Berlin Late Night - Kritik

Berlin Late Night - Kritik

Ich habe vor Jahren einmal einen Beitrag darüber verfasst, dass Latenight in Deutschland nicht funktionieren kann. Mein Fazit war damals schon, dass es nicht unbedingt an den Moderatoren dieser Shows liegt, sondern grundsätzlich immer mindestens an den Gästen, denn wir haben nun mal keine Leute wie Harrison Ford oder Susan Sarandon. Wir haben hier Prominente wie Anne Will oder Jan Böhmermann. Eine Latenight in Deutschland umzusetzen, ist also eine gigantische Herausforderung.

Klaas Heufer-Umlauf hat nun die bockschwere Aufgabe übernommen, eine klassische Latenight in Deutschland zu moderieren und zu etablieren. Hier nun die Kritik zu einer Sendung, die ich leider nicht zum Ende schauen konnte, weil es einfach nicht ging. Dabei hat Pro Sieben wirklich solide das Konzept vom Letterman, vom Kimmel und von Fallon übernommen und doch sind sie bisher nicht so richtig gut.

Das Set

Das Set sieht aus wie eine Mischung aus Gesangskabine, Stadion und TV-Abteilung vom Media-Saturn. Überall Holzlamellen, Flatscreens und ein viel zu langer weg für den Moderator bis zum Standup-Teil. Am Schreibtisch ist ein Flatscreen angebaut, bei dem ständig „Late Night Berlin“ hin und her flackert. So viel Action auf dem Bildschirm, bei einer Sendung, bei der es immer nur um den Host geht, lenkt ab. Pro Sieben sollte den Tisch durch einen klassischen Tisch austauschen und mindestens 20 m² Studiofläche wegnehmen.

Das Standup

Klaas ist eine Rampensau. Tatsächlich scheint er den Standup-Teil zu mögen, allerdings sollte man die Autoren darauf stoßen, mehr Statire und weniger billige Witze zu machen. Der Bad-Hair-Day-Witz über Trump und Kim Jong Un wäre gut gewesen, wenn ich besoffen auf einer Karnevalssitzung gesessen hätte. Für eine Latenight war das zu flach. Im Standup gelungen war der Spruch mit den Kegeln: „Wenn heute besoffene Deutsche alle Neune erwischen wollen, meinen sie die Flüchtlingsfamilie nebenan“. Das ist nicht wirklich politisches Kabarett, aber wenigstens tut es ein bißchen weh.

Ansonsten plätscherte das Standup eher da hin und ich selbst denke, dass man Klaas viel mehr Freiraum geben sollte, falls er sich wirklich für Politik interessiert.

Der Sketch

Es wurde ein Sketch eingespielt, bei dem Menschen von der Straße bestimmten, wie in etwa die GroKo-Gespräche ausgesehen hätten. Bitte nie wieder Sketche. Nie wieder.

Die Gäste

Genau genommen gab es nur Anne Will. Pro Sieben hat hier etwas richtig entschieden, denn Anne Will ist selbst Talkerin und hat normalerweise was zu sagen. Wie ich schon sagte, die deutschen Prominenten sind allesamt eher langweilig und promoten immer nur ihre dämlichen CDs oder Filme. Bei Frau Will gibt es wenigstens eine gute Rede. Das sollte man zumindest annehmen, allerdings kam das Gespräch nie so richtig in Gang und die Fragen waren allesamt eher lau.

Manöverkritik

Pro Sieben muss an der Sendung festhalten. Sie sollten nur ein paar Dinge dringend ändern. Zum einen sollte die Sendung live sein. Es bringt nichts, über „Undercover Boss“ zu sinnieren, wenn es um die Folge der letzten Woche geht. Es bringt auch nichts, richtig alte News abzuarbeiten. Latenight lebt von der Aktualität, das geht nur Live. Pro Sieben sollte außerdem diesen nervtötenden Bildschirm am Schreibtisch sofort verbrennen oder mir per Post schicken. Das Ding lenkt von den Gästen ab und macht mich nervös.

Aber Pro Sieben muss wirklich einen langen Atem beweisen und vielleicht sollte man Klaas einfach mal machen lassen. Ich glaube und hoffe, dass er das Potential hat, hier wirklich gut zu werden aber im Moment ist mir das alles viel zu lieb und viel zu sehr auf Sicherheit.

Nächste Woche sollte man auf jedenfall noch einmal einschalten.

Leider hat hier noch keiner seinen Senf zum Thema abgegeben. Sei du doch der erste. Oder die erste. Oder das letzte.

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