Schulmassaker - mal wieder

Schulmassaker - mal wieder

In Florida kam es mal wieder zu einem Amoklauf an einer Schule. So schade.

Wisst ihr, was mich bei solchen News am meisten stört?

  1. Es ist nicht die Tatsache, dass ein Schüler offensichtlich übergeschnappt ist und die einzige Lösung für ihn der Tod seiner Mitschüler war.
  2. Es ist nicht die Tatsache, dass wir mittlerweile so abgefuckt abgestumpft sind, dass es uns eigentlich gar nicht mehr interessiert
  3. Es ist nicht mal die Tatsache, dass jetzt die Diskussionen über das Waffenrecht ausbrechen werden.

Dieser ganze Mist ist komplett egal. Es ist mir wirklich egal, dass amerikanische Schulen offensichtlich unsicherer sind als sogenannte herkunftssichere Länder. Die Amerikaner werden wieder in ihren Latenight-Shows darüber reden, wie schlimm die Welt ist. Die Amerikaner werden wieder darüber sinnieren, dass man die Waffengesetze vielleicht anpassen sollte. Es wird vermutlich wieder ein paar wirklich intelligente Statements zu diesem Thema geben und am Ende dieser Woche lehnen wir uns zurück und freuen uns darüber, dass gesprochen wurde. Wir sind jetzt im Jahr 2018. Innerhalb der eineinhalb Monate dieses noch jungen Jahres gab es in Amerika bereits 18 Schießereien an Schulen. Wenn man davon ausgeht, dass dieses Jahr also erst ca 40 Tage hat, ist das alle 2 Tage ein Amoklauf. Die üblichen Kondolenz-Tweets vom US-Präsidenten wurden gepostet. Die US-Prominenz schreit wieder nach strengeren Waffengesetzen und ich sitze hier und frage mich, mit welchem Grundrecht eine halbautomatische Maschinenpistole eigentlich vereinbar ist. Zur Jagd auf Tiere oder zur Selbstverteidigung kann das ja nicht sein. 17 Menschen fanden den Tod. 17 Familien wurden zerstört.

Wir in Deutschland denken immer, dass diese US-Städte so riesig seien, sind sie aber nicht. Parkland ist vergleichsweise klein, also kann man davon ausgehen, dass wirklich jeder irgendwen kennt, der in dieser Schule erschossen wurde. Die hiesige KGS Rastede hat eine Schülerzahl von ca. 3000 Schülern, in der Marjory Stoneman Douglas High School ist die Schülerzahl identisch hoch. Ich kannte zu meiner Schulzeit zumindest vom Sehen her die meisten meiner Mitschüler, eben auch Jahrgangsübergreifend.

Doch - es wird sich gar nichts ändern. Die amerikanischen Waffengesetze wirken auf die meisten Deutschen total befremdlich. Es ist ein Grundrecht, dass jeder Amerikaner eine Waffe tragen darf. Der 2. Zusatzartikel zur Verfassung sagt ganz klar, dass das Recht auf Waffenbesitz nicht eingeschränkt werden darf. Für die Amerikaner ist dieser Zusatzartikel also im Grunde genommen genau so wichtig, wie für Menschenrechtler der Satz, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Ich bin jetzt kein Anwalt oder Politiker, aber sogar ich weiß, dass eine Änderung der Verfassung unglaublich kompliziert ist. Fünf Millionen Amerikaner sind Mitglied der NRA, der National Rifle Association und tatsächlich ist dieser Verband einer der größten Lobbyisten überhaupt.

Während mein gesunder Menschenverstand mir sagt, dass nur strengere Waffengesetze dafür sorgen können, dass ein Amoklauf nicht mehr passiert, argumentiert die NRA so, dass jeder Lehrer eine Schusswaffe tragen sollte, um sich gegen Amokläufer durchzusetzen. So hat „ein guter Schütze eine Waffe gegen einen bösen Schützen“ [1] - Was allerdings passiert, wenn ein Lehrer mal überschnappt, wurde von der NRA leider nie so richtig mitgeteilt.

Wir halten also fest: Im Moment sind wir alle ganz traurig und weinen. Die Amerikaner drücken ihr Verständnis und ihre Gebete aus und nächste Woche geht's dann normal weiter. Bis halt wieder irgendwer seine Mitschüler abknallt.

Leider hat hier noch keiner seinen Senf zum Thema abgegeben. Sei du doch der erste. Oder die erste. Oder das letzte.

Über...

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