Ausrasten an der Hundeleine

Ausrasten an der Hundeleine

Ich bin seit 3 Wochen ein Hundeherrchen. Für mich, der sein Leben lang Hunde als stinkende, beißende Monster gesehen hat, ist das noch immer ein wenig surreal. Versteht mich nicht falsch, ich hatte als Kind einen Hund, aber „César“ und ich lebten eher nebeneinander her, der Hund gehörte meinen Eltern und mir persönlich war „das Vieh“ immer total egal. César hat mich immer in Ruhe gelassen. Es war eine Zweckbeziehung und wir kamen gut miteinander aus.

Björn hat sich mittlerweile zum Teil gut eingelebt. Das erkennt man daran, dass er das Haus bellend verteidigt, wenn er jemanden vor der Tür stehen sieht. Auch kennt er mittlerweile seinen Tagesplan. Er weiß also die Gassizeiten und er weiß, dass er nachmittags etwas leckeres zu essen bekommt. Gestern habe ich mit Björn zweieinhalb Stunden Offroad-Gassi gemacht. Wir sind quer durch Gräben, Matsch und Gammel gelaufen und nach der Tour war der Hund absolut und total erledigt. Mission erfolgreich und ich habe auch nur einen leicht tödlichen Muskelkater. Es gibt mit Björn sowieso kaum Probleme.

One - Two - Three - AUSRASTEN

Allerdings haben wir ein Problem, wenn wir mit ihm an der Leine gehen und andere Hunde in unsere Richtung kommen. Björn mag andere Hunde, das ist nicht das Problem. Er geht aber ab, wie eine Rakete, knurrt und bellt. Das verunsichert natürlich den anderen Hund, der dann seinerseits knurrt. Das andere Herrchen denkt aber auch, dass mein Hund ein Monster ist.

Bellen und Kläffen ist nicht die übliche Kommunikation unter Hunden. Hunde arbeiten sehr viel mit Körpersprache. Jeder weiß, dass eine eingezogene Rute Angst bedeutet. Wenn der Hund sich auf den Rücken wirft, heißt dies Unterwerfung.

Die Situation

An der Leine ist der Hund eingeschränkt. Der Hund weiß also, dass er jetzt einem Artgenossen begegnet. Er kann dem Artgenossen aber nicht ausweichen, weil die Leine ihn daran hindert. Das macht den Hund nervös. Auch wenn der andere Hund nun schwanzwedelnd auf Björn zukommt, ist die Situation für Björn ungemütlich. Er will in der Lage sein, dem anderen Hund im Gefahrenfall ausweichen zu können. Das kann er aber nicht, darum bellt er.

Dieses Verhalten müssen wir aus Björn rauskriegen. Meine Frau und ich haben einen grundverschiedenen Ansatz zu Hunden. Daniela hat nie wirklich schlechte Erfahrungen mit Hunden gesammelt, ich fand Hunde immer schon gruselig. Insofern betrachtet sie den Hund auch anders als ich. Ich selbst bin oft ziemlich unsicher, ich muss erst lernen, wie man Björn liest und ich bin als Software-Typ darauf angewiesen, dass ich den Ablauf mit einem Hund verstehe. Daher vermeide ich im Moment jeglichen Kontakt mit anderen Hunden. Ich will Björn erst einmal selbst so weit sicher an der Leine haben, dass ich weiß, bei einem Zuruf kommt er zurück. Ich beobachte auch sehr genau die Umgebung. Seh ich einen Hundehalter in 10 km Entfernung, ändere ich auch mal die Route.

Dani hingegen geht tiefenentspannt mit Björn und auch mit den Nachbarhunden zusammen los. Daher wissen wir ja, dass er Hunde, die er kennt, mag. Bei fremden Hunden rastet Björn aber eben auch bei Daniela aus.

Was tun wir jetzt? Wie kriegen wir das mit anderen Hunden hin? Wie geschrieben, versuche ich erst einmal für mich selbst Sicherheit und Vertrauen zu Björn aufzubauen. Ich vermeide Kontakt mit anderen Hunden. Falls es aber doch zu Kontakt kommt, halte ich Björn sehr kurz und stelle mich vor ihn und den anderen Hund. Ich wechsele auch die Straßenseite. Tatsächlich rastet Björn dann auch nicht mehr aus und ignoriert den anderne Hund weitestgehend. Allerdings ist dies natürlich schlecht für die Sozialisierung, denn natürlich muss Björn mit anderen Hunden umgehen können.

Da Björn mittlerweile relativ gut auf mich hört, ist der nächste Schritt die regelmäßige Übung. Wir müssen interessanter als der andere Hund sein. Also wird eiskalt mit Leckerchen und „ruhiiiig“ zureden bestochen. Sobald ich selbst merke, dass ich auf einen Hund zugehe, muss ich anfangen, Björn mit Leckerli zu bestechen. Das darf ich nicht erst dann machen, wenn der Hund ausrastet, sondern schon in dem Moment, wo Björn den anderen Hund bereits wahrnimmt.

Kauen beruhigt den Hund und wenn er weiß, dass ein Artgenosse jede Menge Fressen bedeutet, bleibt er bei mir und der andere Hund ist uninteressant. Björn merkt so, dass er sich auf uns verlassen kann und wird früher oder später hoffentlich nicht mehr ausrasten. Für mich selbst ist das ziemlich schwierig, da ich bei anderen Hunden eben am liebsten Reißaus nehmen würde.

Fazit

Der Hund rastet an der Leine bei anderen Hunden aus. Das macht er aus Unsicherheit, nicht aus Agression Aggression heraus. Es gibt aber Lösungen, die alle voraussetzen, selbst entspannt zu bleiben.

  • Schreie deinen Hund nicht an, für ihn ist das auch nur Bellen und bestärkt seine Meinung, sein Verhalten wäre richtig
  • Lenke den Hund ab, noch bevor dieser in seiner Wutspirale landet.
  • Füttere den Hund mit Leckerlies, bevor er den anderen Hund wahrnimmt, so ist der andere Hund weniger interessant als du selbst und dein Hund merkt, dass du selbst auch total entspannt bist.
  • Stelle dich immer zwischen deinen Hund und dem anderen Hund, damit dein Hund weiß, er wird beschützt.

Nicht zuletzt: Du bist der Rudelführer. Du bist kein Diktator, aber als Leitfigur bist du dafür verantwortlich, deinem Rudel Sicherheit zu geben. Generell gilt aber: Sozialkontakt an der Leine ist tabu. An der Leite bist du und dein Hund eine Einheit.


Getagged unter: mudi,

Kommentare


Da lässt man EINMAL die Rechtschreibprüfung ganz außen vor und dann so was ;)

Ich habe mich ja noch nie für deine Website interessiert. Doch als ich deinen ersten Eintrag über Björn aus Neugierde gelesen habe, ist mein Interesse geweckt. Ich übersehe einfach den Schreibfehler bei 'Agression' :D aber dein Schreibstil gefällt mit verdammt gut. Nicht nur, dass es sehr informativ ist, es ist auch immer mit deinem gewissen Humor geschrieben worden und dadurch wird das Thema wirklich unterhaltsam uuuuund ich will mitbekommen wie du deine vergangenen Hundebeziehungen und deine jetzige reflektierst und in wie weit du dich auch auf den Hund einlässt. :p
Keep going!

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