher alles falsch gemacht hast. Versteht mich nicht falsch. Ich habe so etwas selbst auch schon mal geschrieben. Ich interessiere mich wirklich stark für dieses Thema, denn ich liebe es, zu präsentieren. Den Leuten meine Sicht der Dinge zu zeigen, das liebe ich. Wenn die Leute an meinen Lippen hängen und mir begeistert zuhören, habe ich etwas richtig gemacht.

Du bist das Angebot

In der Regel fragt dich jemand, ob du eine Präsentation zu einem Thema durchführen kannst, die Frage kann natürlich auch als Befehl formuliert sein. Am Ende jedoch läuft es darauf hinaus, dass du vor einem kleinen oder großen Publikum stehst und zu einem Thema referieren sollst. Wenn du dir das Thema selbst ausgesucht hast, fällt es dir vermutlich leichter, als wenn du über ein Thema sprechen sollst, was dich gar nicht interessiert. Das Schöne an einer Präsentation ist, jeder will sie hören. Egal, wie öde das Thema zuerst wirken mag, so gibt es die Präsentation nur deshalb, weil jemand beschlossen hat, über dieses Thema etwas hören zu wollen und du kannst der/diejenige sein, die über dieses Thema referiert. Du musst diesen Vorteil für dich nutzen. Im Grunde ihres Herzens wollen die Menschen dir zuhören. Die Nachfrage ist bei einer Präsentation immer gegeben und Angst, zu versagen, kannst du vergessen.

Die Sprache

Bei einer Präsentation wirst du immer das Problem haben, dass die Leute dich entweder noch nie gehört haben oder das die Akustik im Raum nicht gut ist. Eine andere Herausforderung ist ein eventueller Dialekt oder vielleicht sogar ein Sprachfehler. Ausgehend von der Tatsache, dass dir jeder zuhören möchte, kannst du dir also Zeit lassen. Sprich langsam und sehr, sehr deutlich.

Man kann üben, deutlich zu sprechen. Heute hat jeder ein Smartphone. Du kannst also dein Smartphone nehmen und im Wohnzimmer ungefähr 5–6 Meter von dir entfernt aufstellen und deine Aussprache üben. Du musst dich selbst dabei filmen, wie du „frei Schnauze“ irgendwelche Geschichten erzählst. Dabei kannst du viel über dein Tempo und deine Sprachdynamik lernen. Das Handy steht weit weg von dir, du bist gezwungen, laut zu sprechen. Wenn du dir anschließend dein Video anschaust, siehst du relativ schnell, wo du zu viel Tempo in die Sätze gelegt hast und wo du zu leise gesprochen hast.

Dein Sprachstil sollte aktive Formulierungen und viele Verben verwenden. Sage also „Ich habe Software XYZ installiert, um den Rechner zu beschleunigen“ und nicht „Software XYZ wurde installiert, um den Rechner zu beschleunigen“. Es ist wichtig, dass das Subjekt in deinem Satz der Teil ist, der das Prädikat am Objekt durchführt.

„Die Geschäftsführer haben Geld gespart“ klingt einfach geiler als: „Es wurde Geld durch die Geschäftsführer gespart.“

Körpersprache

Denke an eine Situation, bei der du dich entspannt mit jemand anderem unterhalten hast. Sei es zum Beispiel auf der letzten Party oder beim Lidl an der Kasse. Versuche dich zu erinnern, wie du standest und ob du deinem Gesprächspartner in die Augen gesehen hast. Wie waren deine Hände? Du wirst dich definitiv nicht erinnern, wie du deine Hände benutzt hast, denn in einem guten Gespräch fällt dir das gar nicht auf. Redeprofis erzählen dir immer, dass du mit den Händen gestikulieren solltest. Was du nicht machen solltest, ist die Hände in die Tasche stecken. Die Arme verschränken ist auch eher suboptimal. Tatsächlich solltest du trainieren, deine Hände aus deinem Gewissen zu streichen. Lass die Arme einfach locker hängen und unterstreiche wichtige Sätze mit minimalen Gesten.

Schaue dein Publikum an. Ich habe ein 5-Punkte-System. Ich male mir im Geist ein Quadrat auf mein Publikum und in die mitte des Quadrates mache ich noch einen Punkt. Ich schaue in jede Ecke meines Quadrates und am Ende schaue ich auf den Punkt in die Mitte. Das mache ich regelmäßig.

Zettel sind böse

Die freie Rede funktioniert nicht, wenn du auf einen Zettel starren musst. Sobald du den Zettel in der Hand hast, verlierst du deinen Augenkontakt und deine Hände halten den Zettel in der Hand. Die Sprache wird leiden, weil du einen Text vorliest und nicht direkt auf dein Publikum reagieren kannst. Dein Publikum kann dich nicht ansehen, weil der Zettel ihnen die Sicht versperrt. Vergiss Zettel. Du redest über dein eigenes Thema, wenn du Details vergisst, wird dir keiner den Kopf abreißen. Du weißt mehr über das Thema, als dein Publikum. Die merken nicht mal, dass du ein wichtiges Detail vielleicht nicht erwähnt hast.

Wir haben keine Zeit

Ted-Screenshot mit Anzeige der Rededauer

Die besten Redner der Welt treffen sich immer auf den TED-Konferenzen, die beliebtesten Reden sind allesamt nicht länger als 30 Minuten. Der Grund dafür ist klar: Die Leute hören dir ab einer bestimmten Zeit einfach nicht mehr zu. Du muss dein Thema so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig präsentieren. Ein Thema wie zum Beispiel „Auto“ kann man aus technischer Sicht betrachten und stundenlang über den Motor reden. Oder man redet über das Fahren. Wenn du über das Design von Automobilen reden möchtest, dann mache genau das und schränke deinen Beitrag am besten auch auf Autodesigns aus bestimmten Epochen ein.

Aufbau der Rede

Für die meisten Redner hat sich das AIDA-Modell durchgesetzt.

Attention:

Gewinne die Aufmerksamkeit deines Publikums: Schaue dir Videos von Standup-Comedians oder Latenight-Talkern an. Diese Leute betreten die Bühne, lassen das Publikum auf sich wirken und wirken ihrerseits ein paar Sekunden auf das Publikum. Nachdem das Publikum realisiert hat, dass du da stehst, gehst du noch einen Schritt nach vorne und benutzt eine einfache einleitende Geste. Beginne dann mit deiner Rede.

Interest:

Erzeuge echtes Interesse des Publikums am Thema. Im Kern wollen die Leute dir ja zuhören, aber du musst dafür sorgen, dass sie das Thema persönlich nehmen. Führe einen Ich-Bezug ein und zeige auf, wie das Thema für dich selbst so wichtig wurde, dass du nun darüber reden willst.

Desire:

Zeige, wie dein Thema deine Arbeit verbessert hat. Das weckt das Verlangen deines Publikums, es dir nachzutun. Sie haben ja schon gesehen, dass deine persönliche Fallstudie bei dir selbst geholfen hat. Du kannst das Verlangen wecken, die Situation jedes Einzelnen verbessern zu wollen.

Action:

Appelliere an dein Publikum, es so ähnlich oder genau wie du zu machen.

Jeder kann ein Redner sein

Diese Tipps sollten dir veranschaulichen, wie du ein besserer Redner wirst. Wie immer gilt: Übung macht den Meister. Übe es, vor Publikum zu reden.

Lesezeit: 07:05 Minuten
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