Depression - was heisst das eigentlich

Depression - was heisst das eigentlich

Vor ein paar Stunden wurde mir ein Posting von Wil Wheaton in die Timeline gespült. Ihr kennt Wil Wheaton vielleicht aus der Serie „The Big Bang Theory“ bzw. aus Star Trek TNG. Dort spielte Wheaton die nervigste Figur überhaut, Wesley Crusher. Bei BBT ist Wheaton eine übertrieben selbstbewusste Version seiner selbst. Doch selbst zu Star Trek-Zeiten habe ich mir damals schon gedacht: „Keiner mag Wesley, ich auch nicht“. Ich habe immer gedacht, dass so etwas an einem Prominenten abperlt, andererseits war Wil zu der Zeit noch selbst ein Teenager.

Ein Teenager ist in der Regel ein Häufchen Elend. Alles verunsichert einen, die Pubertät nervt, die Eltern sind scheisse. Wenn man dann noch im Rampenlicht steht und von allen gehasst wird, richtet das vermutlich irgend etwas mit dir an. Doch ich kann hier Entwarnung geben: Wil hatte die Depression schon vorher. Diese Depression äußerte sich in seiner Kindheit, indem er mit  7 oder 8 Jahren mit Panikattacken aufwachte. Diese Attacken wurden in dem Alter noch als Albträume abgetan, allerdings waren diese Träume eben mehr, als nur schlechte Träume. Die Phasen waren immer mal wieder weg, doch mit 13 war Wil dann unsicher. Er hielt sich für dumm und wertlos. In dieser Phase war Wil Wheaton allerdings durch den Film „Stand By Me“ ein international bekannter Kinderdarsteller. Es lief darauf hinaus, dass die Panikschübe auch irgendwann tagsüber da waren, die Leute an den Filmsets aber dachten, dass Wheaton eine kleine Diva ist und nur simuliert.

Erst viel später gestand Wil Wheaton sich ein, dass er eine Depression hat.

Diese Einleitung finde ich gerade wichtig. Nicht erst seit Robin Williams, dem TV-Koch Anthony Bourdain oder Fußballern wie Robert Enke oder Andreas Biermann, wissen wir um die Gefahr einer Depression. Diese Menschen stehen im Rampenlicht, sie haben unendlich viel Geld, sie haben Ruhm und sind überall beliebt. Doch innen drin sind diese Menschen kaputt. Nach außen hin strahlen diese Menschen wie Stars. Fatal bei Biermann finde ich, dass er sich als depressiv „geoutet“ hat und danach erst fallen gelassen wurde.

Eine Depression heißt für den Betroffenen so vieles und alles ist gemein: Du bist nicht einfach nur traurig. Du findest dein Leben scheisse, du bist immer müde. Du freust dich über nichts mehr und du bist unfassbar antriebslos. Da deine Freunde dich für ständig traurig halten oder nicht wissen, wie sie mit deinen Schüben umgehen sollen, wenden sie sich von dir ab. Das ist der Moment, wo du als Depressiver zusätzlich auch noch traurig wirst. Denn ohne Freunde bist du allein...

Eine Depression ist wie ertrinken, während du alle anderen atmen siehst.

Eine Depression ist nicht abzutun mit Sätzen wie: „du schaffst das schon! Die Welt ist doch so schön“ oder „stell dich doch nicht so an!“ Doch Depressive wissen genau, dass die Welt schön ist. Irgendjemand hat mir mal gesagt, eine Depression sei wie ertrinken, während man alle anderen atmen sieht. Alternativ ist eine Depression eben so, wie Torsten Sträter das sehr gut in seinem Clip dort beschreibt.

Eine Depression kann man behandeln, das ist zumindest die positive Information, die ich euch mitgeben kann. Das kann mit Therapien funktionieren, das kann mit Medikamenten passieren. Daher kann man zumindest vorerst zu seinem Hausarzt gehen und sagen, dass man glaubt, eine Depression zu haben. Wenn der Hausarzt das abtut, sollte man einen anderen allgemeinbildenen Arzt aufsuchen und dort eine weitere Meinung einholen. Wenn du nur das Gefühl hast, eine Depression zu haben, dann solltest du den Gang zum Arzt nicht scheuen. Leider bemerkt man selbst nicht früh genug, dass man eine Depression hat. Man selbst relativiert seine Traurigkeit und sagt sich, dass das auch wieder vorbei geht. Man beginnt sich selbst etwas einzureden und leider beginnt man dann auch daran zu glauben. Das geht dann so lange gut, bis irgendein Ereignis dich aus der Bahn wirft, plötzlich bist du wieder mittendrin. Was das betrifft, ist eine Depression so'n bißchen wie Alkoholiker. Eine Depression ist grundsätzlich nicht heilbar, aber du kannst lernen, damit umzugehen, wenn dir jemand hilft und wenn du dir eingestehst, dass du depressiv bist. Das ist wichtig.

Ich schreibe das, weil ich finde, dass Depressionen trotz allem noch immer nicht ernst genommen werden. Wenn einer wegen Panikattacken Bauchschmerzen hat und zuhause bleibt, sollte man das verdammt noch mal ernstnehmen und nicht als „Simulieren“ abtun.

Leider hat hier noch keiner seinen Senf zum Thema abgegeben. Sei du doch der erste. Oder die erste. Oder das letzte.

Über...