Von sozialer Kompetenz im Internet - dem Drecksloch

Von sozialer Kompetenz im Internet - dem Drecksloch

Beleidigungen früher

Damals™ war das Internet die Spielwiese von Nerds. Wir waren mit unseren HTML-Kenntnissen die Könige auf dem Spielplatz und fluteten erst Geocities und unsere überteuerten eigenen Webspaces mit animierten GIFs und hässlichsten Buttons. Doch jeder fand uns cool, denn wir waren im Internet. Irgendwann später kam die Option dazu, dass wir unsere Internetseiten mit Gästebüchern erweitern konnten. Plötzlich konnten unsere Freunde uns Nachrichten wie „deine Homepage ist total geil geworden“ auf die Internetseite pappen. Doch auch da bestanden die meisten unserer Besucher tatsächlich aus unserem Freundeskreis.

Im Usenet war es seinerzeit noch normal, sich gegenseitig zu beleidigen.

Die Zeiten haben sich geändert. Mit MySpace bekamen wir alle urplötzlich die Möglichkeit, Webseiten zu erstellen, ohne nur einen Deut HTML zu können. Und spätestens hier entwickelte sich etwas. Denn Fans der Band XYZ schrieben plötzlich in das MySpace-Gästebuch der Band VWX, wie scheisse die Band eigentlich ist. Im Usenet haben wir uns auch gezofft, da gehörte das aber dazu und bei allen Beleidigungen waren das immer Beleidigungen fachlicher Natur.

Von toten Flüchtlingskindern zum Rassenhass

Heute wird bei Facebook das Bild eines toten Flüchtlingskindes gepostet. Die ersten zwei oder drei Kommentare unter dem Bild sind normalerweise noch geprägt von Mitleid und Empathie. Doch spätestens der dritte Kommentar sagt: „Tja, schade. Wäre er mal in seinem Land geblieben.“ Es wird bewusst provoziert und irgendwie wird das ganze auch noch als Satire verstanden, doch jetzt geht der Spaß erst richtig los: „Von denen sind eh viel zu viele hier. Können die nicht einfach in ihrem Land bleiben?!!!“ „Die kommen hier her und unsere Kinder verhungern! Und die Männer vergewaltigen unsere Frauen

Ab sofort geht es nicht mehr um das tote Kind auf dem Foto, sondern um gangbangartige Zustände, bei denen „unsere Frauen“ von notgeilen „Safris“ geschändet werden. Die Hetzermeute ist langsam auf Betriebstemperatur, es fehlt eigentlich nur noch die finale Keule. Wenn man nun jemanden hat, dessen Hirn zwar von Hass zerfressen ist, der aber nicht völlig blöd ist, wird er sein finales Nazi-Statement nicht direkt als Aufforderung posten, viel mehr wird er sein Statement als Frage stellen: „Warum saufen die nicht alle unterwegs ab?“ 

Bamm! Ab sofort sind wir von dem Jungen meilenweit entfernt, es gilt jetzt nur noch darum, wirklich alle Flüchtlinge im Mittelmeer zu verenken, doch die Hetzer rufen nicht zu Mord auf, sie stellen lediglich die richtigen Fragen. Für Fragen kann man nicht wirklich belangt werden. Die Intention, alle Menschen aus dem Ausland einfach versenken zu wollen, ist da, aber sie wurde eben niemals direkt gefordert. 

Tote Hunde

In meiner Twittertimeline wurde der Hund einer Bekannten getötet. Der Hund wurde mit Giftködern hingerichtet und natürlich litten wir alle mit der Besitzerin. Doch irgendwann tauchte auch hier ein Troll aus und gab seinen Hass gegen Tiere zum Besten. Man müsste Hunde und Katzen allesamt vergiften! Natürlich wurde dieser Account gemeldet und seitens Twitter sogar innerhalb eines Tages gesperrt, aber wenn jemand Trauer wegen seinem Hund schiebt, dann reibt man als sozial kompetenter Mensch doch nicht noch Salz in die Wunde. 

Scheisse - Internet

Jeder, der online sein kann, kann seinen Kram veröffentlichen. Wir sind alle Journalisten und wir sind alle in der Lage, mit unseren Beiträgen eine Meinung zu verteilen. So grundsätzlich demokratisch das klingt, so sehr wird dies leider vergewaltigt. Das Internet von jetzt ist ein Sammelplatz voller Fakenews. Es ist mittlerweile sogar erwiesen, dass durch gezielte Verbreitung von Falschmeldungen Wahlen beeinflusst wurden. Jeder ist in der Lage, jemand anderen einfach so fertig zu machen. Die Kontrolle seitens der Betreiber sozialer Netzwerke findet nicht statt. Dieser Zustand hält an. Es geht sogar so weit, dass Präsidenten über Twitter nukleare Krisen auslösen können. Ein Typ wie Donald Trump dürfte gar keinen Zugang zum Internet haben, der macht da nur Blödsinn mit. Ich stelle mir sogar seinen Administrator-Hiwi vor, der alle 2 Wochen ins Büro vom Präsi muss, weil dieser mal wieder das Chrome-Icon vom Desktop gelöscht hat.

Fazit

Ich lebe nach der Maxime, dass ich im Internet ausschließlich das poste/schreibe/sage, was ich jedem fremden Menschen auch direkt ins Gesicht sagen würde. Bisher fahre ich ganz gut damit. Wie macht ihr das?


Getagged unter: socialmedia,

Kommentare


Das Fazit finde ich super. :)

Moin, ich bin der Meinung, dass sich Äusserungen on- & offline nicht unterscheiden sollten. Mal abgesehen davon, das es mir hochgradig peinlich wäre manche Dinge in sozialen Medien zu äußern. Gruß nach Hamburg.
Unterstütze mich:

Willst Du meine Arbeit unterstützen? Sehr schön. Dann rufe doch die folgende Seite auf:
Support Trancefish!

Mixcloud:
Anzeige:
Ähnliche Posts:
login