Firefox ist tot - es lebe der Firefox

Firefox ist tot - es lebe der Firefox

Es gab zwei große Browserkriege in der Vergangenheit. Microsoft hat damals mit dem Internet Explorer den Browserkrieg gegen den Netscape Navigator gewonnen. Netscape Navigator wurde Opensource und der daraus entstandene Browser namens Phoenix nahm Microsoft wieder jede Menge Benutzer weg. Das war auch die Zeit, in der ich mit Web-Entwicklung anfing. Nachdem der Phoenix-Browser den Namen Phoenix ablegen musste, nannte der Browser sich Firebird. Doch auch diesen Namen behielt dieser Browser nicht lange, also hieß die Software dann Firefox.

Firefox schaffte es in kurzer Zeit, Microsofts Dominanz im Browsermarkt wieder einzustampfen. Die Techniken um CSS und HTML entwickelten sich schneller, als Microsoft es je geglaubt hätte und während der IE immer mehr ins Hintertreffen geriet und Microsoft es nie wirklich schaffte, einen CSS3-kompatiblen Browser zu erstellen, wurde der Firefox immer besser und mächtiger. Firefox hatte Add-ons und einen sehr zuverlässigen Werbeblocker. Firefox war zu dieser Zeit wirklich sehr innovativ. Das ging sogar soweit, dass eine kleine Internetbude aus Mountain View, namens Google, Hauptsponsor der Entwicklung des Firefox wurde.

Google begann allerdings parallel mit der Entwicklung eines eigenen Browsers. Google Chrome sollte die größte Konkurrenz von Firefox werden und irgendwann 2013 war es dann auch soweit: Chrome war erfolgreicher als Firefox und hat diesen Vorsprung bis heute auch noch ausgebaut.

Wo liegen die Ursachen? Firefox wurde und wird in einigen Teilbereichen wildwuchsmässig entwickelt. Add-ons erlauben es dir, deinen Browser komplett umzukrempeln und ein nie da gewesenes Sicherheitskonzept im Browser zu hinterlegen. Doch Add-ons werden direkt von der Browser-Engine verarbeitet. Das macht den Browser langsamer, je mehr Add-ons man benutzt. Komplizierte Filterregeln, die einen Werbeblock überhaupt erst ermöglichen, fressen zusätzlich CPU-Last. Nicht zuletzt werden Webseiten vom Inhalt her immer größer. Der Speicher des Browsers und damit der RAM des Computers werden voll geschaufelt.

Dieses Problem des Speichers war letzten Endes auch das Todesurteil. Während Chrome und sogar der neueste Internetexplorer immer schneller wurden, wurde der Firefox immer träger und langsamer. Das ging sogar so weit, dass alleine der Start des Browsers auf PCs mit 2–4 GByte RAM mindestens 20 Sekunden dauern konnte. Die Abwanderung der User war also genervt, weil Chrome und Edge einfach viel schneller waren. Webentwickler, wie ich blieben noch immer beim Firefox, denn die Entwicklungstools waren ziemlich cool. Aber Firefox war unfassbar langsam.

Mitte/Ende 2016 kam eine weitere Entwicklung, die mich vom Fuchs abschreckte. Firefox stellte etwas in der Rendering-Engine um, sodass meine Lieblingserweiterung Firebug nicht mehr funktionierte. Angeblich ging Firebug in die normalen Firefox über. Das ist aber nur so halb richtig, wenn man Firebug nämlich gewohnt ist, kannst du mit den integrierten Firefox-Entwicklungstools nichts anfangen, außer du gewöhnst dich dran.

Der Fuchs war in diesem Moment absolut für mich erledigt. Ich hatte ab dem Moment keinen Spaß mehr, obwohl ich Firefox bis dahin auf Windows und Linux 15 Jahre lang treu war. Mit diesen neusten Entwicklungen und mit den Ankündigungen, Werbung im Browser zu schalten, wurde Firefox für mich immer mehr zu einer Strafe. Werbung im Browser hat meiner Meinung dazu geführt, dass sich Opera nie durchgesetzt hat, obwohl das technisch immer der überlegendste Browser war. Ist der Ruf jedoch erst ruiniert...

Webentwickler mit Vertrauen in die Opensource-Gemeinde taumelten zu der Zeit ein wenig orientierungslos herum. Chromium, Chrome oder Vivaldi verwenden? Vivaldi hatte ich zu einem frühen Stadium ausprobiert, hat mir überhaupt nicht gefallen. Opera mochte ich auch nie, das hat sich bis heute nicht geändert. Chrome ist meiner Meinung nach Spyware, ansonsten ein geiler Browser aber Chromium kann kein Netflix. Also landete ich beim Chrome von Google.

Die Entwicklungstools fand ich ziemlich gelungen. Der Browser fühlt sich schnell an und in Verbindung mit dem Chromecast macht das Ding auch wirklich Spaß. Aber es handelt sich hier um eine Software eines eh schon viel zu mächtigen Unternehmens. Also blieb ich irgendwie doch immer wieder beim Firefox.

Seit der neuen Version 55 fühlt sich Firefox auch wieder schneller an. Der Speicher wird nicht so affig zugeflutet und DRM-Inhalte kann ich auch wieder abspielen. Und spätestens HIER merkt man auch, dass Google böse ist. Streamen zum Chromecast geht natürlich nur und ausschließlich über den Chromebrowser.

Firefox 55 mag ich wieder. Jetzt noch wieder einen Firebug-Ersatz einbauen und Google davon überzeugen, dass Chromecast auch über andere Browser steuerbar sein muss und ich bin wunschlos glücklich.


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Kommentare


Danke. Mir geht es genau so. Der Firefox ist mir ans Herz gewachsen, macht mir aber genau aus den zwei angsprochenen Dingen Probleme: Speicherhunger und die damit erhöhte CPU-Last. Teilweise muss ich neu starten, weil nichts mehr geht. Der zweite für mich wichtigere Punkt ist, dass Firebug nicht mehr richtig unterstützt wird. Das fing mit Ausgaben für die Konsole an. Ich wusste das erst nicht wunderte mich nur. Durch googlen fand ich dann heraus, dass Firebug nicht mehr vom Firefox unterstützt wird und das die Ursache für fehlende Log-Ausgaben war. Mit den FF-Entwicklertools komme ich auch noch nicht so zu recht. Vor Allem, da ich sie nicht so einach starten kann, wie den Firebug - ok ich habe da noch zu wenig recherchiert, aber am liebsten wäre mir ein Button in der Add-On-Leiste, die ich auch über ein Plugin dazu installiert habe ^^ Hoffen wir das beste für die Zukunft des FF :)

Naja, das irgendwann Plugins nicht mehr unterstützt werden, ist ja normal. Kennen wir ja aus den Bereichen VST und Photoshop auch.

Hm, naja bisschen ernüchternd, mal schauen... https://picload.org/view/rwoocgga/firefoxinstalltabmixplus.jpg.html

Das Firefox-Add-on Tab Mix Plus war für mich der Hauptgrund, trotz der immer schlechter werdenden Firefox-Perfomance, beim Firefox zu bleiben. Irgendwann wurde mir es dann aber auch zu bunt mit der Firefox-Trägheit und ich bin auf den Pale Moon https://www.palemoon.org/ gestossen, der aus Mozilla/Firefox entstand und bei dem auch viele Firefox-Add-ons eingebunden werden können. Möglich, dass das nur ein subjektives Empfinden ist aber mir kommt er schneller als Firefox vor. Vielleicht gebe ich aber, nach dem Lesen deines Artikels, der aktuellen Firefox-Version eine neue Chance...
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