Microsoft hat Github gekauft - was bedeutet das eigentlich

Microsoft hat Github gekauft - was bedeutet das eigentlich

Wenn du Softwareentwickler bist, hast du sicherlich mitgekriegt, dass Microsoft Github für circa 7,5 Mrd Euro gekauft hat. Beide Unternehmen feiern dieses Event mit tollen Blogposts und noch tolleren Tweets. Schon als die Übernahme durch Microsoft bekannt wurde, kamen in einigen Foren Zweifel auf, was diese Aktion für die Opensource-Welt, viel mehr aber für die Closed-Source-Welt bedeutet. Lustigerweise wollten auch Google und Amazon kaufen.

Github bot nämlich neben den allseits bekannten öffentlichen git-Repositories auch geschlossene, kostenpflichtige Repos an. Als Betreiber des Portals könnte Microsoft in diese geschlossenen Codes Einsicht erhalten. Für Startups ist das sicherlich sehr gruselig, denn trotz aller Bemühungen in Opensource wird Microsoft von vielen Entwicklern noch immer als böse, code-klauende Datenkrake betrachtet. Seitdem Satya Nadella der CEO von Microsoft ist, hat das Redmonter Unternehmen allerdings eine ziemliche Wende genommen. Zu Zeiten von Steve Ballmer wurde Linux als „Krebsgeschwür“ betrachtet. Microsoft hat lange die Macht des Internets unterschätzt und noch viel länger keinen Fuß in diesen Bereich bringen können. Den neusten Browserkrieg tragen Google und Mozilla aus und auch wenn Edge tatsächlich ein relativ guter Browser ist, nutzen die meisten Menschen doch lieber einen anderen Browser. 

Einer der besten IDEs der Welt, Microsoft Visual Code, ist komplett Opensource und wenn man sich bei GitHub mal umschaut, so sieht man, Microsoft hat über 1800 Projekte im Portfolio. Neben dem Editor ist auch noch Typescript dabei oder auch die Javascript-Engine vom Edge-Browser.

GitHub hat es in 10 Jahren geschafft, den ewigen Platzhirsch SourceForge die Entwicklerbasis zu klauen. SourceForge war immer der wichtigste Hoster für Opensource, doch viele unglückliche politische Entscheidungen haben dafür gesorgt, dass der Ruf von Sourceforge nicht nur angeknackst, sondern völlig ruiniert wurde. Eine Zeit lang bekam man als Windows-Benutzer jede Menge Adware mit ins System geschleust, wenn man sich Pakete von SourceForge herunterlud. Sourceforge wurde 2016 aufgekauft und seitdem haben die Macher sich ganz klar von dieser Politik distanziert. Sourceforge hatte in der Vergangenheit auch den Umstieg von SVN auf git völlig verschlafen. Mittlerweile sieht das anders aus. Es gibt sogar einen git-Import.

Die Folgen

So richtig ist noch gar nicht klar, was die Folgen sein werden. Das GitHub-Team kann sich sicherlich nun die ein oder andere Insel kaufen oder mal so richtig feiern gehen. Wenn man allerdings mal guckt, was Microsoft früher gekauft hat und wie sich diese Projekte entwickelt haben, könnte man Angst bekommen:

Skype

Skype war ein Videotelefonieprogramm und Messenger, der sich damals dadurch auszeichnete, dass die gesamte Kommunikation über Peer-To-Peer funktionierte. Da der Port 80 genutzt wurde, konnte Skype sogar in Ländern wie China problemlos genutzt werden, da das P2P-Protokoll nicht direkt zu blockieren war. Microsoft übernahm Skype und schaltete das P2P-System nach und nach ab. Skype funktioniert nur noch über zentrale Microsoft-Server und auch nur noch mit einer Zwangskopplung zu einem Microsoft-Account

Azure

Einige Entwickler teilen die Angst, dass Microsoft nun die GitHub-Mitgliedschaft ebenso mit einem LIVE-Account koppeln will oder dass Microsoft das Deployment auf die Azure-Cloud vorantreiben möchte. Grundsätzlich ist Azure ja eine nette Sache, aber will ich als unabhängiger Enwickler im Microsoft-Orkus herumwuseln?

Azure
Startseite von Microsoft Azure, einem Clouddienstleister
GitHub-Importer
Sourceforge sieht hier eine Chance, wieder Opensource-Entwickler von sich zu überzeugen. Git wird natürlich unterstützt, SVN aber auch noch immer.

GitLab, Sourceforge, Gitea und so weiter

GitLab haut so richtig einen raus und erlaubt aktuell die bisher kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft für umsonst. Wenn Du ein Opensource-Projekt wie zum Beispiel Gnome oder Debian hast, kannst du die bisher kostenpflichtige Pro-Mitgliedschaft nun ab sofort für lau benutzen. GitLab reagiert damit auf die #movingtogitlab-Welle in sozialen Netzwerken. Sourceforge greift direkt an und hat GitHub zu der erfolgreichen Übernahme gratuliert. Mittlerweile nutzt SourceForge - wie oben ja beschrieben auch einen GitHub-Importer

Gitea bedeutet, dass man seine Repositories selbst hostet und eine feine, in Go-Lang geschriebene, Oberfläche dazu bekommt. Phabricator funktioniert da ganz ähnlich.

Selber hosten?

Tatsächlich sollte man sowieso überlegen, seine Git-Repositories dezentral zu hosten. Jeder Webhoster, der einen Zugriff auf die Linux-Konsole anbietet, erlaubt auch git. Man kann tatsächlich einen eigenen Git-Server aufsetzen und über den problemlos arbeiten. Schwierig ist halt, dass die „grafischen Oberflächen“ komplett fehlen. Projekte wie ein selbst gehostetes Gitea oder die GitLab Variante laufen in der Regel nur, wenn man sie sauber über die Shell installiert. Ohne Root-Server kommt man nicht weit. Aber es ist nachweislich kein Problem, git-Repositories bei Hostern zu nutzen, die einfach nur eine SSH-Umgebung bereit stellen.

Der Quellcode für meine Homepage zum Beispiel liegt auf einem Git-Repository. Allerdings gebe ich das System noch nicht frei.

Und das Fazit

Keiner weiß, was Microsoft vorhat. Die News auf der Azure-Website bzgl. des GitHub-Kaufes lässt mich zumindest neugierig werden. Offenbar hat Microsoft tatsächlich vor, irgendwie innerhalb der SAAS-Geschichten eine Installation von Paketen über Git-Clones oder sowas ähnliches zu realisieren. Grundsätzlich ist das gar nicht mal so unspannend. Die Angst der Entwickler teile ich natürlich. Denn wenn man Closed-Repos hat und das böse Microsoft da rein schauen kann, finde ich das auch irgendwie heftig.

Leider hat hier noch keiner seinen Senf zum Thema abgegeben. Sei du doch der erste. Oder die erste. Oder das letzte.

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