Streaming ist ja toll - es fehlt nur vieles

Wie sich meine Liebe zum Film entwickelte

Kino

Wenn Du, so wie ich, am Anfang der Achtzigerjahre geboren wurdest, kennst du noch die Zeiten vor Internet für alle. Du kennst die Zeit, als RTL, Sat1 und ProSieben auf Sendung gingen und du hast jeden Samstag Filmations Ghostbusters auf dem damals noch richtig coolen Tele5 geguckt. Du wurdest dann älter und älter und entdecktest vielleicht irgendwann die Welt der Filme. Die ersten Kinobesuche ließen deine Sinne explodieren und als du dann deinen ersten Videorekorder oder sogar schon einen DVD-Player hattest, war die Welt für dich in Ordnung.

Ich bin ein Kinokind. Ich habe von meinem Taschengeld Zehnerkarten/Dauerkarten und Sneakpreviews gekauft. Ich habe zu meinen besten Zeiten 3 Tage die Woche im Kino gesessen und mir jeden noch so beschissenen Film reingezogen und ich habe es geliebt. Ich habe im Kino nie gegessen, weil das zu teuer war. Aber meine Freunde waren Steven Spielberg, Richard Donner und Chris Columbus. Tatsächlich werde ich niemals meinen allerersten Kinofilm vergessen: Pünktchen und Anton von 1953 im Lichtspielhaus Kreyenbrück. Als dieses Kino 1992 geschlossen wurde, brach eine Welt für mich zusammen.

Filme wie Jurassic Park, Aladdin, Forrest Gump oder Pulp Fiction habe ich mir in der Oldenburger Innenstadt im legendären Wallkino angeschaut. Dieses Kino war einfach der Oberknaller. Es gab ein Top-Surround-System, wunderbare Leinwände und es gab mehrere Sääle. Man musste eine Treppe hochgehen und durch einen engen Flur laufen, um dann in der Loge des Kinos zu landen. Dies war für mich eine ganz neue Welt und da ich in einem Alter war, bei dem auch meine Freunde als Popcorn/Kartenverkäufer dort im Kino arbeiteten, kam ich hier zu der ein oder anderen Vorstellung auch immer umsonst rein. 2007 schloss Ulrich Marseille dieses Kino und seitdem gibt es hier nur noch das Cinemaxx. Seitdem gehe ich nur noch selten ins Kino.

Video / DVD

1996 hatte ich meinen Führerschein und war seitdem Stammkunde bei Video Hipp. Alle 2 Tage besorgte ich mir die neusten Streifen - manchmal aber eben auch richtig alten Kram. Sogar teilweise richtigen Schrott und teilweise auch Filme, die später auf dem Index landeten. Ich lernte dank meiner Videothek die Werke von Lucio Fulci kennen, kam mit George A. Romero in Kontakt und hatte dank Meet The Feebles und Braindead von Anfang an ein gutes Gefühl dabei, als ich hörte, dass Peter Jackson damals Herr der Ringe machen sollte. Videotheken eröffneten mir eine völlig neue Welt von Filmen, die ich so nie wieder sehen würde. Als ich Anfang der 2000er Jahre den Film „Staplerfahrer Klaus“ das erste Mal gesehen habe, war mir absolut klar, dass Filme mein Leben verändern würden. Als ich dann von meinem Videodealer erfuhr, dass die Japaner eine ganz andere Fassung von Kill Bill Vol.1 haben, musste ich diesen Film unbedingt besitzen. Scream 1 hatte ich mir als UK-Import auf VHS besorgt, weil ich so die Option hatte, diesen Film vor allen anderen im Heimkino zu schauen.

Streaming

Seit 2 Jahren bin ich nun Kunde bei Netflix. Ich liebe die Serien und ich liebe das breitgefächerte Programm an Filmen, dass dieser Stream-Anbieter zur Verfügung stellt. Ich habe auch eine Testphase von Amazon Prime mitgenommen und fand auch hier die ein oder andere gelungene Filmperle, die ich vorher nie gesehen hatte. Im Grunde sind Streamingportale für mich pures Gold, denn ich kann unendlich lang irgendwelche coolen Filme gucken und muss mir nie irgendwelchen Quatsch wie Punkt 12 oder öde Ranking-Shows ansehen. Lineares Fernsehen habe ich nie gemocht. Bis auf Akte X, Nip/Tuck oder Enterprise TNG habe ich nie bewusst lange eine Serie im TV verfolgt.

Doch Streaming hat - im Vergleich zur Videothek - einen gigantischen Nachteil: Das Angebot ist unglaublich limitiert. Natürlich behaupten die Streamanbieter alle möglichen Filme im Portfolio zu haben, doch wenn man die Top250 Filme der IMDB mit den Resultaten vergleicht, fliegt einem schon Platz 4 um die Ohren: „The Dark Knight“ gibt es nicht bei Netflix. Auch „Fight Club“ sucht man aktuell (Januar 2018) vergeblich. Nicht einmal „Einer flog übers Kuckucksnest“ ist bei Netflix aktuell zu finden. Bei anderen Anbietern ist „Psycho“ von Hitchcock kostenpflichtig zubuchbar. „Cinema Paradiso“ kann man aktuell nirgendwo schauen. Die Version von Kill Bill Vol.1 ist logischerweise nicht der Japan-Cut.

Illegales Streaming

Im Bereich Horror kann man leider ohne Videothek in der Nähe aktuell nur auf Importkäufe auf DVD zugreifen oder aber illegale Angebote wie kin*x nutzen. Dabei steht man immer mit einem Bein im Knast, denn auch wenn man den Kram nicht wirklich herunterlädt, landen die Daten auf jedenfall im Browsercache und zählen technisch damit als Download. Nebenbei finanzieren sich illegale Streamingportale mit seltsamen Werbepartnern. Wenn man nicht aufpasst, fängt man sich einen Drive By Download ein und hat damit den Salat. Klar, mit einem vernünftigen Adblocker kann man sich da ein wenig absichern, aber schön ist das nicht. Doch tatsächlich kann man bei den illegalen Anbietern jeden der Top 250 Filme der IMDB beziehen und hat sogar die Möglichkeit, eben diese spezielle Version von Kill Bill Vol.1 zu beziehen.

Fazit

Streaming spaltet mich. Einerseits bin ich froh, über meine Netflix-App und meinen Chromecast auf eine Million Filme und Serien zugreifen zu können, andererseits ist Streaming für den Film-Vollnerd eine Katastrophe. Prime schließt ein paar Lücken, ist in Summe aber viel teurer als der Gang zur Videothek. Insofern muss ich leider sagen, dass Streaming irgendwie komplett noch in den Kinderschuhen steckt. Wenn es in jeder Online-Videothek jeden bisher gedrehten Film gibt, erst dann ist Streaming komplett ausgereift.

Kosta Bratsos

Lesezeit: 05:57 Minuten
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Kommentare


An die beiden Kinos kann ich mich noch gut erinnern. Aber ich muss dich in einem Punkt korrigieren: Oldenburg hat außer dem Cinemaxx noch das Casablanca, bei dem ich allerdings zugeben muss, dass dort meistens andere Filme laufen, als wir im Kino erwarten würden. Beim Streamingangebot muss ich dir recht geben. Vieles findet man wirklich nicht. Netflix ist gefühlt auch eher für Serien geeignet, aber mal sehen, was die nächsten Jahre noch so passiert. Fakt ist, dass die Streamingportalen den Fernsehsendern gute Konkurrenz machen. Ich bin auch eher der Video-on-demand-Seher, so dass das reguläre Fernsehen für mich eher unpraktisch ist, wobei ich es wichtig finde, dass es öffentlich rechtliches Fernsehen gibt, auch wenn ich die vielen Volksmusiksendungen für sehr fragwürdig halte.

Stimmt. Das Casablanca habe ich total vergessen, dabei mag ich das Kino wirklich sehr gerne. Ich habe da unter anderem „der Medicus“ geschaut.

Tolles Kino, eigentlich.

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